Im Test

Ist die Sony ZV-1 die perfekte Kamera für YouTuber und Blogger?

Sony ZV-1 Kamera
Die Sony ZV-1 Kamera verfügt über einen ausklappbaren und drehbaren Bildschirm
Foto: TECHBOOK

In Zeiten, in denen immer mehr Kinder und Jugendliche den Berufswunsch YouTuber oder Video-Blogger (Vlogger) haben, wittern auch Kamerahersteller ein Geschäft. Denn auch 2020 kann ein Smartphone eine richtige Vlogging-Kamera noch nicht ersetzen. Sony möchte mit seiner neuen Kamera, der ZV-1, deshalb genau diesen Markt bedienen. TECHBOOK hat das Gerät getestet und verrät, ob dieser Plan aufgeht.

So testet TECHBOOK die Sony ZV-1

Die Sony ZV-1 versteht sich als kompakte Kamera für exzellente Video- und Tonaufnahmen. Nicht nur der Transport soll aber einfach sein, auch die Bedienung richtet sich an Anfänger und Fortgeschrittene – mit Qualität auf Profi-Niveau. In unserem Test konzentrieren wir uns daher auf diese Punkte. Eine verwirrende Aufzählung von Daten bzw. Zahlen finden Sie hier nicht. Dafür erfahren Sie, ob sich die Kamera für YouTuber bzw. Vlogger eignet und vor allem auch lohnt.

Sony ZV-1 Kamera Rückseite

Der Bildschirm der Sony ZV-1 ist essentiell, da die Kamera über keinen Sucher verfügt
Foto: TECHBOOK

Fokus auf Video

Besonders glänzen möchte die Sony ZV-1 im Videobereich. In unserem Test zeichneten wir Videos in unterschiedlichen Umgebungen und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen auf. Der Kamera fehlt es zwar an Blitz und Sucher, dafür wurde aber auf ein besseres eingebautes Mikrofon gesetzt. Ein Windschutz befindet sich im Lieferumfang, externe Mikrofone können angeschlossen werden.

4K-Aufnahmen und Hintergrundunschärfe

Im Vergleich zu anderen kompakten Kameras für Vlogger wie der Canon PowerShot G-Reihe kann die Sony ZV-1 bereits in 4K filmen und ist damit zukunftssicher. Man ist erstaunt, wie gut die Videoaufnahmen aus so einer kompakten Kamera am Ende aussehen. Hier kann die Konkurrenz qualitativ nicht mithalten. Mit nur einem Knopfdruck lässt sich der Hintergrund unscharf stellen und ein toller youtubiger Look erzielen.

Autofokus und Ton

Wer schon einmal Videos für soziale Netzwerke aufgenommen hat, dem werden weder Blitz noch Sucher fehlen. Vlogger sollten grundsätzlich auf gute Lichtverhältnisse achten und tun dies auch. Die ZV-1 konzentriert sich lieber auf Dinge, die Videocreator wirklich interessieren und bei denen es immer wieder zu Problemen kommt. Allem voran steht hier der Autofokus. Nichts ist im Videobereich schlimmer, als wenn die Kamera plötzlich den Fokus verliert. Sony ist bereits mit seinen Alpha-Systemkameras für hervorragendes Autofokus-Tracking bekannt und auch die ZV-1 machte im Test einen perfekten Job. In allen Testsituationen blieb der Autofokus richtig gesetzt. Ein ähnlich positives Bild hinterlässt die ZV-1 beim Ton – ein weiterer essentieller Bereich beim Filmen. Auch ohne externes Mikro ist der Ton auch im Freien ziemlich gut. Natürlich nur, wenn die Tonquelle nicht allzu weit von der Kamera entfernt steht. Wir raten draußen dann doch lieber zu einem externen Mikrofon, ein entsprechender Klinkenanschluss ist vorhanden.

Zusatzfunktionen für Vlogger

Um wirklich alle Bedürfnisse von Vloggern abzudecken, erlaubt es die Sony ZV-1 auch hochkant zu filmen. Damit lassen sich also auch Inhalte für Instagram, Snapchat und TikTok aufnehmen. Klar, das geht am einfachsten von Smartphone, aber auch in diesen Bereichen steigt die Qualität immer weiter. Wer sich von der Masse absetzen möchte, nimmt extern auf und bearbeitet auch extern nach.

