28. Juli 2025, 17:33 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Filme und Serien streamen, Musik hören, zocken, Online-Dating. Unser digitaler Alltag ist prall gefüllt – und kostet Monat für Monat Geld. TECHBOOK hat recherchiert, was ein durchschnittliches „Digital-Leben“ heute wirklich kostet – und warum viele Nutzer ihre Ausgaben unterschätzen.
Ob Netflix, Amazon Prime, YouTube Premium oder Cloud-Speicher und In-App-Käufe – praktisch jede Art von Online-Service kostet, wenn man sie werbe- und frustfrei nutzen möchte. Die Ausgaben verteilen sich dabei auf viele kleine Posten. Genau das macht sie tückisch. Denn während die Einzelausgaben auf den ersten Blick günstig wirken, summieren sie sich schnell zu einem dreistelligen Monatsbetrag.
Was zählt zum Digital-Leben?
Im Jahr 2023 hatten Konsumenten im Vereinigten Königreich im europäischen Vergleich mit die höchsten monatlichen Online-Ausgaben, wie Statista basierend auf Daten einer PayPal-Auswertung zeigt. Durchschnittlich gaben sie im Monat 483 Euro für Online-Käufe und -Zahlungen, (In-)App-Käufe, Zahlungen für Rechnungen oder Dienstleistungen und andere Online-Einkäufe aus. In Deutschland beliefen sich die durchschnittlichen monatlichen Online-Ausgaben auf 328 Euro.
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Wir klammern Online-Käufe bewusst in unserer Analyse aus, da sie eher zu den alltäglichen Ausgaben wie Supermarkt-Einkäufen und Mall-Besuchen zählen. TECHBOOK hat sich stattdessen auf Ausgaben gestützt, die ausschließlich einen digitalen Gegenwert haben. Physische Käufe – also auch Dinge wie Smartphones, Laptops und Konsolen – sind davon also ausgeschlossen.
Wie viel Nutzer in Europa wirklich für Streaming-Dienste ausgeben
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So viel Geld geben Nutzer in Deutschland für digitale Käufe aus
| Kategorie | Typischer Dienst/Beispiel | Kosten pro Monat |
|---|---|---|
| Video-Streaming | Netflix, Prime Video, YouTube Premium | ca. 15 Euro |
| Musik-Streaming | Spotify, YouTube Music | ca. 11 Euro |
| Mobilfunk | Vertrag 20 GB | ca. 25 Euro |
| Breitbandinternet + Telefon | Vertrag mit 100-200 Gbit/s | ca. 27 Euro |
| Gaming | Xbox Game Pass, PS Plus, In-App-Käufe | ca. 13,5 Euro |
| Apps | In-App-Käufe | ca. 8 Euro |
| Tools | Office-Dienste, Cloud | ca. 12,5 Euro |
| News | Digitale Zeitungen und Magazine | ca. 10 Euro |
| Dating-Apps | Tinder, Bumble | ca. 15 Euro |
| Insgesamt | ca. 138 Euro |
Ein Digital-Leben kann richtig teuer werden. Je nach Nutzung summieren sich die Ausgaben auf knapp 138 Euro im Monat – das sind mehr als 1650 Euro im Jahr. Vor allem Streaming ist ein Kostentreiber, auch aber kleinere digitale Käufe tragen ihren Teil dazu bei. Abo-Stacking heißt das Phänomen: Viele Dienste kosten zwar nur 3 bis 15 Euro im Monat – aber wer mehrere Plattformen gleichzeitig nutzt, landet schnell bei einer Handvoll aktiver Abos. Besonders Musik, Cloud, Streaming und Spiele sind dabei häufig parallel gebucht.
