17. September 2026, 9:34 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Mit iOS 27 führt Apple eine Reihe von neuen, KI-gestützten Werkzeugen für die Bildbearbeitung ein. Mit der Funktion „Räumliches Neuausrichten“ lässt sich nachträglich der Blickwinkel einer Fotoaufnahme ändern, indem vorher nicht sichtbare Bildbereiche neu generiert werden. In der Regel handelt es sich dabei um eine simple Ergänzung vorhandener Texturen wie Blätter, Wolken oder Straßen. In einem kuriosen Fall hat Apples KI-Werkzeug jedoch eine frei erfundene Person zu einem Foto hinzugefügt. TECHBOOK konnte das Problem nachstellen.
KI denkt sich wildfremde Personen aus
Wie ein Nutzer auf Reddit berichtet, trat das Phänomen mit „Neu ausrichten“ bei der Bearbeitung eines Fotos mit einem Pferd auf. Nach Berechnung des neuen Bildausschnitts erschien plötzlich ein unbekannter Mann, der im Original nicht vorhanden war:
Auf Nachfrage zeigte der Nutzer auch das Originalbild, auf dem hinter dem Pferd ein winziger Teil einer roten Mütze sowie eine Schulter erkennbar sind. Das KI-Werkzeug erkannte also, dass eine Person hinter dem Pferd sein muss, und füllte die durch Neuausrichtung des Fotos entstandene Freifläche entsprechend aus.
Der Nutzer bezeichnete den hinzugefügten Mann als kompletten „Rando“. Die Person war ihm nicht bekannt und wurde vollständig von der Bildbearbeitung erzeugt.
Nach etwas Herumprobieren mit neuen und bereits vorhandenen Fotos konnte TECHBOOK tatsächlich Fotos mit gänzlich KI-generierten Gesichtern erzeugen. Wie unser Beispiel zeigt, reicht es dafür schon aus, das Gesicht mit einem Objekt so zu verdecken, dass Oberkörper und ein Teil der Haupts sichtbar bleiben.
In unserem Beispiel habe ich mir eine Bluetooth-Tastatur vor das Gesicht gehalten und danach versucht, den Bildausschnitt so zu verschieben, dass mein Gesicht unter der Tastatur hervorschaut. „Räumliches Neuausrichten“ hat sich tatsächlich darauf eingelassen und in einem Fall die untere Gesichtspartie und in einem anderen Fall ein komplett neues Gesicht generiert.
Das TECHBOOK-Beispiel mit Redakteur Adrian Mühlroth zeigt, wie Apples KI-Werkzeug „Räumliches Neuausrichten“ fremde Personen erzeugt Foto: TECHBOOK
Immerhin sind die Ergebnisse sehr schmeichelhaft, auch wenn sie nicht annähernd der Realität entsprechen. Hier könnte Apple nachbessern, indem es für die Rekonstruierung von Gesichtern auf bereits vorhandenes Bildmaterial in der eigenen Mediathek zugreift.
So funktioniert „Räumliches Neuausrichten“
Mit iOS 27 erweitert Apple seine KI-Werkzeuge für die Bildbearbeitung in der Mediathek. Neben einer verbesserten „Bereinigen“-Funktion kommen „Erweitern“ und „Räumliches Neuausrichten“ hinzu. Mit „Erweitern“ lässt sich ein Bild vergrößern, indem zusätzliche Flächen an den Rändern generiert werden. „Räumliches Neuausrichten“ hingegen erlaubt, den Aufnahmewinkel im Nachhinein komplett zu verändern.
Dadurch können jedoch Flächen sichtbar werden, die vorher durch das Fotosubjekt verdeckt waren. Diese muss das KI-Werkzeug auf Basis der vorhandenen Details ergänzen. Im Fall des Pferdefotos dienten der kleine sichtbare Teil der Mütze und die Schulter mit schwarzem T-Shirt als Ausgangspunkt. Zwischen diesen beiden Punkten fügte „Räumliches Neuausrichten“ eine Person ein.
Das Reddit-Beispiel verdeutlicht damit eine grundsätzliche Grenze künstlicher Intelligenz bei der Fotobearbeitung. Fehlende Bildinformationen sind nicht nachträglich abrufbar, da Smartphone-Kameras Fotos weiterhin nur in zwei Dimensionen aufnehmen. Generative KI kann zwar die Lücken füllen, das Ergebnis bleibt aber lediglich eine Annäherung an die Realität – und nicht mehr.
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