6. Juli 2026, 14:16 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Mit den Benutzernamen führt WhatsApp eine der größten Änderungen seit Jahren ein. Der Rollout hat bereits begonnen. Erste Nutzer können ihren gewünschten Benutzernamen reservieren, der künftig anstelle der Telefonnummer genutzt werden kann. Während Mutterkonzern Meta das neue Feature als Verbesserung der Privatsphäre bewirbt, kommt aus anderer Richtung auch Kritik. Ein erstes Land will nun sogar gegen die WhatsApp-Benutzernamen vorgehen.
Mit der neuen Funktion können Anwender eine persönliche Kennung festlegen, über die sie gefunden und angeschrieben werden. Die Telefonnummer bleibt zwar weiterhin Voraussetzung für die Kontoerstellung, muss bei der Kontaktaufnahme jedoch nicht mehr offengelegt werden.
Meta zufolge stärkt das Modell den Schutz der Privatsphäre. Besonders bei Unterhaltungen mit unbekannten Personen oder im geschäftlichen Umfeld soll dadurch verhindert werden, dass die eigene Rufnummer unnötig verbreitet wird. Die Einführung erfolgt schrittweise und ist noch nicht abgeschlossen.
Erste Tests schüren Zweifel an der Sicherheit
Noch bevor die Funktion weltweit verfügbar ist, gibt es Kritik an möglichen Sicherheitsrisiken. Besonders Indien warnt vor einer Zunahme von Betrugsfällen und fordert einen vorläufigen Stopp der Einführung der WhatsApp-Benutzernamen. Mit diesen Bedenken steht Indien nicht allein da.
Bereits kurz nach Beginn der Reservierungsphase wurden mögliche Schwachstellen sichtbar. So zeigte sich in einem Test des Portals „TechCrunch“, dass Kennungen verfügbar waren, die den Namen bekannter Persönlichkeiten, Unternehmen oder staatlicher Einrichtungen sehr ähnlich waren. Auch Binance-Gründer Changpeng Zhao erklärte auf X, dass er seine auf anderen Plattformen verwendete Kennung nicht reservieren konnte – obwohl sie allgemein mit seiner Person verbunden ist.
Dadurch könnten sich Betrüger mithilfe täuschend ähnlicher Benutzernamen leichter als bekannte Persönlichkeiten oder Behörden ausgeben. Genau davor warnt auch das indische IT-Ministerium (MeitY). In einem Schreiben an WhatsApp heißt es, Benutzernamen könnten Betrug, Phishing, sogenannte „Digital-Arrest“-Maschen und Identitätsdiebstahl erleichtern, weil Kriminelle Nutzer kontaktieren könnten, ohne ihre Telefonnummer preiszugeben.
Das Ministerium forderte WhatsApp daher auf, zu erklären, warum keine regulatorischen Maßnahmen nach dem indischen IT-Recht eingeleitet werden sollten, und verlangte, die Einführung der Funktion bis zum Abschluss der Gespräche auszusetzen. Mit rund 850 Millionen Nutzern ist Indien der weltweit größte Markt für WhatsApp.
Kritik an dem Vorgehen von Indien kommt von der Digitalrechtsorganisation Internet Freedom Foundation (IFF). Sie wirft dem indischen IT-Ministerium vor, ohne klare gesetzliche Grundlage Einfluss auf die Gestaltung von WhatsApp zu nehmen. Betrug müsse durch Strafverfolgung bekämpft werden – nicht dadurch, dass Behörden per Schreiben über Funktionen eines Messengers entscheiden.
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Meta verweist auf bestehende Schutzmechanismen
Meta erklärte, es reserviere Benutzernamen für öffentliche Personen, Behörden und bestimmte Varianten ihrer Namen, damit nur die rechtmäßigen Inhaber sie nutzen können. Wie das Unternehmen allerdings entscheidet, welche ähnlich aussehenden oder leicht abgewandelten Namen ebenfalls geschützt werden, ließ Meta offen.
Allerdings verweist das Unternehmen auf weitere Sicherheitsmaßnahmen. Dazu zählen Beschränkungen für Kontaktanfragen unbekannter Nutzer sowie technische Verfahren, die das systematische Ausprobieren möglicher Kennungen erschweren sollen.
Wer sich einen Nutzernamen reserviert, sollte laut Meta eine möglichst individuelle Kennung wählen. Unabhängig davon gilt weiterhin, Nachrichten vermeintlich offizieller Absender kritisch zu prüfen. Eine Kennung allein ist kein Beweis dafür, dass hinter einem Konto tatsächlich die angegebene Person oder Organisation steckt.