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Konkurrenz muss es richten

4 Gründe, warum Apple mit Siri gescheitert ist

Apple wollte Siri selbst zu einer Künstlichen Intelligenz weiterentwickeln, ist nun aber auf die Hilfe der Konkurrenz angewiesen
Apple wollte Siri selbst zu einer Künstlichen Intelligenz weiterentwickeln, ist nun aber auf die Hilfe der Konkurrenz angewiesen Foto: SOPA Images/LightRocket via Getty Images
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Adrian Mühlroth
Redakteur

6. Mai 2026, 17:37 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Dass Apple die Entwicklung Künstlicher Intelligenz gehörig verschlafen hat, ist kein Geheimnis. Nun zahlte der Konzern sogar 250 Millionen US-Dollar an Kunden in den USA, weil KI-Neuerungen versprochen, aber nie geliefert wurden. Konkret geht es dabei um Siri, die auf ChatGPT-Niveau sein und den persönlichen Kontext verstehen sollte.

Am besten zeigte das der unrühmliche Werbespot mit Bella Ramsey von September 2024, den Apple mittlerweile jedoch gelöscht hat. Zwei Jahre später können iPhone-Besitzer endlich auf die KI-Rettung hoffen. Doch diese kommt nicht von Apple, sondern von Google – in Form von Gemini. Das wirft die Frage auf, was eigentlich bei der KI-Entwicklung unter Noch-CEO Tim Cook schiefgelaufen ist und warum Apple es nicht geschafft hat, den Kurs selbst zu korrigieren.

Apple von Anfang an auf Hilfe angewiesen

Mit iOS 27 plant Apple laut „Bloomberg“, Nutzern die Möglichkeit zu geben, Apple Intelligence gegen KI-Lösungen von Drittanbietern zu ersetzen. Der Konzern soll bereits Verträge mit Google und Anthropic haben, um Kernsysteme wie Siri, Schreibtools und Image Playground für Gemini und Claude zu öffnen.

Das Ganze steht nicht im Widerspruch zu Apples bisherigem Ansatz für Apple Intelligence. Der Konzern kooperiert seit 2024 für bestimmte KI-Funktionen mit OpenAI. Google greift zudem bei der Entwicklung der neuen Siri unter die Arme, deren Foundation Models auf Gemini basieren. Apple war somit schon seit dem Start von Apple Intelligence auf Hilfe von außen angewiesen. Die Gründe dafür sind vielschichtig – ein Überblick:

1. Grenzen der ursprünglichen Siri-Architektur

Siri wurde 2011 als sogenanntes Intent-basiertes System eingeführt. Dabei werden feste Befehle einprogrammiert, auf die der Assistent mit vordefinierten Aktionen reagiert. Für einfache Abfragen wie das Wetter oder einen Timer funktioniert dieses Prinzip zuverlässig. Für komplexe Gespräche oder offene Fragestellungen ist es jedoch ungeeignet.

Die Umstellung auf große Sprachmodelle (LLMs), die ChatGPT und Co. zugrunde liegen, erfordert tiefgreifende Änderungen. Es handelt sich nicht um eine einfache Weiterentwicklung, sondern um einen grundlegenden Neuaufbau. Apple entwickelt zwar eigene Sprachmodelle, die durchaus in der Lage wären, Siri anzutreiben. Doch die Überführung der Modelle in einen vollwertigen Sprachassistenten birgt im Zusammenspiel mit Apples Ansatz bei Datenschutz und Qualitätssicherung weitere Probleme.

2. Datenschutz und Halluzination

Apples selbst ernannter Fokus liegt auf Datenschutz. Die Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle benötigt große Datenmengen, die nur in großen Serverfarmen ausgewertet werden können. Der Ansatz, Daten in erster Linie lokal zu verarbeiten, schränkt den Umfang der Nutzerdaten, die in das LLM-Training einfließen können, enorm ein.

Hinzu kommt, dass Siri in erster Linie kein Chatbot, sondern ein System zur Ausführung von Aufgaben ist. Der Assistent kann Apps öffnen, Einstellungen ändern und Nachrichten senden. KI-Chatbots können trotz aller Leitplanken jedoch oft halluzinieren – was mit der tiefgreifenden Systemintegration von Siri ein echtes Problem darstellt. Falsche Antworten sind eine Sache, gelöschte Dateien eine andere.

