14. Mai 2026, 15:13 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten
Wenn Menschen in eine akute Notsituation geraten, fällt es oft schwer, den eigenen Standort exakt zu beschreiben. Das kann etwa bei einem Spaziergang im Wald, einer Autopanne auf einer abgelegenen Straße oder bei einem Streit auf einem Parkplatz passieren. In solchen Momenten fehlen häufig klare Orientierungspunkte.
Genau hier setzt ein neuer Ansatz der Polizei an. In einem bundesweiten Pilotprojekt sollen Notrufe über die 110 künftig deutlich präziser zugeordnet werden können. Ziel ist es, Einsatzkräfte schneller an den richtigen Ort zu bringen, indem zusätzliche Standortdaten genutzt werden.
Kaum Änderungen beim Notruf selbst
Für Anrufende bleibt der Ablauf unverändert. Wer Hilfe braucht, wählt weiterhin die 110 und beschreibt die Situation. Der entscheidende Unterschied passiert im Hintergrund. Im Rahmen des Pilotbetriebs können Leitstellen auf Standortdaten zugreifen, die kompatible Smartphones automatisch übermitteln. Nutzer müssen dafür weder eine App starten noch aktiv ihren Standort freigeben. Die Technik arbeitet selbstständig im Moment des Notrufs und soll die Ortung erleichtern.
Grundlage dafür ist die sogenannte Advanced Mobile Location, kurz AML. Diese Funktion ist auf Android-Geräten ab Version 4.0 sowie auf iPhones ab iOS 13.3 verfügbar. Wird ein Notruf abgesetzt, bestimmt das Gerät den Standort und sendet ihn an einen zentralen Speicherort. Die Leitstellen können diese Informationen nutzen, wenn eine konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht oder wenn die Daten zur Verfolgung einer Straftat notwendig sind.
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Keine dauerhafte Überwachung
Wichtig ist dabei, dass keine dauerhafte Ortung stattfindet. Die Funktion wird ausschließlich im Kontext eines Notrufes aktiv. Ein Zugriff auf Vorrat ist nicht möglich. Laut Polizei Nordrhein-Westfalen werden die übermittelten Daten zudem nur für 60 Minuten gespeichert und danach automatisch gelöscht. Auch Bewegungsprofile werden nicht erstellt. Die Nutzung bleibt damit auf akute Notfälle beschränkt.
Der Pilotbetrieb soll zeigen, wie zuverlässig die Technik im Alltag funktioniert. Beim europaweiten Notruf 112 ist AML bereits seit Oktober 2019 bundesweit im Einsatz. Bei der 110 gestaltet sich die Umsetzung schwieriger. Da die Polizei in Deutschland Sache der Bundesländer ist, müssen diese jeweils eigene rechtliche Grundlagen schaffen und die Technik in ihren Leitstellen integrieren. Wann die präzisere Standortübermittlung überall verfügbar sein wird, ist derzeit noch unklar.