22. Februar 2026, 12:48 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Ein leerer Akku kann im Alltag schnell zum Problem werden. In China setzen einige Hersteller deshalb auf Smartphones mit extrem großen Batterien. Doch warum sind solche Modelle hier kaum erhältlich?
Ein Beispiel: Das Oukitel WP100 Titan bringt es auf 33.000 Milliamperestunden, kurz mAh. Diese Einheit gibt an, wie viel elektrische Ladung ein Akku speichern kann. Das Gerät ist über 35 Millimeter dick, hat ein 6,8 Zoll großes Display und wiegt 875 Gramm. Damit ist es fast so schwer wie ein kleiner Laptop – und mehr als viermal so schwer wie ein Galaxy S25 Ultra.
Wie außergewöhnlich dieser Wert ist, zeigt eine Regel aus Europa: Powerbanks dürfen im Flugzeug nur bis maximal 100 Wattstunden ohne Genehmigung ins Handgepäck. Wattstunden beschreiben den Energiegehalt eines Akkus. Bei den für Smartphones üblichen 3,7 Volt Spannung entsprechen 100 Wattstunden 27.000 mAh. Das Oukitel liegt also deutlich darüber und dürfte nicht ohne Genehmigung mit ins Flugzeug.
Weitere Beispiele sind das Ulefone Armor 24 mit 22.000 mAh sowie das Honor Power2 mit 10.080 mAh. Zum Vergleich: Ein Samsung Galaxy S25 Ultra kommt auf 5000 mAh, ein Google Pixel 10 Pro auf 4870 mAh und das Apple iPhone 17 Pro auf etwa 3988 mAh (zumindest in Europa). Milliamperestunden allein sagen zwar nichts direkt über die Laufzeit aus, dienen aber der Vergleichbarkeit.
Warum solche Modelle in China verbreitet sind
Marken wie Oukitel und Ulefone bedienen in China eine Nische. Das WP100 Titan richtet sich an Outdoor- und Camping-Fans. Wer lange ohne Steckdose unterwegs ist, profitiert von einem großen Akku. Auch robuste Einsätze wie lange Wandertouren oder Tage auf der Baustelle stehen im Fokus. Laut dem Marktforschungsinstitut Counterpoint ist der durchschnittliche Smartphone-Akku in China größer als anderswo. Im Schnitt sind es 5.418 mAh und damit 500 mAh mehr als im Rest der Welt.
Laut Counterpoint liegt das daran, dass Produzenten in China für den Binnenmarkt zunehmend Akkus auf Silizium-Kohlenstoff-Basis einsetzen. Diese zeichnen sich durch eine höhere Energiedichte gegenüber klassischen Lithium-Ionen-Batterien aus und ermöglichen es dadurch, bei schlankerem Design größere Energiemengen zu speichern. Etablierte Marken wie Samsung oder Apple verzichten bislang auf diese Technik – nicht zuletzt, weil Fragen zur langfristigen Haltbarkeit der Energiespeicher noch nicht abschließend geklärt sind.
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Sehr große Akkus bringen aber auch Probleme. Sie benötigen viel Platz im Gehäuse und machen das Gerät unhandlich und schwer. Das kann sich auf Kameraqualität, Lautsprecher, Antennen oder Kühlung auswirken. Außerdem sind große Akkus teuer. Hinzu kommen stabile Gehäuse mit Metallverstärkung und Gummirändern, was die Kosten weiter erhöht. Ein weiterer Nachteil ist die Ladezeit. Je größer der Akku, desto länger dauert das Aufladen.
Warum solche Geräte hier selten sind
Viele Nutzer in Europa akzeptieren solch schwere Smartphones nicht. Geräte über 200 Gramm wie Galaxy S25 Ultra oder iPhone 17 Pro Max stoßen oft schon auf Kritik. Stattdessen wünschen sich viele ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Akkulaufzeit und Handlichkeit. Flaggschiffe bieten meist zwischen 4000 und 5000 mAh. Das reicht je nach Nutzung für ein bis zwei Tage.
Zusätzlich gelten in der Europäischen Union strenge Produkthaftungsregeln. Sie sollen vor Akkubränden und anderen Risiken schützen. Je höher der Energiegehalt, desto aufwendiger und teurer wird die Zertifizierung. Auch Umweltvorgaben, etwa zum einfachen Austausch des Akkus oder zur Entsorgung am Lebensende, erschweren besonders große Batterien.