Nutzer geben am meisten für Streaming aus
In Deutschland zahlen Nutzer laut dem Bango-Report von 2024 57 Euro monatlich für Abonnements. Mit 684 Euro im Jahr liegt man deutlich hinter UK (812 Euro), aber auch hinter Frankreich (780 Euro) und Spanien (720 Euro). Lediglich in Italien geben Nutzer mit 600 Euro weniger für Abos aus. Dabei verlieren Nutzer in Deutschland am ehesten den Blick über die Ausgaben – knapp 27 Prozent der Befragten gaben an, für ein nicht genutztes Abo zu bezahlen. Hierzulande ist man der Umfrage zufolge am ehesten gewillt, mehr Geld an den Internetanbieter zu zahlen, damit dieser ein Streaming-Bundle mit Zugriff auf mehrere Dienste anbietet.
Video-Streaming ist laut Bango mit 65 Prozent die beliebteste Abo-Art in Deutschland. Musik-Abos spielen mit 35 Prozent ebenfalls eine wichtige Rolle. 17 Prozent der Befragten gaben außerdem an, monatlich für ein Gaming-Abo zu bezahlen. Im Schnitt haben Nutzer in Deutschland 3,3 aktive Abos. Sie liegen damit gleichauf mit UK – und noch vor Spanien und Italien. Frankreich bildet mit 3 aktiven Abos das Schlusslicht der untersuchten Länder. Im Vergleich zu den USA sind die europäischen Länder deutlich zurückhaltender. Amerikanische Nutzer haben im Schnitt 4,5 aktive Abos.
Bitkom-Daten von 2024 präzisieren, wie viel Nutzer in Deutschland für verschiedene Streaming-Arten ausgeben. Der Auswertung zufolge geben Befragte im Schnitt 15,40 für Video-Streaming und 11,20 Euro für Musik-Streaming aus.
Breitbandinternet- und Mobilfunkverträge tragen zu Kosten bei
Für die durchschnittlichen Kosten für Mobilfunkverträge gibt es keine aktuellen Daten für Deutschland. Aber bereits in einer Auswertung des Vergleichsportals Check24 aus dem Jahr 2018 lag der Bundesdurchschnitt bei 22,89 Euro, wie die Kollegen von Computer Bild berichteten. Eine Auswertung der Europäischen Kommission von 2022 ergab, dass ein Vertrag mit 20 Gigabyte Datenvolumen ungefähr 25 Euro kostet. Diese Summe halten wir angesichts der Daten von 2018 für angemessen.
Aus den Daten der Europäischen Kommission geht ebenfalls hervor, dass ein Breitbandinternetanschluss mit 100 bis 200 Gbit/s Durchsatz im Schnitt 21,37 Euro kostet. Mit Telefonanschluss steigt der Preis auf 26,75 Euro.
Wie die Daten der Europäischen Kommission zeigen, sind Mobilfunkverträge hier im Vergleich mit westeuropäischen Ländern deutlich höher. Auch beim Breitbandanschluss ist Deutschland nur im Mittelfeld.
Versteckte Kosten bei kleineren Käufen
Nutzer, die In-App-Käufe tätigen, geben einer Auswertung von Appsflyer im Schnitt knapp 8 Euro im Monat dafür aus. Mobile Games setzen gezielt auf Mikrotransaktionen. Ein paar Euro für Power-Ups, Skins oder Premium-Währungen – das läppert sich. Viele Nutzer verlieren hier leicht den Überblick.
Auch Cloud-Dienste wie Apple iCloud und Google Drive machen nur einen kleinen Teil der monatlichen Ausgaben aus. Dadurch, dass sie Nutzer aber durch den etwa für Backups verpflichtenden Speicher binden, ist es nicht trivial, die Abos wieder zu kündigen.
So lassen sich Kosten senken
- Familienabos nutzen: Spotify Family, YouTube Family oder iCloud+ Familienfreigabe senken Kosten pro Nutzer deutlich.
- Abos regelmäßig prüfen: Welche Dienste werden wirklich genutzt? Kündigung spart oft sofort Geld.
- Kostenlose Alternativen prüfen: Viele Tools (Office, Cloud) haben kostenlose Optionen mit Basisfunktionen.
- In-App-Käufe begrenzen: Budget setzen – oder in den Geräteeinstellungen sperren.