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Neuer Ansatz für Altersvorsorge

Rente neu denken – soll Technologie künftig mitzahlen?

Rentenreform
Deutschlands Rentensystem steht vor Reformen Foto: Getty Images
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Daniela Leistikow

6. Januar 2026, 15:05 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Deutschlands Rentensystem soll fit für die Zukunft gemacht werden. Dafür arbeitet eine Kommission bis Mitte 2026 an Vorschlägen für eine umfassende Reform der Altersvorsorge. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer bringt nun einen Ansatz ins Spiel, der bislang kaum konkret diskutiert wurde.

Im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur machte Schweitzer deutlich, dass sich die Arbeitswelt grundlegend verändert. Wenn Maschinen, Software und KI immer größere Teile der Wertschöpfung übernehmen, müsse sich das auch in den sozialen Sicherungssystemen widerspiegeln. Produktivitätsgewinne dürften nicht allein Unternehmen zugutekommen, sondern müssten stärker zur Stabilisierung der Rente beitragen. Die Rentenkommission solle deshalb prüfen, wie technologische Fortschritte künftig systematisch in das Rentensystem einbezogen werden können.

Technologie als neuer Faktor der Altersvorsorge

Schweitzer sieht in KI und Automatisierung keinen Ersatz für menschliche Arbeit, wohl aber einen wachsenden Einfluss auf die Finanzierung des Sozialstaats. Wenn Beschäftigung sich verändert und klassische Erwerbsbiografien seltener werden, brauche es neue Antworten darauf, wie Beiträge erwirtschaftet werden. Die Frage sei nicht, ob Technologie berücksichtigt werde, sondern wie.

Ein weiterer Hebel liegt für Schweitzer in der betrieblichen Altersvorsorge. Obwohl sie als Ergänzung zur gesetzlichen Rente gedacht ist, bleibt sie in vielen Unternehmen die Ausnahme. Aus Sicht des Ministerpräsidenten braucht es hier mehr Verbindlichkeit. Die Politik müsse Anreize schaffen, damit Betriebsrenten deutlich häufiger angeboten werden – gerade in wirtschaftlich stabilen Branchen. Eine breitere Nutzung könne das Rentensystem spürbar entlasten.

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Länger arbeiten braucht Differenzierung

Auch die Debatte um längere Lebensarbeitszeiten bewertet Schweitzer differenziert. Pauschale Forderungen nach einem späteren Renteneintritt hält er für wenig realistisch. Viele Berufe seien körperlich oder psychisch so belastend, dass ein Arbeiten bis ins hohe Alter kaum möglich sei. Dazu zählen nicht nur handwerkliche Tätigkeiten, sondern auch Pflege, Erziehung oder Unterricht.

Statt starrer Altersgrenzen plädiert Schweitzer für flexiblere Modelle. Arbeitgeber müssten stärker in altersgerechte Arbeitsbedingungen investieren, um längere Erwerbsphasen überhaupt zu ermöglichen. Eine nachhaltige Altersvorsorge könne nur funktionieren, wenn sie unterschiedliche Berufsrealitäten berücksichtigt.

Die Erwartungen an die Rentenkommission sind damit klar umrissen: Technologie, betriebliche Vorsorge und flexible Arbeitsmodelle sollen stärker zusammengedacht werden. Ob daraus tatsächlich neue Finanzierungswege entstehen, wird sich in den kommenden Jahren entscheiden.

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