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Kultwürfel

Der Gamecube sollte alles anders machen – doch Nintendo scheiterte

Nintendo Gamecube inklusive Controller und einem Spiel auf einem Tisch
Warum der Gamecube trotz Zelda und Mario kein großer Erfolg wurde Foto: Getty Images
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Lars Lubienetzki
Freier Redakteur

30. Mai 2026, 16:25 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Im Jahr 2001 kommt es zu einem Dreikampf auf dem Spielekonsolenmarkt. Bis dahin führte Sony mit der PlayStation die Rangliste unangefochten an. Nun versuchten gleich zwei Konkurrenten, Sony von der Spitze zu verdrängen. Einer davon ist ein absoluter Newcomer, heißt Microsoft und betritt mit der Xbox die Bühne. Der andere ist ein alter Hase, heißt Nintendo und versucht mit dem Gamecube einen ganz anderen Weg einzuschlagen als die beiden Wettbewerber. Warum das am Ende dann doch nicht ganz reichte, zeichnet TECHBOOK in diesem Artikel nach.

Rein äußerlich fällt Nintendos Gamecube sofort auf. Während die PlayStation und die Xbox eher flach daherkommen, ähnlich wie ein Videorekorder oder DVD-Player, setzt Nintendo auf ein Würfeldesign.

Die Form wählte Nintendo allerdings nicht nur, um sich in Sachen Design von der Konkurrenz zu unterscheiden, sie hatte auch finanzielle Gründe. Um mit den beiden anderen Spielkonsolenherstellern mithalten zu können, ging Nintendo bei der Ausstattung viele „billige“ Kompromisse ein.

Nintendo setzte auf „billig“

Das fängt schon beim Laufwerk und dem Datenträger für Spiele an. Das Laufwerk verfügte über keine motorisierte Frontlade, sondern kam als Toplader daher und öffnete sich per Knopfdruck.

„Zudem nutzte der Gamecube keine üblichen DVDs oder CDs als Datenträger, sondern setzte auf sogenannte Mini-DVDs“, ergänzt Matthias Oborski, Ausstellungsleiter im Computerspielemuseum in Berlin. „Diese waren nur schwer zu kopieren und hatten schnellere Ladezeiten, besaßen aber auch deutlich weniger Speicher als die Standard-DVDs, die von der PlayStation 2 und der Xbox genutzt wurden.“

Weil die PlayStation und auch die Xbox eben nicht nur reine Spielekonsolen waren, sondern gleichzeitig auch als DVD- und CD-Player Filme und Musik abspielten, war der Gamecube keine Multimedia-Maschine.

Portabilität statt Multimedialität

Nintendo versuchte diesen Umstand durch Marketing-Phrasen etwas abzuschwächen. Shigeru Miyamoto, Kult-Entwickler und Software-Genie des japanischen Spielekonsolenherstellers, sagte damals, mit dem Gamecube strebe Nintendo „das Image einer transportablen und leicht zu bedienenden Spielmaschine“ an.

„Ein an der Konsole fest angebrachter Tragegriff suggerierte leichte Portabilität, besonders im Gegensatz zur schweren Xbox“, bestätigt Matthias Oborski das Bestreben von Nintendo. Doch eine leicht zu transportierende Konsole im aufstrebenden multimedialen Internet-Zeitalter dürfte als Verkaufsargument kaum ausreichen. Das war auch den erfolgsverwöhnten Japanern bewusst. „Deswegen setzte Nintendo beim Gamecube viel stärker als Sony und Microsoft auf First-Party-Spiele, also intern von Nintendo selbst entwickelte Titel“, ergänzt der Ausstellungsleiter des Berliner Computerspielemuseums.

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Spielehits, trotz kostengünstiger Hardware

Zu diesen exklusiven Games zählten unter anderem Eternal Darkness, Wind Waker aus der beliebten Legend-of-Zelda-Reihe, Mario Party oder F-Zero GX. Da der Gamecube über vier Controller-Eingänge verfügte, eignete sich der Kultwürfel für stundenlange Mehrspieler-Sessions.

Bei der Hardware verzichtete Nintendo auf teure Eigenentwicklungen. Stattdessen setzte man auf die Zulieferung durch namhafte Spezialisten. Die sogenannte Gekko-CPU bildete das leistungsfähige Herzstück des Gamecubes und stammte von IBM. Den raumfüllenden Sound lieferte ATI mit einem Chip, der den Namen „Flipper“ trug. Die Mini-DVDs, die als Datenträger für die Spiele dienten, hatte der japanische Spezialist Matsushita für den Gamecube entwickelt.

Die Bedeutung von Nintendos Gamecube innerhalb der Konsolenwelt lässt sich daher auch nur schwer einordnen. Bis zum offiziellen Produktionsende im Jahr 2007 wurden knapp 22 Millionen Geräte verkauft, keine so schlechte Zahl. „Doch das sehr diverse und mit zahlreichen Superhits gespickte Spiele-Angebot der PlayStation 2 war bei Weitem größer als das des Gamecubes“, bilanziert Matthias Oborski vom Computerspielemuseum in Berlin.

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Gamecube bleibt Nintendos Konsole vor der Wii

Der andere Konkurrent wagte den Schritt in eine neue Richtung. „Die Xbox bot mit Xbox Live ein erfolgreiches Online-Gaming“, betont Oborski und ordnet den Gamecube insgesamt eher als Misserfolg ein. Immerhin hätte Nintendo mit einigen großen Spiele-Hits gezeigt, dass kommerzieller Games-Erfolg nicht nur von der eingesetzten Hardware abhängt.

Doch der Konsolenhersteller lernte rasch. „Nintendo änderte seine Strategie nach dem Misserfolg radikal und entwickelte die Wii, eine der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten“, gibt der Ausstellungsleiter des Berliner Computerspielemuseums einen Ausblick, auf das, was noch kommen sollte.

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