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Kommentar

Redakteur über Blu-rays und DVDs: „Habe ich zu früh geheult?“

TECHBOOK-Redakteur Woon-Mo Sung und viele Blu-rays
TECHBOOK-Autor Woon-Mo Sung hat viele Blu-rays Foto: Getty Images/TECHBOOK
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Woon-Mo Sung
Redakteur

18. Februar 2026, 20:22 Uhr | Lesezeit: 14 Minuten

In Zeiten von Streaming und Downloads wirken physische Medien wie Schallplatten oder Blu-rays und DVDs wie ein auslaufendes Modell. Aber für mich werden sie nie aus der Mode kommen, niemals. Ob das aber andere auch so sehen? Aktuell könnte ich aufgrund meiner kuratierten Algorithmen auf YouTube oder Instagram den Eindruck gewinnen, dass wir es mit einem Comeback der Blau- und Silberscheiben zu tun hätten. Aber stimmt das? Hierzu habe ich ein wenig nachgeforscht und auch -gefragt. Die Wahrheit sieht anders aus – doch es bleibt Grund für zaghaften Optimismus.

Meine Blu-ray-Ausbeute der letzten Wochen

Dass ich physische Medien jedweder Art liebe, muss ich nicht betonen. Das habe ich bereits zuvor getan und daran hat sich auch nichts geändert. Ganz im Gegenteil, ich bin neulich völlig eskaliert, online wie auch im Laden. Da war ich also erst im Berliner Kulturhaus Dussmann und habe unter anderem den animierten Oscarfilm „Flow“ und das Folk-Horror-Juwel „Des Teufels Bad“ mitgenommen. Im Saturn ging es eine Woche später weiter mit dem Eastern-Klassiker „Tage des Terrors“ mit Cynthia Rothrock, „Ballerina“ und „Final Destination: Bloodlines“ in 4K.

Und weil ich nachts im Bett liegend über ein besonders schlechtes Urteilsvermögen verfüge, war ich auch anfällig für meinen Kumpel Hardy von Moviepilot, der meinte, ich solle mal beim Criterion-Sale vorbeischauen. Gesagt, getan, und acht Filme eingetütet, darunter „In The Mood For Love“, „Punch Drunk Love“ und „The Virgin Suicides.“ Ach so, und ein paar Schallplatten gab es obendrauf dazu.

Criterion Collection
Mein jüngster Online-Einkauf Foto: TECHBOOK

So geht es Blu-rays und DVDs aktuell

Das ist eine ganze Stange Geld, die ich in diese Schätzchen investiert habe. Aber ich allein kann wohl kaum eine ganze Branche am Leben erhalten, und die rückläufigen Verkaufszahlen bestätigen, dass es von meiner Sorte nicht mehr so viele gibt. Zwischen 2013 und 2023 hatte sich etwa der Umsatz aus dem DVD-Verkauf in Deutschland drastisch reduziert, wie Statista schrieb. Der für Blu-rays hat sich mehr als halbiert.

Der Trend hält weiter an, wie mir Norbert Karg von NBCUniversal im Gespräch erklärt. Karg ist noch für den Vertrieb physischer Produkte (DVD, Blu-ray, UHD) im deutschsprachigen Raum verantwortlich. In seiner Rolle brachte er Titel von Universal, Warner, Paramount und Constantin unters Volk, und seinen Ausführungen nach würde es einen stabilen jährlichen Umsatzrückgang von 12 bis 15 Prozent geben.

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Die großen Partner verschwinden

Die Sparte der physischen Filmmedien verliert im Zuge des allgemein schwindenden Interesses folgerichtig auch immer mehr Unterstützer innerhalb der Industrie. Sony und LG etwa hatten bereits ihren Rückzug aus der Produktion von Blu-rays und dazugehörigen Abspielgeräten angekündigt oder schon vollzogen.

Wie aus einem Interview von „The Spot Media & Film“ mit Oliver Koppert und Peter Schauerte vom Branchenverband für Filmverleih und audiovisuelle Medien Allscreens hervorgeht, wird es ab 2026 „keinen Major“ mehr geben, „der die physischen Produkte selbst vertreibt“.

