16. November 2025, 9:37 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele von uns nutzen sie, um in Echtzeit zu verfolgen, wo sich ein Flugzeug gerade befindet – etwa wenn Familie, Freunde oder Partner damit unterwegs sind. Gleichwohl können Flugtracker (auch Flugradare genannt) vor einer eigenen Reise Auskunft über etwaige Unregelmäßigkeiten geben. Doch wie genau funktionieren die interaktiven Karten eigentlich? TECHBOOK hat einen Experten gefragt.
Flightradar24, FlightAware, RadarBox – es gibt inzwischen eine Vielzahl sogenannter Flugtracker. Ihr Geschäftsmodell besteht im Kern darin, relevante Flugdaten zu sammeln und Fluggesellschaften zur Verfügung zu stellen. Das erklärt im Gespräch mit TECHBOOK der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.
Airlines nutzen diese Informationen vor allem für statistische Zwecke und zur Überwachung ihrer eigenen Maschinen. Doch die interaktiven Karten sind längst auch für private Nutzer zugänglich, browserbasiert oder als Apps etwa für Smartphones oder Tablets. Sie zeigen in Echtzeit, wo sich Flugzeuge befinden und welches Ziel sie ansteuern. Zusätzlich liefern sie Details zu Geschwindigkeit, Flughöhe oder Flugzeugtyp. Umgekehrt lassen sich mit den Apps auch am Himmel entdeckte Flugzeuge identifizieren. Die Funktionsweise beruht darauf, dass die Anbieter Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen und automatisch auswerten.
Experte erklärt, wie Flugtracker funktionieren
Laut dem Experten bildet ADS-B (Automatic Dependent Surveillance – Broadcast) die Grundlage aller Flugtracker. Alle modernen Verkehrsflugzeuge sind mit diesem System ausgestattet. „Dabei sendet ein Flugzeug im Sekundentakt ein Paket mit Informationen über sich selbst“, erklärt Heinrich Großbongardt.
Die Daten umfassen den Flugzeugtyp, das Kennzeichen und die Flugnummer sowie Details zum Flugweg, also zur genauen Position, Flughöhe, Horizontal- und Vertikalgeschwindigkeit sowie Flugrichtung. Dies dient eigentlich dem Zweck, die Fluglotsen auf dem Laufenden zu halten. Mithilfe dieser direkten Auskünfte erhalten sie ein viel genaueres Bild der Verkehrslage, als dies mit Radar möglich wäre. Doch Zugang dazu haben nicht nur sie.
Laut Großbongardt bedeutet das „Broadcast“ (zu Deutsch: „Übertragung“, z. B. einer Nachricht) in ADS-B, dass die Daten ungerichtet, also ohne feste Richtung oder Ziel, ausgestrahlt werden. „Deshalb können sie von jedermann empfangen werden, der über einen geeigneten Empfänger verfügt und sich in Funkreichweite befindet.“ Da die Funksignale von Flugzeugen durch die Erdkrümmung begrenzt werden, beträgt ihre direkte Reichweite zu Bodenstationen in Reiseflughöhe etwa 350 bis 370 Kilometer.
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Satellitengestützte ADS-B-Empfänger an Orten ohne Bodenstationen
Weltweit betreiben Firmen wie Flightradar24 oder FlightAware große Netzwerke aus ADS-B-Empfangsstationen. Ein Teil dieser Infrastruktur stammt von Freiwilligen, die privat kleine Antennen betreiben und ihre Daten einspeisen. So entsteht ein dichtes, weltweites Netz, das Millionen Flugdaten in Echtzeit erfasst.
Über dem Ozean allerdings und generell in abgelegenen Regionen, in denen es keine Bodenstationen gibt, greifen andere Technologien: Hier kommen Satelliten des Iridium-Netzwerks ins Spiel – als Relaisstationen, erklärt der Luftfahrexperte. Jene Satelliten empfangen die Signale aller Flugzeuge im Umkreis von rund 4000 Kilometern. Die Daten werden automatisch an eine Bodenstation weitergeleitet und von dort an Flugsicherungen, Fluggesellschaften und Flugtracker-Anbieter verteilt.
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Wie die Apps verwendet werden
Nutzer, die ebenfalls Auskunft über Flugrouten und dergleichen wünschen, brauchen lediglich die Flug- oder Hecknummer der Maschine einzugeben. Noch einfacher ist es, wenn sie sich für ein Flugzeug am Himmel interessieren. In diesem Fall müssen sie das Smartphone mit der installierten Flugtracker-App einfach auf die betreffende Stelle richten. Die Anwendung gleicht die Positionen aller registrierten Flugzeuge mit dem exakten Standort ab. Oft kommen dabei auch Augmented-Reality-Funktionen (AR) zum Einsatz: Auf dem Bildschirm wird die reale Umgebung der Kamera angezeigt und um digitale Informationen wie Flugnummer, Flughöhe oder Geschwindigkeit ergänzt.
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Wichtige Zwecke von Flugtracker-Apps
Flugtracker bzw. Flugradare erfüllen nicht zuletzt bedeutende Sicherheitsfunktionen. Dank ihnen ist es laut Heinrich Großbongardt nahezu unmöglich, dass ein Flugzeug spurlos verschwindet.
Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Fall der MH370 (mehr dazu bei den Kollegen von TRAVELBOOK). „Selbst bei Abstürzen über dem Meer oder in abgelegenen Regionen lässt sich die letzte bekannte Position eines Flugzeugs bis auf wenige Kilometer genau ermitteln“, erklärt der Experte. Außerdem erleichtert das System die Unfallanalyse: Bereits bevor der Flugdatenschreiber ausgewertet ist, liefern ADS-B-Daten erste Hinweise auf den Ablauf des Geschehens.