Apple kann – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – die eigenen Qualitätsansprüche nicht erfüllen. In einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ sagte Software-Chef Craig Federighi dazu: „Das funktioniert einfach nicht zuverlässig genug, um ein Apple-Produkt zu sein.“ Systemfehler und falsche Antworten könnten Nutzer irritieren und dieses Image möchte sich der Konzern nicht einfangen. Durch die Einbindung von Lösungen wie ChatGPT und Gemini lässt sich die „Schuld“ auf die Drittanbieter abwälzen.

3. Ineffiziente interne Strukturen

Die Entwicklung der neuen Siri wurde stark durch interne Fragmentierung gebremst. Statt eines klar abgegrenzten Teams war Siri über Jahre hinweg auf mehrere Gruppen verteilt. Diese Struktur erschwerte schnelle Entscheidungen und führte dazu, dass Fortschritte in der KI-Forschung nur langsam in das Produkt übergingen.

Cook, Giannandrea und Federighi auf der WWDC 2024
John Giannandrea (zwischen Tim Cook und Craig Federighi) sollte den KI-Umschwung bei Apple bewerkstelligen, scheiterte aber an internen Blockaden Foto: AFP via Getty Images

Der ehemalige KI-Chef John Giannandrea konnte Siri zwar signifikant vorantreiben, aber Forschung, Infrastruktur und Produktentwicklung nicht zusammenführen, da zu viele Komponenten von Siri bei anderen Zuständigen lagen. Das Resultat war eine träge Umsetzung, während die Konkurrenz stetig neue Sprachmodelle entwickelte.

4. Konkurrenz zu weit voraus

Hinzu kam Apples vergleichsweise später Einstieg in die LLM-Entwicklung. Unternehmen wie Google und OpenAI investierten bereits früh massiv in Transformer-Modelle und skalierbare Cloud-Infrastruktur. Apple verfolgte lange seinen vorsichtigen Ansatz lokaler Datenverarbeitung und geriet damit ins Hintertreffen.

Mit dem unerwarteten Launch von ChatGPT 2022 und der rasanten Verbreitung von generativer KI war es für Apple schon zu spät. Auch der Abgang von Giannandrea und die Überführung der Siri-Entwicklung in das Software-Team von Federighi konnten den Kurs nicht umkehren. Selbst Google geriet mit seinem KI-Chatbot Bard gehörig ins Straucheln und konnte erst mit Gemini wirklich gegenüber ChatGPT Fuß fassen.

Apple Intelligence, Gemini oder Claude? Nutzer haben die Wahl

Seinen unaufholbaren Rückstand hat Apple mittlerweile selbst erkannt. Der neue Ansatz: eine hybride Strategie. Kleinere KI-Modelle stammen von Apple selbst und laufen in der Regel lokal auf dem Gerät. Dazu gehören etwa die Schreibtools und Image Playground. Reicht die Leistung nicht aus, werden die Aufgaben über eine gesicherte Verbindung namens Private Cloud Connect auf Apples eigenen Servern bearbeitet. Für komplexe Aufgaben können iPhone-Nutzer auf ChatGPT zugreifen, das direkt als Erweiterung in Apple Intelligence integriert ist. Die KI kann etwa Texte umschreiben, Objekte in Bildern erkennen und ist über Siri („Frag ChatGPT“) erreichbar.

Mit der neuen Siri auf Basis von Google Gemini, die noch 2026 erscheinen soll, baut Apple die hybride Strategie weiter aus. Der Sprachassistent soll dann in der Lage sein, den persönlichen Kontext der Nutzer zu verstehen – etwa aus Kalendereinträgen, Mails und Nachrichten – und Apps komplett autark zu steuern. Zudem könnte Siri eine eigene App bekommen und dadurch längere Chatgespräche per Text oder Sprache wie bei ChatGPT und Gemini ermöglichen. Das alles findet weiterhin unter dem Apple-Intelligence-Schirm statt.

Darüber hinaus bekommen Nutzer mit iOS 27 jedoch die Wahl, den KI-Assistenten selbst zu wählen. Anstelle von Apple Intelligence sollen zukünftig Google Gemini, Anthropic Claude und potenziell weitere zur Verfügung stehen. Eine ähnliche Auswahl ermöglicht Android bereits seit 2025 – hier können ChatGPT und Perplexity Gemini als Standard-Assistenten ersetzen. Apple zieht in diesem Sinne nur nach, um Nutzern den KI-Assistenten zu bieten, den sie am ehesten benötigen. Der Unterschied dabei ist, dass Apple Intelligence bereits auf das Know-how der Konkurrenz zurückgreift, um überhaupt Künstliche Intelligenz anbieten zu können.

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