Mann beisst Hund
„Mann beisst Hund“ hat mich als Teenager schwer verstört Foto: TECHBOOK

Wie Norbert Karg mir verriet, steigt damit NBCUniversal aus. Universal- und Warner-Produkte gehen über in die Verantwortlichkeit von Plaion Pictures, die neben Leonine und Alive somit zu den drei größten deutschen Vertrieben zählen. Kein großes Hollywood-Filmstudio übernimmt diesen Part des Geschäfts noch selbst.

Düstere Prognose für Amazon

Problematisch könnte sich Karg zufolge auch die Situation bei Amazon entwickeln. Das Online-Versandhaus würde einen Marktanteil von 50 bis 60 Prozent für Blu-rays und DVDs innehaben, so der Branchenveteran. Das physische Home-Entertainment-Produkt war seit Amazons Start in Deutschland eine Fokus-Kategorie, in die das Unternehmen entsprechend investiert hatte.

Doch auch hier wird man zurückfahren, was sich etwa in der Tatsache bemerkbar macht, dass es keinen verantwortlichen Einkaufs- und Markenspezialisten in den deutschsprachigen Ländern für physisches Home Entertainment mehr gibt. In Zukunft, so die Expertenprognose, könnte Amazon weite Teile des physischen Filmangebotes nicht mehr selbst auf Lager anbieten, sondern das anderen, kleineren Händlern über den Marketplace überlassen. Oder die verbleibenden Vertriebe verkaufen ihre Produkte über eigene Webshops. Das ist zum Beispiel bei Leonine oder Plaion bereits der Fall.

Ich habe hierzu Amazon nach dem Status der Sparte und nach Plänen für die Zukunft gefragt. Das Unternehmen möchte aber laut einer E-Mail hierzu keine Angaben machen.

The Quiet Girl
Einer der schönsten, liebevollsten Filme der letzten Jahre ist „The Quiet Girl“ aus Irland Foto: TECHBOOK

Streaming, Covid und schwindende Verfügbarkeit

Das Aufkommen von Streaming-Diensten wie Netflix hat den derzeitigen Niedergang physischer Medien eingeläutet, sowohl im Film- als auch im Musikbereich. Die Corona-Pandemie beschleunigte diesen Trend. Als vor allem die Kinos geschlossen waren und der Zugang zu Läden eingeschränkt wurde, vertrieben sich die Leute ihre Zeit daheim mit Streaming.

Heute ist es für den Mainstream nicht mehr wichtig, eine DVD oder einen Film zu besitzen, wenn er ohnehin zeitnah als VoD erscheint. Die Allgegenwart der physischen Medien ist weg, Filme selbst bei Netto oder Aldi waren einst ein normaler Anblick, aber jetzt nicht mehr.

Single-Männer kaufen am liebsten Steelbooks

Was funktioniert denn überhaupt noch? Aktuell ist noch auf folgende Dinge Verlass, wenngleich auf einem merklich niedrigeren Niveau als früher: Männliche Singles zwischen 40 und 60 Jahren, die sich auf Steelbook-Editionen „stürzen“ und diese voraussichtlich nie öffnen, weil sie sie als „Anlageobjekt“ betrachten. Auch hier sind die Verkaufszahlen längst nicht mehr so wie früher, doch zumindest sind sie häufig gut genug.

Sicario Steelbook
Vielleicht das coolste Steelbook in meiner Sammlung ist zum Film „Sicario“ Foto: TECHBOOK

Auch käme Disney eine Sonderstellung zu. Bei einem guten Steelbook würde eine große Disney-Produktion (und das schließt auch Star Wars und Marvel ein) kurz nach Veröffentlichung für einen „ganz starken Knall“ sorgen, so Norbert Karg. Dieser flacht aber schnell ab, wenn der Film bei Disney+ landet.

Aber auch hier stellt sich die Frage: Wie lange noch? Wie lange halten die Fans dem Produkt die Treue? Werden sie sich wirklich das fünfte Steelbook zu „Pulp Fiction“ ins Regal stellen? Bereits jetzt würde Karg einen Schwund bei den Ü50-Jährigen beobachten, die einst eine besonders starke Zielgruppe darstellten. Auch allgemein zieht sich der Verlust der Käuferschaft durch alle Altersgruppen.

