21. Oktober 2026, 17:15 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Eine Batterie, die man schlucken kann und die sich anschließend im Körper abbaut, klingt zunächst ziemlich ungewöhnlich. Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben genau eine solche Stromquelle entwickelt. Ihre Batterie soll künftig kleine elektronische Geräte im Verdauungstrakt mit Strom versorgen. Bis sie tatsächlich bei Menschen zum Einsatz kommt, dürfte es allerdings noch dauern.
Batterie soll sich im Körper vollständig abbauen
Elektronik zum Schlucken gibt es schon länger. Kleine Kapseln können zum Beispiel Daten im Körper erfassen oder Medikamente abgeben. Einige dieser Geräte brauchen dafür allerdings eine eigene Energiequelle. Bislang kommen dabei unter anderem kleine Knopfzellen zum Einsatz. Diese können Lithium, Silberoxid oder andere Metalle enthalten. Wird ihre schützende Hülle im Verdauungstrakt beschädigt, besteht laut den MIT-Forschern ein Sicherheitsrisiko.
Das Team entwickelte deshalb eine Batterie, die nach getaner Arbeit nicht dauerhaft im Körper bleiben soll. Sie nutzt Magnesium für die Anode und Molybdäntrioxid für die Kathode. Als Elektrolyt dient ein ionisches Flüssiggel. Die Materialien sind bioresorbierbar. Der Körper kann sie also nach und nach abbauen und aufnehmen.
Die Batterie gibt es bislang in zwei Formen. Eine Version ist rund und misst 7,5 Millimeter im Durchmesser, die zweite ist länglich und 24 Millimeter lang. Beide liefern eine Spannung von 1,84 Volt.
Drei Tage Energie im Verdauungstrakt
Doch wie lange funktioniert eine solche Batterie überhaupt im Magen? Um das herauszufinden, testeten die Forscher sie zunächst in einer stark sauren Flüssigkeit, die die Bedingungen im Magen nachbilden sollte. Darin arbeitete die Batterie etwa drei Tage normal. Danach nahm ihre Leistung langsam ab. Nach einigen Wochen war sie vollständig zerfallen.
Anschließend testete das Team die Technik an Schweinen. Dabei wollten die Forscher herausfinden, ob die Batterie auch unter realen Bedingungen genug Energie für medizinische Geräte liefert. In einem Versuch steckte die längliche Batterie in einer Kapsel, die die Magenschleimhaut mit schwachem elektrischem Strom stimuliert. Dadurch lassen sich bestimmte Zellen im Magen dazu anregen, das Hungerhormon Ghrelin auszuschütten. Nach einer 20-minütigen Stimulation stieg der Ghrelin-Spiegel im Tierversuch um etwa 50 Prozent. Langfristig könnte ein solches System beispielsweise bei Erkrankungen interessant sein, die mit Übelkeit oder Appetitverlust einhergehen.
Fast das gesamte Gerät ließ sich dabei bioresorbierbar bauen. Eine Ausnahme war die Leiterplatte. Bestandteile, die der Körper nicht aufnimmt, können den Verdauungstrakt passieren und anschließend ausgeschieden werden.
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Die Batterie kann auch Funktechnik antreiben
In einem zweiten Versuch versorgte die runde Batterie einen RFID-Tag mit Strom. Mit einem solchen System ließe sich beispielsweise überprüfen, ob Patienten ihre Medikamente tatsächlich eingenommen haben. Auch der RFID-Tag aus Molybdän und Zellulose ist bioresorbierbar. Im Tierversuch konnte die Technik kontinuierlich aus dem Verdauungstrakt funken. Die Verbindung reichte dabei bis zu 1,5 Meter weit.
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Interessant könnte die Technik außerdem für die Umwelt sein. Weil sich die verwendeten Materialien abbauen, könnten solche Batterien nicht nur mögliche Risiken im Körper reduzieren. Sie könnten auch verhindern, dass herkömmliche Batterien nach dem Ausscheiden über das Abwasser in die Umwelt gelangen.
Bis zum Einsatz beim Menschen dürfte es noch dauern
Trotz der ungewöhnlichen Ergebnisse handelt es sich bislang um präklinische Forschung. Die Tests fanden noch nicht an Menschen statt, zudem war die Zahl der Versuchstiere klein. In einem der Systeme ist außerdem die verwendete Leiterplatte nicht biologisch abbaubar.
Bevor solche Geräte tatsächlich bei Patienten zum Einsatz kommen können, müssen die Forscher deshalb unter anderem ihre langfristige Sicherheit genauer untersuchen. Außerdem wollen sie die Technik so weiterentwickeln, dass komplette Geräte bioresorbierbar werden.
Für das SAFARI-System ist bereits eine klinische Studie vorgesehen. Sie soll nach Angaben des MIT voraussichtlich in etwa zwei Jahren starten. Die Idee einer Batterie, die man schluckt und die sich anschließend im Körper auflöst, ist damit längst nicht mehr als ein ungewöhnliches Gedankenexperiment. Vom praktischen Einsatz im Alltag und beim Menschen ist sie aber noch ein gutes Stück entfernt.