28. Oktober 2026, 15:33 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Mehr als vier Jahrzehnte nach dem Start des Teletexts in Deutschland verabschieden sich die Sender ProSieben und Sat.1 von der Technik. Anfang 2027 sollen die Teletext-Angebote der Sendergruppe eingestellt werden. Für Zuschauer hat das auch Folgen bei den Untertiteln.
Wer bei ProSieben oder Sat.1 noch regelmäßig die Teletext-Taste auf der Fernbedienung drückt, bekommt derzeit eine ungewöhnliche Nachricht zu lesen: „Dieses Teletext-Angebot wird Anfang 2027 eingestellt.“ Damit beendet ProSiebenSat.1 ein Angebot, das über Jahrzehnte selbstverständlich zum klassischen Fernsehen gehörte.
Als Grund nennt der Konzern laut „DWDL“ die inzwischen äußerst geringe Nutzung. Das Interesse der Zuschauer an den Teletext-Angeboten „tangiert gegen Null“, erklärt ein Sprecher der Sendergruppe. Die Funktion des Videotexts als schnelle Informationsquelle habe inzwischen vor allem Joyn übernommen, insbesondere bei Informationen zum TV-Programm.
ProSiebenSat.1 hatte den Teletext bereits zusammengestrichen
Ganz überraschend kommt die Abschaltung nicht. Bereits Anfang 2025 hatte ProSiebenSat.1 seinen Teletext deutlich reduziert. Nachrichten verschwanden und wurden durch einen Verweis auf Joyn ersetzt. Für Sportinformationen verwies die Sendergruppe stattdessen auf ran.de beziehungsweise die ran-App.
Übrig blieben im Wesentlichen Informationen zum Fernsehprogramm. Schon damals begründete ProSiebenSat.1 diesen Schritt damit, dass Programminformationen in den Jahren zuvor praktisch das gewesen seien, was Zuschauer im Teletext der Sender gesucht hätten. Offenbar ist aber inzwischen selbst die Nachfrage danach so gering, dass sich der Weiterbetrieb aus Sicht der Sendergruppe nicht mehr lohnt. Anfang 2027 ist deshalb endgültig Schluss.
Abschaltung hat auch Folgen für Untertitel
Eine praktische Nebenwirkung betrifft die Untertitel. Mit dem Ende des Teletexts verschwindet bei den betreffenden Sendern auch die Möglichkeit, Untertitel über die klassische Teletext-Funktion einzublenden.
Auf Untertitel müssen Zuschauer deshalb aber nicht grundsätzlich verzichten. Sie lassen sich laut ProSiebenSat.1 stattdessen über die entsprechenden Einstellungen des Fernsehgeräts aktivieren.
Bei ARD und ZDF lebt der Teletext weiter
Die Entscheidung von ProSiebenSat.1 bedeutet allerdings nicht das generelle Ende des Teletexts in Deutschland. Insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sender betreiben ihre Angebote weiterhin. Der ARD Text liefert beispielsweise noch Nachrichten, Sport, Programm-, Kultur-, Wetter- und Wirtschaftsinformationen. Auch das ZDF hält weiterhin an seinem ZDFtext fest.
Andere Angebote wurden in den vergangenen Jahren jedoch ebenfalls reduziert. Das ZDF hat etwa Sportnachrichten und Börsenkurse aus dem Teletext gestrichen. Mehrere Dritte Programme stellen zudem kein komplett eigenes Angebot mehr bereit und übernehmen stattdessen den ARD Text.
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Einst nutzten mehr als 40 Millionen Menschen den Teletext
Wie groß die Bedeutung des Teletexts einmal war, zeigt ein Blick zurück. ARD und ZDF starteten am 1. Juni 1980 ihr gemeinsames Teletext-Angebot. Anfangs gab es lediglich rund 70.000 Haushalte mit Fernsehern, die die zusätzlichen Seiten darstellen konnten.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Dienst zur festen Institution. Zu Beginn der 2000er-Jahre erreichte der Teletext in Deutschland mehr als 40 Millionen Nutzer. Ausgerechnet der Sat.1-Text gehörte damals zu den besonders erfolgreichen Angeboten.
Selbst Jahrzehnte später war die Technik noch keineswegs völlig verschwunden. Für 2023 wurden in Deutschland rund zehn Millionen Menschen ausgewiesen, die mehrmals pro Woche Teletext nutzten. Zum sogenannten weitesten Nutzerkreis gehörten sogar rund 20 Millionen Menschen.
Allerdings verteilen sich diese Nutzer offenbar längst nicht gleichmäßig auf die verschiedenen Sender. Während ProSiebenSat.1 inzwischen von nahezu keinem Interesse mehr an seinen eigenen Angeboten spricht, hält insbesondere die ARD weiter an der Technik fest.
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Ein Stück Fernsehgeschichte verschwindet
Aus heutiger Sicht wirkt der Teletext mit seiner blockartigen Darstellung, dem schwarzen Hintergrund und den dreistelligen Seitennummern wie ein Überbleibsel aus einer anderen Epoche. Doch lange bevor Internet und Smartphones selbstverständlich waren, brachte die Technologie aktuelle Informationen direkt auf den Fernseher.
Nach mehr als vier Jahrzehnten zieht nun eine der großen privaten Sendergruppen Deutschlands den Stecker. Ab Anfang 2027 heißt es bei ProSieben und Sat.1 deshalb endgültig: keine Seite 100 mehr.