Gen-Z und eine neue Trendnische

Doch es tut sich etwas, was man über Jahre nicht für möglich gehalten hätte. Dass ich bei YouTube und Social Media immer öfter vor allem junge Männer und Frauen der Gen-Z (geboren ab 1995) über DVDs und Blu-rays sprechen sehe, habe ich mir jedenfalls nicht eingebildet.

So schreibt etwa die „League of Filmmakers“: „Immer mehr junge Menschen machen das Alte wieder neu, indem sie physische Medien kaufen – die Verkaufszahlen steigen dabei um rund 15 %.“ Auch beim „BBC“ bemerkt man erste Anzeichen dafür, dass sich etwa bei Musik mehr junge Menschen von Bezahlabos abwenden und DVDs und Blu-rays wieder beliebter werden.

Das ist freilich nicht in allen Märkten so. Laut Norbert Karg kann man eine derartige Entwicklung zumindest für den deutschen Markt in der Form noch nicht erkennen. Vielleicht braucht es nur etwas länger, bis auch genügend junge Leute hierzulande physische Medien cool finden. Zumindest deklarierte sie der „Rolling Stone“ erst vor Kurzem wieder als „cool“.

Hundreds of Beavers
Eine Hommage an Stummfilm-Slapstick-Klassiker und alte Cartoons zum Schlapplachen: „Hundreds of Beavers“ Foto: TECHBOOK

Warum Gen-Z wieder Bock auf Physisches hat

Ich weiß, warum ich Schallplatten, CDs, DVDs und Blu-rays sammle. Aber wie sieht es bei anderen aus? Dafür habe ich meinen Kollegen Bastian (25) nach seiner Sicht der Dinge gefragt:

„Physische Medien sind mehr als nur eine Sammlung der liebsten Werke oder ein Ablehnen des Mainstreams. In diesem digitalen Zeitalter verlassen wir uns viel zu sehr darauf, dass die Werke, die wir lieben, für immer zugänglich sind. Doch heutzutage höre ich immer wieder, dass etwas zu ‚Lost Media‘ geworden oder einfach legal nicht auffindbar ist. Für mich sind physische Medien nicht nur ein garantierter dauerhafter Zugang zu den Werken, sondern auch ein Weg, mit den Medien auf einer tieferen Ebene zu interagieren.

Beispielsweise ist die Wahl von Filmen, Musik und Ähnlichem deutlich bewusster als ein Vorbeiscrollen oder -klicken an hunderten von Thumbnails. Das Einlegen einer Disc oder das Auflegen einer Platte hat für mich einen deutlichen emotionalen Mehrwert. Eine private Sammlung ist ein Abbild unserer Person, wie es ein Profil auf der x-ten Streaming-Plattform nie sein könnte.“

Für zahlreiche Filme und Serien verfügen Streaming-Dienste lediglich über zeitlich begrenzte Lizenzen. Das heißt, nach einer gewissen Zeit wandern sie zu einer anderen Plattform oder, im schlimmsten Fall, verschwinden sie vollständig aus dem digitalen Äther.

Vom Streaming gestresst und verängstigt

Das ist nicht nur ärgerlich. Bisweilen ist sogar von der „Streaming-Angst“ die Rede, die Leute dazu bringt, physische Kopien ihrer liebsten Filme und Serien zu kaufen. Damit wird die Furcht davor beschrieben, digitale Sammlungen, etwa von Fotos, aber auch Filmen, einfach zu verlieren.

Ida
Das polnische Meisterwerk „Ida“, Blu-ray vom britischen Label Curzon Foto: TECHBOOK

Playlisten oder gekaufte digitale Inhalte können Unternehmen einem einfach so wegnehmen – niemand besitzt mehr irgendetwas. Das ist für Jüngere besonders kritisch, da sie in einer Zeit aufgewachsen sind, in der sie einfach alles digital beziehungsweise online gespeichert oder genutzt haben. Die Entscheidung zurück zum Physischen könne deshalb etwas mit einem neuen Misstrauen gegenüber Streaming-Diensten zu tun haben, wo beizeiten Titel auch nachträglich noch verändert (sogar zensiert) werden können.