Ebenfalls wichtig für Vlogger: Der frei artikulierbare Bildschirm. Wer viel in die Kamera spricht – ob im Sitzen oder beim Laufen – muss stets darauf achten, dass der Bildrahmen nicht verlassen wird. Der Bildschirm ist daher um 180 Grad zur Seite klappbar, sodass man sich einfach direkt sehen kann. Auch können so die Einstellungen bereits im Voraus für die jeweilige Situation mit dem Vlogger im Bild angepasst werden.

Eignet sich die Fotografie für Blogger?

Neben den Videofunktionen muss die ZV-1 natürlich auch fotografieren können. Im test setzen wir dabei die gleichen Ansprüche an wie im Videobereich. Wer YouTube-Videos dreht, betreibt schließlich oft auch einen Instagram-Account und postet dort Bilder oder beschäftigt sich sonst mit dem Thema Fotografie.

Sony ZV-1 Kamera von oben

Die Sony ZV-1 verfügt über einen fünffach optischen Zoom. An der Oberseite lassen sich ein Videolicht oder ein Blitz anbringen.
Foto: TECHBOOK

Hochauflösende Raw-Fotografie

Grundsätzlich erlaubt die ZV-1 alles, was man von DSLR-Kameras gewohnt ist. Bilder lassen sich im unkomprimierten Raw-Format aufnehmen, die Einstellungsmöglichkeiten sind vielfältig. Von Automatik, über Teil-Automatik bis hin zur manuellen Einstellung von Blende, ISO und Co. ist alles möglich. Die Aufnahmen, vor allem im Nahbereich sehen dabei fantastisch aus. Die Kamera verfügt über eine Taste bzw. einen Modus, die den Hintergrund auf Fotos automatisch unscharf stellt. Im Gegensatz zu vielen Smartphones geschieht das aber durch Schließen der Blende, statt durch Software-Berechnung. In einem bestimmten Bereich macht die Kamera also professionelle Fotos, die sicherlich auch den Anforderungen von Bloggern genügen.

Keine Wechselobjektive

Die Sony ZV-1 hat im Vergleich zu größeren Kameras natürlich ein Problem: Das Objektiv lässt sich nicht tauschen. Damit sind die Möglichkeiten zur Fotografie dauerhaft limitiert. Im Test konnte die ZV-1 unsere Anforderungen im Endeffekt leider nicht erfüllen. Selbst wenn man bereit ist, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, ist sie keine Alternative zu größeren Kameras und hebt ich für Social-Media-Fotografie auch nicht genug vom Smartphone ab.

Fazit

Wir sind uns nicht so ganz sicher, wem wir die Sony ZV-1 am Ende wirklich empfehlen sollen. Das Konzept als leicht zu bedienende Vlogger-Cam für Einsteiger und Fortgeschrittene geht technisch auf. Die Ergebnisse im Video-Bereich sind brillant. Dem gegenüber steht dann aber der nicht gerade einsteigerfreundliche Preis von 799 Euro. Da stellt sich die Frage, welcher angehende YouTuber, gerade wenn noch im jugendlichen Alter, sich das leisten können soll. Für uns ist eine kompakte, leicht zu bedienende Kamera, auch wenn die Ergebnisse qualitativ sehr hoch sind, immer auch an einen angemessenen Preis geknüpft. In diesem Bereich befindet sich beispielsweise die ebenfalls kompakte Canon PowerShot G7 X Mark II für derzeit unter 500 Euro. Die Sony ZV-1 spielt preislich aber schon in der Liga von deutlich vielseitigeren Systemkameras wie der Canon EOS M50, die sich für Fotografie viel besser eignen – und in vielen Fällen ebenfalls 4K-Videos aufnehmen. Auf der anderen Seite ist die Sony ZV-1 wahrscheinlich gerade so teuer, weil sie die Technik eben in ein so kleines Gerät bringt. Wir sehen sie daher nicht als Konkurrenz zu kompakten Kameras sondern als waschechten Mitberwerber im Systemkamera-Segment.

Wer auf Fotografie weniger Wert legt und viele Videos – vor allem unterwegs – dreht, dürfte mit der Sony ZV-1 für die nächsten Jahre erst einmal gerüstet sein. Wir würden sogar so weit gehen, dass sie im Amateur-Videobereich einen neuen Trend einleiten könnte, weg von großen, sperrigen Geräten.