6. April 2026, 16:12 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Schon einmal von der Marke Rollei gehört? Falls nicht: Frag mal Deine Eltern, oder vielleicht sogar Deine Großeltern. Vor mehr als einem Jahrhundert prägte Rollei die Fotografie: Mit ikonischen Kameras wie der Rolleiflex zählte das Unternehmen lange zu den innovativsten Herstellern der Branche. Und die Traditionsmarke existiert bis heute. TECHBOOK blickt auf die Historie des in Braunschweig gegründeten Kameraherstellers, die zeitweise eine beeindruckende Erfolgsgeschichte war – von den Anfängen bis in die Gegenwart.
Dazu muss man sagen, dass das Unternehmen anfangs noch gar nicht den Namen Rollei trug. Es wurde 1920 in Braunschweig als Franke & Heidecke gegründet, benannt nach den beiden Gründern – Paul Franke und Reinhold Heidecke –, wie es damals üblich war. Ziel war die Entwicklung hochwertiger Rollfilmkameras für professionelle Ansprüche. In den Anfangsjahren entstanden vor allem Rollfilm- und Stereo-Kameras, darunter Modelle wie der Heidoscop, von denen einige heute im Deutschen Kameramuseum ausgestellt sind. Auch handelt es sich heute bei alten Rollei-Kameras um wertvolle Sammlerstücke. Auf der Rollei-Website erfährt man mehr über die wichtigen Eckdaten der Unternehmensgeschichte. Der eigentliche Durchbruch der Firma gelang 1929, und der hatte auch maßgeblichen Einfluss auf die Firmierung.
Entstehung und Durchbruch von Rollei
Die Rede ist von der Vorstellung der Rolleiflex (s. großes Foto oben). Die zweiäugige Spiegelreflexkamera sorgte direkt für Aufsehen – ihre Bildqualität war außergewöhnlich hoch, die Bauweise robust und ihre innovative Handhabung überzeugte Fotografen direkt. Sie sprachen bald nur noch von „Rollei“. Das Produkt wurde zum internationalen Erfolg und prägte das Image des Unternehmens über Jahrzehnte hinweg. Doch erst im Jahr 1962 reagierte das Unternehmen darauf und änderte seinen offiziellen Namen in Rollei-Werke, Franke & Heidecke. Umgangssprachlich wollte sich nur ein Teil davon durchsetzen: das einfache Rollei. Inzwischen taucht der alte Gründername Franke & Heidecke nur noch in historischen Kontexten auf.
Rollei-Produkte neben der berühmten Rolleiflex
In den Jahren nach dem Serienstart der Rolleiflex ist das Unternehmen weitergewachsen. So entstand etwa zwischen den 1930er- und 1940er-Jahren für Einsteiger und semiprofessionelle Fotografen die Rolleicord, über die man auf der Website des Deutschen Kameramuseums mehr erfährt. Es war eine einfachere Variante der zweiäugigen Spiegelreflexkamera, kurz: TLR (Twin-Lens Reflex). TLR-Kameras verfügen über zwei übereinander angeordnete Objektive: eines für die Aufnahme auf den Film und eines für den Sucher. Das ermöglicht Verwendern eine kontinuierliche Sicht auf ihr Motiv. Die Rolleicord nutzte Mittelformatfilm (ca. 6 × 6 Zentimeter) – deutlich größer als Kleinbildfilm, für schärfere, detailreichere Bilder. Kompakt und leicht bedienbar, war die Kamera ideal für Hobbyfotografen.
Die nächste echte Produktinnovation nach der Rolleiflex war in den 1950er-Jahren das Rolleimarin: ein Unterwassergehäuse für die Rolleiflex, das völlig neue fotografische Möglichkeiten eröffnete. Parallel blieb die Rolleicord als kompakte TLR-Kamera bei Einsteigern und semiprofessionellen Fotografen beliebt. In den 1960er-Jahren schließlich brachte Rollei mit der Rollei 35 eine revolutionäre Kleinbildkamera auf den Markt. Kleiner als ein DIN-A4-Blatt und dadurch extrem handlich, wurde sie prompt zum Verkaufsrenner.
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Expansion und damit verbundene Herausforderungen
Bald baute Rollei seine internationale Präsenz aus. Um den wachsenden asiatischen Markt zu bedienen, eröffnete das Unternehmen Anfang der 1970er-Jahre einen Produktionsstandort in Singapur. In dieser Zeit galt es als technologischer Vorreiter der Branche. Doch zunehmend wurde auch der Konkurrenzdruck spürbar. Japanische Hersteller (z. B. Canon, Nikon und Minolta) punkteten mit hochmodernen, kleineren und vergleichsweise günstigen Kleinbildkameras mit Autofokus und moderner Elektronik. Bei Rollei dagegen erfolgte die Anpassung an die neuen Trends nur schleppend, der deutsche Mitbewerber konnte nicht Schritt halten.
Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von internen Veränderungen. Bis in die 2000er-Jahre wechselten mehrfach die Firmeneigentümer. Rollei verlor zunehmend seine Position als führender Kamerahersteller und fuhr seine klassische Produktion in Deutschland zurück. Doch während die einstige Kernkompetenz, der Kamerabau, schrumpfte, wuchs das Zubehörgeschäft: Stative, Blitzgeräte, Taschen und weiteres Fotografie-Zubehör sicherten die Marktpräsenz des Unternehmens. „Rollei hat sich neu erfunden“, hieß es 2010 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Firma in einer Pressemitteilung.
Rollei heute – Zubehör statt Kameras
Das Jahr 2010 markierte eine grundlegende Neuausrichtung der Traditionsfirma Rollei. Bereits drei Jahre zuvor, 2007, begann die RCP Technik GmbH mit der Lizenzierung der Marke. Mit dem späteren Erwerb der weltweiten Markenrechte übernahm das junge Unternehmen Rollei vollständig und siedelte die Marke in Norderstedt/Hamburg an. Seitdem liegt der Schwerpunkt auf Foto- und Videoprodukten, Actioncams, Stativen, Filtern und Blitzgeräten, mit denen Rollei Fachleuten und anderen Interessierten auch auf Messen begegnet.
Die klassischen Kameramodelle der Vergangenheit sind heute nur noch historische Ikonen; die Marke Rollei steht heute primär für Fotografie-Zubehör und kreative Anwendungen, nicht mehr für die Herstellung von Kameras.