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Gleichzeitig sorgt die schiere Fülle an Titeln laut einer Studie dafür, dass Nutzer von Streaming-Diensten durch das große Angebot ihre Entscheidungen, was sie schauen wollen, immer länger hinauszögern. Und das würde zu erhöhtem Stress führen. Leute fühlen sich schlichtweg überfordert und wünschen sich mehr Orientierung, wie es in einer neuen Untersuchung von „Hub Entertainment Research“ heißt. Dass man mittlerweile zwischen mehreren Anbietern „vagabundieren“ muss, trägt sicher dazu bei und verkleinert den Kontostand stärker, als man zunächst dachte.

Der Netflix-Warner-Deal ist ein böses Omen

Gerade erst fangen junge Leute wieder an, öfter auf physische Medien zurückzugreifen, da kündigt sich das nächste Unheil an. Netflix möchte bekanntlich Warner Bros. übernehmen und damit eines der traditionsreichsten Filmstudios Hollywoods mit einer umfangreichen Bibliothek. Man denke an „Der Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“.

Doch neben Kino ist Netflix auch kein Fan von DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen. Nur sehr wenige Filme und Serien des Streaming-Anbieters haben es auf Scheibe geschafft – und das auch nur in Lizenz dank anderer Anbieter. Absolute Juwelen wie „Roma“, „The Irishman“ oder „Marriage Story“ wurden bei Criterion verlegt, die erste Staffel „Arcane“ erschien über GKIDS.

Terrifier
Es darf auch ab und zu ganz wüst werden – meine „Terrifier“-Sammlung Foto: TECHBOOK

Sollte die Übernahme von Warner tatsächlich durchgehen, könnte es in Zukunft weniger neue Warner-Werke physisch geben. Mike Flanagan, der für Netflix etwa die Horrorserien „Haunting of Hill House“ und „Haunting of Bly Manor“ erschuf, erfuhr aus erster Hand, dass derlei Veröffentlichungen dort keine Priorität genießen.

Weniger ist doch mehr, dank Boutique-Labels

Mit etwas Glück wird das aber allerhöchstens bedeuten, dass man sich bei Netflix die Arbeit nicht selbst machen möchte und wie schon zuvor den Job auslagert. Zugleich wünschen sich mehr Leute ohnehin ein kuratiertes Erlebnis – weniger Überangebot, sondern eine bessere Auswahl. Hier erfüllen sogenannte Boutique-Labels für DVDs und Blu-rays eine kleine, aber wachsende Nachfrage.

Boutique-Labels sind unabhängige Betriebe, die sich auf eine besondere Filmauswahl spezialisieren. Dabei veröffentlichen sie diese in der Regel in Form aufwendiger Restaurationen, in bester Bild- und Tonqualität und mit vielen Extras, sowohl auf den Discs selbst als auch als Beilagen in den Verpackungen.

Obendrein punkten sie nicht selten mit besonderen Artworks. Oft handelt es sich um Klassiker, obskure Kultfilme oder Titel, die sich als einflussreich und kulturell signifikant entpuppt haben. Nicht jeder Film schafft es hier rein und schon gar nicht jeder Blockbuster. Neue Releases von Labels wie Criterion oder Shout! richten sich vor allem an echte Filmenthusiasten. Wiederholt sind diese schnell ausverkauft.

Der Hunger wächst

Der Markt für Boutique-Veröffentlichungen wird bereits mit dem schon länger andauernden Vinyl-Revival verglichen. Wie das US-Branchenmagazin „Variety“ berichtet, würden derlei Betriebe eine „unerwartete Renaissance“ erleben. Führungskräfte sprechen von einem „wachsenden Hunger für greifbare, kuratierte Filmerlebnisse, die digitale Plattformen nicht replizieren können“.

