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Wie viel Bildschirmzeit für Kinder sinnvoll ist

Abhängig vom Alter

Wie viel Bildschirmzeit für Kinder sinnvoll ist

Junge mit Smartphone
Kinder können Stunden vor dem Smartphone, PC oder der Konsole verbringen. Das ist aber alles andere als gut. Foto: Getty Images

Selbst junge Kinder kommen heutzutage schon früh mit digitalen Medien in Berührung. Sie nutzen neben dem Smartphone häufig den Fernseher, Spielekonsolen oder Tablets. Da ist eine feste Bildschirmzeit sinnvoll.

Smartphone oder Spielekonsole stehen an Weihnachten oder zum Geburtstag auf dem Wunschzettel von Kindern ganz oben. Für Eltern stellt sich dann die Frage: Wie lange sollte mein Kind vor dem Bildschirm verbringen? Eine passende Antwort für den optimalen Medienkonsum von Kindern zu finden, fällt selbst Fachleuten schwer. Jedes Kind braucht andere Regeln. Diese beinhalten nicht nur feste Zeiten, sondern betreffen auch andere Vereinbarungen zwischen Eltern und Kind.

Umgang mit digitalen Medien lernen

Wir alle verbringen regelmäßig Zeit im Internet, daddeln auf dem Smartphone oder zocken auf der Spielekonsole. Kinder verfügen allerdings noch nicht über das nötige zeitliche Maß. Apps und Spiele sind in der Regel von den Entwicklern auch so konzipiert, möglichst viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Wer möchte schon kurz vorm nächsten Level und der zu erwartenden Belohnung aufhören.

Kinder müssen daher erst ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel Zeit sie mit digitalen Medien vor dem Bildschirm verbringen. Im Idealfall ist das Spielen am Computer oder die Zeit im Internet dann eine von vielen Möglichkeiten, die Zeit zu verbringen. Eltern sollten ihr Kind dabei begleiten.

Das gelingt erfolgreicher, wenn Eltern als Vorbilder fungieren. Wenn die Regel lautet: „Beim Essen ist das Smartphone tabu.“, dann gilt das selbstverständlich auch für die erwachsenen Personen in der Familie.

Regeln zwischen Eltern und Kindern werden vom Nachwuchs eher eingehalten, wenn sie nachvollziehbar und gemeinschaftlich vereinbart worden sind. Ganz wichtig: Werden Regeln gebrochen folgen Konsequenzen. Eine Konsequenz sollte allerdings kein Spieleverbot sein. Damit werten Sie das Medium zu sehr auf. Vereinbaren Sie stattdessen andere „Strafen‘“, wie eine Woche Geschirr spülen oder den Tisch decken.

Übrigens: Genauso kontraproduktiv ist es, mit Kindern eine längere Zeit vor dem Bildschirm als Belohnung für eine gute Leistung auszumachen. Mit einem leckeren Eis oder der neuesten Ausgabe des Lieblingscomics als Geschenk erzielen Eltern eine nachhaltigere Wirkung.

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So nutzen Kinder digitale Medien sinnvoll

Im Netz finden sich unzählige Tipps, wie lange Kinder am Bildschirm verbringen sollten. Wenn es um zeitliche Begrenzungen und den Umgang mit digitalen Medien geht, verweisen Expertinnen und Experten auf die 3-6-9-12-Regel. Diese vom französischen Psychologen Serge Tisseron entwickelten Richtlinien geben Eltern zumindest eine erste Orientierung für eigene Regeln.

Demnach gilt für diese Altersstufen:

  • Bis 3 Jahre: Verzichten Sie auf bewegte Bilder; TV-Gerät ausschalten, Smartphone oder Tablet beiseitelegen, Kind vom PC fernhalten. Spielen Sie mit Ihrem Kind auf klassische Weise, lesen Sie Geschichten vor und regen Sie die Fantasie an.
  • 3 bis 6 Jahre: Begleiten Sie ihr Kind bei der Bildschirmzeit; beobachten Sie, wie sich Ihr Kind im Umgang mit den digitalen Medien verhält; sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Gesehene; halten Sie Rituale ein, beispielsweise beim Essen und vor dem Schlafen bleiben Bildschirme aus.
  • 6 bis 9 Jahre: Zeigen Sie Ihrem Kind die kreativen Möglichkeiten des Internets auf, als Ort, wo Informationen recherchiert werden können; klären Sie auch über Risiken auf; das Netz vergisst beispielsweise nichts und nicht alles, was dort steht, ist „wahr“; achten Sie auf die Bildschirmzeiten; geben Sie dem Kind allerdings auch etwas eigenen Freiraum; Tablet oder Smartphone im Kinderzimmer sind tabu.
  • 9 bis 12 Jahre: Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, wann ein eigenes Smartphone sinnvoll ist; vereinbaren Sie gemeinsam, ob Sie Ihr Kind bei den Erkundungen im Netz weiter begleiten sollen; zeigen Sie auf, was beim Suchen von lustigen Videos sonst noch auf dem Bildschirm auftauchen oder passieren kann.
  • Ab 12 Jahren: Bleiben Sie als Eltern vertrauensvolle Ansprechpartner für Ihr Kind; vereinbaren Sie feste Zeitfenster, die das Kind selbst mit Bildschirmzeit füllen kann; reden Sie über Mobbing, illegale Downloads oder pornografische Bilder; tun Sie das nicht als Mahner, sondern als Aufklärer.

Lassen Sie Ihr Kind nicht allein vor dem Bildschirm

In diesem Artikel haben wir bewusst auf konkrete Angaben für die Bildschirmzeit verzichtet. Kinder finden sich in der digitalen Welt langfristig besser zurecht, wenn der Rahmen nicht zu eng gesetzt wird. Eigene Erfahrungen haben einen deutlich besseren Lerneffekt als künstliche Regeln.

Selbstverständlich gibt es Apps und andere Stellschrauben wie beispielsweise Google Family Link, um die Zeit am Smartphone oder der Spielekonsole zu begrenzen. Verwenden Sie solche Hilfsmittel allerdings nur am Anfang, wenn überhaupt. Vertrauen Sie lieber auf Ihr Kind, sich irgendwann selbst regulieren zu können. Diese eine Regel gilt sowieso immer: Nach der Schule erst Hausaufgaben, dann Freizeit.

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Begleiten Sie Ihre Kinder jederzeit und lassen Sie sie in der digitalen Welt und vor dem Bildschirm nicht allein. Sprechen Sie daher regelmäßig mit Ihrem Kind, was es auf den Streifzügen durchs Netz erlebt. Eine vertrauensvolle Basis zwischen Eltern und Kind bildet den besten Schutz. Dann wird Ihr Kind auch bei verstörenden Erlebnissen nicht schweigen, sondern das Gespräch mit den Eltern suchen.

Eltern sollten sich bewusst machen, ab einem gewissen Alter bringen strikte Regeln und permanente Überwachung in der digitalen Welt nichts mehr. Ob Sie eine feste Bildschirmzeit für Ihr Kind als sinnvoll betrachten, ist Ihre persönliche Entscheidung. Am Anfang kann das helfen. Auf lange Sicht „lernt“ Ihr Kind allerdings dadurch nichts. Am besten finden Sie eine gesunde Mischung aus Konsequenz und Vertrauen.

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