Auch wenn es viele immer noch nicht wahrhaben wollen (und dazu gehören durchaus Leute aus der Industrie selbst): Videospiele haben sich als einflussreiches Kulturgut längst etabliert. Das Medium ist so erfolgreich und bedeutsam wie nie und hat bereits unzählige Klassiker hervorgebracht. Doch nun wurde dem bekannten Klassiker „Doom“ als einzigem Game eine besondere Ehre zuteil.
„Doom“ als historisch einflussreich geehrt
Hintergrund ist eine jüngst veröffentlichte Liste der „Washington Post“ zum diesjährigen 250. Jubiläum der USA. In dieser sind die nach Ansicht des renommierten Blattes 25 einflussreichsten Werke US-amerikanischer Kultur aufgeführt, die die dortige Gesellschaft maßgeblich geprägt haben und anhand derer sich eine Art Werdegang des Landes ableiten lässt.
Für jedes Jahrzehnt seit der amerikanischen Unabhängigkeit hat die „Post“ ein signifikantes Kulturerzeugnis ausgewählt. Mit dabei sind unter anderem die Nationalhymne „The Star-Spangled Banner“ (für die Dekade 1806-1815), das Buch „Moby Dick“ (1846-1855), Micky Maus (1926-1935) und eben auch „Doom“ (1986-1996).
Es gibt mehrere Gründe für die Nennung von „Doom“ neben der US-Nationalhymne und anderen großen Werken der US-Geschichte. Die Entscheidung des Studios Id Software, 1993 Teile des Spiels kostenlos übers Internet zur Verfügung zu stellen, sorgte für einen massiven Fan-Ansturm. Ganze Uni-Netzwerke gaben den Geist auf. Zwischenzeitlich wurde das Spiel sogar öfter auf Computern installiert als Windows 95.
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Für die „Post“ stellte dies eine erste Form von Nutzer-generierten Inhalten dar, lange bevor der Begriff überhaupt aufkam. Zumal Programmierer John Carmack digitale Werkzeuge mitlieferte, damit Fans selbst kreativ werden konnten. Die technischen Innovationen und die Bedeutsamkeit für das Videospielemedium als solches, aber insbesondere für Ego-Shooter, sind ebenfalls wichtige Aspekte.
„Dooms“ Einfluss und Vermächtnis haben aber auch Schattenseiten. Mitte der 90er-Jahre nutzte das US-Militär etwa „Doom II“ zum Training. Nach dem Amoklauf an der Columbine Highschool 1999 musste „Doom“ neben anderen Medien als Sündenbock herhalten. Eine Welle von wiederkehrenden Debatten rund um den vermeintlichen Einfluss solcher Spiele wurde losgetreten – die auch in Deutschland mit dem politischen Kampfbegriff „Killerspiele“ geführt wurde.
„Doom“ ist und bleibt ein Meilenstein
Allen Kontroversen zum Trotz bleibt „Doom“ bis heute ein Ausnahmephänomen in der Welt der Computer- und Videospiele, dessen Wertschätzung nur weiterwächst. Neben der Liste der „Washington Post“ hat in diesem Jahr die Library of Congress, eine der größten und bedeutsamsten Bibliotheken der Welt, die Musik von „Doom“ in die National Recording Registry aufgenommen. Somit gilt also auch der Soundtrack als besonders wichtig und erhaltenswert.
Das „Doom“-Franchise selbst ist nicht kleinzukriegen. Erst 2016 wurde es neu gestartet, mit „Doom: The Dark Ages“ erschien 2025 der bislang jüngste Teil mit großem Erfolg. Aber auch das Ur-„Doom“ von 1993 erfreut sich immer noch großer Beliebtheit, vor allem in Tüftlerkreisen. Schon seit Langem wächst die Liste der absurden Geräte, auf denen „Doom“ spielbar ist, und ein Ende ist nicht in Sicht.
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