27. April 2026, 10:35 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Künstliche Intelligenz entwickelt sich auf Smartphones zunehmend zur zentralen Schnittstelle. Sie beantwortet Fragen, kann auf Anwendungen zugreifen und unterstützt im Alltag. Mit dieser wachsenden Rolle rückt auch das Zusammenspiel von KI-Diensten und Betriebssystemen stärker in den Fokus.
Die EU-Kommission hat deshalb bereits im Januar 2026 ein Verfahren gestartet, das sich gezielt mit Android beschäftigt. Ziel ist es, die Nutzungsmöglichkeiten für alternative KI-Assistenten auszuweiten. Laut einem Bericht von „Bloomberg“ wird deutlicher, welche Anforderungen geplant sind, damit konkurrierende Angebote vergleichbaren Zugriff erhalten wie Gemini.
Zugriff auf Funktionen entscheidet über Relevanz
Die Diskussion betrifft nicht nur technische Details, sondern grundlegende Nutzungsfragen. Entscheidend ist, wie tief ein KI-Assistent in das System eingreifen kann. Funktionen wie das Öffnen von Apps oder die direkte Interaktion mit dem Betriebssystem erhöhen den praktischen Nutzen erheblich.
Dienste wie ChatGPT oder Claude könnten dadurch an Bedeutung gewinnen, wenn sie vergleichbare Möglichkeiten erhalten. Für die Nutzung im Alltag ist nicht allein die Qualität der Antworten ausschlaggebend, sondern vor allem der Zugriff auf zentrale Systemfunktionen.
Google baut Android um und setzt auf Gemini
Ein Grund für das Eingreifen der EU liegt in aktuellen Veränderungen im Android-Ökosystem. Google ersetzt den bisherigen Google Assistant schrittweise durch Gemini. Ab März 2026 soll dieser Wechsel deutlich beschleunigt werden. Damit stellt sich verstärkt die Frage, welche Rechte andere Anbieter auf der Plattform haben. Die Entwicklung erhöht den Druck, klare Regeln für den Wettbewerb festzulegen.
Konkrete Vorgaben für mehr Wettbewerb geplant
Deshalb plant die EU-Kommission im Rahmen des Digital Markets Act konkrete Maßnahmen. Laut „TheNextWeb“ sollen nicht nur allgemeine Öffnungen gefordert werden. Vielmehr könnten verbindliche Regeln festgelegt werden, wie konkurrierende Dienste auf Android zugreifen dürfen.
Ein paar Beispiele: andere KI-Assistenten als Standard festlegen, Aktivierung per Sprache ermöglichen und enge Verknüpfung mit Diensten wie Gmail oder Kalender erlauben. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass alternative Anbieter ihre Funktionen genauso effektiv nutzen können wie Gemini.
Millardenstrafe für Google – Marktmacht durch Android missbraucht
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Google sieht Risiken für Sicherheit und Datenschutz
Google weist die Kritik teilweise zurück. Das Unternehmen betont, dass Android bereits offen gestaltet sei und Apps frei über den Play Store zur Installation stünden. Gleichzeitig warnt der Konzern vor möglichen Folgen einer weitergehenden Öffnung. Ein umfassender Zugriff externer Dienste auf sensible Systembereiche könnte laut Google bestehende Sicherheitsmechanismen schwächen und Risiken für Datenschutz und Systemsicherheit erhöhen.
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Entscheidung soll bis Juli 2026 fallen
Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Zunächst werden Zwischenergebnisse erwartet, die als Grundlage für verbindliche Vorgaben dienen. Parallel läuft ein weiteres Verfahren zum Zugang zu Suchdaten für Wettbewerber. Dabei geht es auch um Daten aus KI-gestützten Suchanfragen und deren Weitergabe. Spätestens am 27. Juli 2026 muss die EU-Kommission in beiden Fällen eine endgültige Entscheidung treffen.