Blu-ray zu The Tree of Life
Criterion Edition von „The Tree of Life“ Foto: TECHBOOK

Sammler suchen und finden vor allem das physische Eigentum in Premiumqualität. Neue Daten der British Association for Screen Entertainment (BASE) belegen den Nischentrend: 2024 sind die Verkäufe für 4K UHD Blu-rays um 21 Prozent gestiegen. In Deutschland, so Norbert Karg, sind sie um 17 Prozent gestiegen, obwohl der Gesamtmarkt um 13 Prozent schrumpfte. Ein Drittel des 4K-Umsatzes erzielte man mit Steelbooks. Sich mit besonderen Editionen auseinanderzusetzen, gilt dabei als ähnlich romantisch wie mit der Schallplatte.

Das Premiumprodukt als heiliges Sammlerobjekt

Dabei ist das Image ein weiterer Einflussfaktor: Wie der YouTube-Kanal „The Royal Ocean Film Society“ erklärt, gilt etwa die Criterion Collection als besonders prestigeträchtig. Von dem Label aufgenommen zu werden, ist ein Qualitätsmerkmal, das von Fans wahrgenommen wird. Dazu gehört aber auch der deutlich höhere Preis. Zusammen mit der liebevollen Aufmachung entsteht so der Eindruck eines teuren Luxusproduktes, das man haben möchte und über dessen Besitz man sich besonders freut.

Das ist ein Gefühl, das kein Streaming-Dienst geben kann. Und eine Entwicklung, die auch hierzulande greift. So sagt auch Norbert Karg, dass das „Special-Produkt“ erhalten bleiben wird. „Wir werden so lange wie möglich versuchen, hochwertige Editionen zu verkaufen“, verspricht er.

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Blu-rays als Happening

Criterion ist besonders in den USA sogar so erfolgreich damit, dass man mittlerweile Ansehen und Nachfrage in beliebte Videoreihen mit Promis und sogar Fan-Events ummünzt. Für die „Closet Picks“ im „Criterion Closet“ schauen Stars wie Winona Ryder, Pamela Anderson und sogar Gaming-Ikone Hideo Kojima vorbei, um sich in einem Wandschrank voller Blu-rays Filme auszusuchen, über sie zu reden und sie mitzunehmen.

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Und in den Staaten hat man sogar eine Tour mit einem mobilen „Criterion Closet“ ins Leben gerufen. Dafür stehen Fans stundenlang Schlange. Und auch hier fällt auf, wie viele Gen-Zler nur darauf warten, ihre ganz persönlichen Juwelen auszuwählen. Aber das ist ja auch das Tolle an physischen Medien: Sie sind nicht nur für einen selbst persönlicher und intimer, sondern schaffen auch zusätzliche zwischenmenschliche Momente. Sie in Händen halten und dann wem anders zeigen und geben zu können, sich dabei darüber auszutauschen, ist einfach wunderbar und schafft neue Verbindungen.

The show must go on

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, mit DVDs und Blu-rays wird es insgesamt auch weiterhin nach unten gehen. Fürs Erste werden sie aber nicht gänzlich verschwinden. Stattdessen findet eine Verlagerung statt – weg vom Massenprodukt für den Mainstream hin zum begehrten Fan-Produkt für das besondere Erlebnis. Und immerhin wird es dafür auf absehbare Zeit noch genügend Angebote geben. So betonte Norbert Karg in unserem Gespräch mehrmals: „Es wird weitergehen.“

Wer sich einfach nur die Zeit mit Filmen und Serien vertreiben möchte, kann weiterhin streamen, daran ist nichts falsch. Doch für die Extraportion Wertschätzung und Kunsterhalt werde auch ich weiterhin regelmäßig neue Scheiben kaufen. Und ich bekomme langsam, aber sicher Verstärkung.

So sagte Serienmacher Sam Boyd dem „Rolling Stone“:

„Es wird immer Menschen geben, besonders junge Menschen, die neugierig auf die Vergangenheit sind. Die sich für die gesamte Geschichte unglaublicher Filme, Serien und Alben interessieren. So ein Kind war ich. Deshalb ergibt es Sinn, dass es solche Kinder weiterhin gibt. Die Vorstellung, dass Menschen für immer nur das Neue wollen würden, hat einfach noch nie der Realität entsprochen. Es wird immer einige geben, die bewusst einen anderen Weg einschlagen wollen.“

Habe ich also bei meinem letzten Kommentar zum Thema vielleicht doch zu früh geheult? Vielleicht. Und ich hoffe es auch.

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