6. September 2025, 14:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Samsung hat zur IFA 2025 seinen neuen Gaming-Monitor Odyssey 3D mitgebracht. Das Datenblatt klingt wie ein Traum: 27 Zoll, 4K-Auflösung, 165 Hertz und dann auch noch 3D? Endlich können Gamer vollkommen in die Spielwelt abtauchen – könnte man zumindest denken. In Wahrheit ist der Monitor so gimmicky wie eh und je. Ich bezweifele mittlerweile, dass die Vision von echtem 3D-Gaming mit herkömmlichen Mitteln umsetzbar ist.
3D-Displays sind neben transparenten Fernsehern ein Grundstein der IFA. Jedes Jahr bringen die Hersteller neue Konzepte, Prototypen und in seltenen Fällen sogar funktionale Retail-Einheiten mit zur Messe. Dieses Jahr hat Samsung seinen Odyssey 3D G90XF dabei, der im März 2025 vorgestellt wurde. Ich habe den Monitor auf der IFA zum ersten Mal gesehen. Als alter 3D-Hase musste ich ihn natürlich gleich ausprobieren. Mein Fazit: Die Technologie ist weit gekommen, rennt aber schnurstracks in eine Sackgasse.
3D? Ja, bitte – aber nicht als Monitor
Als Technik-Enthusiast bin ich eigentlich recht optimistisch, dass Technologie-Fortschritt unser Leben verbessern kann. Ich hatte zwar nie einen Nintendo 3DS – das erste Gerät, mit dem 3D wirklich massentauglich wurde. Das Aufkommen von 3D-Kino im gleichen Zeitraum schien für mich damals aber zukunftsweisend. Wären da nicht die plumpen Brillen gewesen – für mich als Brillenträger extra-unpraktisch. Als LG mit dem Optimus 3D Technik auch für Smartphone-Nutzer – ganz ohne Brille – zugänglich machte, musste ich auf den Zug aufspringen. Meine eigenen Fotos, Videos und sogar Android-Spiele in 3D zu sehen, hat mich damals so beeindruckt, dass ich über die Augenanstrengung hinwegsehen konnte. Nur ein paar Jahre später habe ich mir mein erstes VR-Headset – die Oculus Rift – gekauft. Aktuell nutze ich die Meta Quest 3 und bin davon überzeugt, dass in sich geschlossene VR-Brillen der bessere Weg sind, zumindest vorerst.
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Odyssey 3D ist technisch beeindruckend …
Das heißt nicht, dass das Technologie-Level im Odyssey 3D nicht beeindruckend wäre. Ein 4K-Gaming-Monitor mit 165 Hertz gehört schon so mit zum Besten, was man auf dem Markt bekommt. Die 3D-Funktion ist zudem nicht mit den früheren Versuchen wie 3DS und Optimus 3D vergleichbar. Samsung setzt auf Augen-Tracking, das durch zwei in den Rahmen integrierte Kameras verfolgt, wo der Nutzer hinschaut. Der Monitor passt seine Bildausgabe dynamisch an den Blickwinkel an, sodass der 3D-Effekt nicht verloren geht, wenn man den Kopf bewegt. Zudem sind keine gesonderten 3D-Inhalte notwendig. Samsung liefert die Software Odyssey 3D Hub mit, die dank KI-Unterstützung 2D-Videos in dreidimensionale Inhalte verwandelt. In dem Hub finden sich zudem 3D-Spiele, die mit dem Monitor kompatibel sind. Laut Samsung lassen sich vereinzelt auch 2D-Titel konvertieren.
Virtual-Reality-Brillen im großen Vergleich
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… bereitet mir aber Augenschmerzen
Als ich den Monitor auf Samsungs Messefläche erspäht habe, musste ich ihn sofort ausprobieren. Aber genauso schnell, wie ich mich auf das neue Erlebnis gefreut habe, hat auch die Ernüchterung eingesetzt. Der 3D-Effekt ist zwar durchaus überzeugend, mit mehreren Ebenen, die sich klar voneinander abheben. Aber es war so anstrengend, auf den Monitor zu schauen, dass ich nach ein paar Minuten abbrechen musste. Jedes Mal, wenn Blätter im Vordergrund durch das Bild flogen, konnten meine Augen nicht schnell genug fokussieren. Der Kontrast zwischen Vorder-, Mittel- und Hintergrund war einfach zu stark. Ich hatte Probleme, mich auf die Spielfigur zu konzentrieren.
Mixed Reality ist die Zukunft
Selbst der fortschrittlichen 3D-Technologie mit Augen-Tracking in Samsungs 1759 Euro teurem Odyssey 3D sind physische Grenzen gesetzt. Aber genau darin liegt das Problem: 3D-Display-Technologie ist eine Sackgasse. Egal, wie hochauflösend die Panels und wie präzise das Augen-Tracking – der limitierende Faktor wird immer der Formfaktor selbst sein. Kleine, tragbare Mixed-Reality-Headsets sind meiner Meinung die Zukunft. Zumindest bis wir digitale Bilder direkt in unsere Gehirne projizieren können. Ob wir die „Total Recall“-Zukunft wirklich wollen, ist eine andere Frage.