Auf Europas Straßen kommen immer mehr Blitzer zum Einsatz, die deutlich mehr erkennen als nur überhöhte Geschwindigkeit. Die neue Technik kann auch Handy-Sünder, Gurtmuffel und Drängler erfassen.
Vier Verkehrsverstöße mit einer Kamera
Wer bislang dachte, ein Blitzer interessiere sich ausschließlich für das Tempo, muss sich auf neue Technik einstellen. In Polen, Tschechien und zunehmend auch Frankreich kommen Anlagen zum Einsatz, die mehrere Verkehrsverstöße gleichzeitig erkennen können. Neben zu hoher Geschwindigkeit erfassen die Systeme auch, ob ein Fahrer während der Fahrt ein Handy benutzt, den Sicherheitsgurt angelegt hat oder den vorgeschriebenen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einhält.
Damit wird aus dem klassischen Geschwindigkeitsblitzer zunehmend eine Art digitaler Verkehrswächter. Autofahrer, die mehrere Regeln gleichzeitig missachten, können sich also nicht mehr darauf verlassen, dass nur ihre Geschwindigkeit kontrolliert wird. Die Technik soll es Behörden ermöglichen, verschiedene Verstöße automatisch zu erkennen und damit mehr Regelverstöße im Straßenverkehr aufzudecken.
Besonders weit geht Frankreich. Dort kommen seit 2026 sogenannte Verhaltensblitzer zum Einsatz. Die Anlagen können unter anderem erkennen, ob Autofahrer während der Fahrt ein Smartphone benutzen, ohne Sicherheitsgurt unterwegs sind oder zu dicht auf das vorausfahrende Fahrzeug auffahren. Für die genannten Verstöße werden jeweils 135 Euro Bußgeld sowie Punkte im französischen Fahreignungsregister fällig.
Auch Polen hat die Verkehrskontrollen in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Wer dort auf bestimmten Land- oder Nationalstraßen mehr als 50 km/h zu schnell fährt, muss unter bestimmten Voraussetzungen sogar mit einem sofortigen Führerscheinentzug rechnen. Die neuen technischen Möglichkeiten dürften den Kontrolldruck zusätzlich erhöhen.
Deutschland testet bereits ähnliche Technik
Auch in Deutschland wird an automatisierter Verkehrsüberwachung gearbeitet. Eine Rolle spielt dabei die sogenannte MonoCam. Das ursprünglich in den Niederlanden entwickelte System wird beispielsweise von Brücken aus eingesetzt und richtet eine Kamera auf den vorbeifahrenden Verkehr.
Anders als die neuen Multifunktions-Blitzer konzentriert sich die MonoCam bislang auf einen bestimmten Verstoß: die Handynutzung am Steuer. Künstliche Intelligenz hilft dabei, verdächtige Aufnahmen aus dem Videomaterial herauszufiltern. Über ein Bußgeld entscheidet die Software allerdings nicht. Jede Aufnahme wird anschließend von einem Polizeibeamten geprüft. Wer in Deutschland mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss derzeit mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen.
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