Vinyl-Hype

Schallplatte oder Musikstream – was klingt besser?

Woher kommt heutzutage die Faszination für Schallplatten?
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Seit der CD ist viel passiert im Musikgeschäft: Erst kam das MP3-Format, dann der iPod und schließlich Musikstreaming. Erstaunlicherweise erlebt aber die Schallplatte ein Comeback. Woran liegt das? Klingt analog wirklich besser als digital?

Es war noch nie so unkompliziert und günstig, legal Musik zu hören wie heute. Mit einem Streaming-Abo bei Spotify, Google oder Amazon Music hat man schon für ein paar Euro im Monat Zugriff auf Millionen von Songs. Wer ein Familienabo für 14,99 Euro bei einem der Anbieter abschließt, der zahlt bei maximal sechs Teilnehmern nur noch 2,50 Euro pro Monat.

Dabei kann man die Musik online streamen oder seine Lieblingslieder aufs Smartphone, Rechner und andere Musikspieler herunterladen. Diese verbleiben zwar nur so lange auf den Geräten, bis man das Abo kündigt – doch wer muss heutzutage schon Musik besitzen, wenn man jederzeit auf sie zugreifen kann?

Ein schönes Stück Oldschool-Technik: der Dual DT 500 USB mit Holzgehäuse in Klavierlackoptik.
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Musikhören wurde also völlig unkompliziert, vielleicht sogar so unkompliziert und perfekt, dass man sich nach etwas Besonderem sehnt: Nach dem Gefühl, Musik zu erleben und wertzuschätzen. Und genau das macht den Reiz der Schallplatte aus. Sie klingt nicht so perfekt wie ein hoch aufgelöster Stream, aber sie macht Musik wieder zum Erlebnis.

Klingt analog nun besser als digital?

Besser ist die falsche Formulierung, wenn man nach reiner Klangqualität fragt. Zum Test haben wir uns den Schallplattenspieler Dual DT 500 USB angehört. Der Vorteil dieses schicken Plattenspielers ist sein eingebauter Vorverstärker. Das ist dann wichtig, wenn man einen Verstärker ohne Phono-Vorstufe hat, wie in unserem Fall beim Verstärker Elac Element EA101EQ-G. Der Dual DT 500 USB besitzt einen Pre-Amp-Schalter auf der Rückseite, mit dem man zwischen dem internen und einem externen Vorverstärker wählen kann.

Wir haben den Klang mit einem Musikstream von Tidal verglichen, der CD-Qualität liefern soll. Als Künstler haben wir uns die britische Indie-Pop-Rock-Band „The XX“ ausgesucht mit ihrem Album „Coexist“. Der größte Unterschied lag zunächst in der Lautstärke. Der Plattenspieler klang wesentlich leiser als der Stream. Das heißt, wir mussten den Verstärker deutlich stärker aufdrehen, um die gleiche Lautstärke zu erzielen.

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Digitale Perfektion versus charmantes Knistern

Und auch bei vergleichbarer Lautstärke merkt man, dass der Stream dynamischer, druckvoller und auch sauberer klingt. Die Schallplatte wirkt dagegen etwas weicher, man könnte wärmer oder charmanter sagen. Und es knistert ab und zu – ein Geräusch, das digitalen Quellen völlig fremd ist. Doch genau das haucht der Musik Leben ein, lässt sie nicht so aalglatt und steril wirken wie den Stream.

Wer’s braucht: USB-Anschluss am Plattenspieler

Übrigens: Der Dual DT 500 besitzt einen USB-Anschluss, damit man seine Musik am Rechner digitalisieren kann. Ein nettes Gimmick und für einige User sicherlich interessant, aber für uns natürlich keine Option, schließlich wollen wir es bei der Platte analog haben. Ansonsten gefiel uns das Gerät durch seine elegante Optik, hochwertige Verarbeitung und komplette Ausstattung. Das Ganze gibt es für 345 Euro. Alternative: Im gleichen Preis- und Ausstattungssegment ist auch der Teac TN-300-B (ab 305 Euro) angesiedelt. Wer auf Phono-Vorverstärker und USB-Anschluss verzichten kann, der findet auch Geräte ab etwa 100 Euro. Richtige Billig-Plattenspieler gibt es sogar ab 40 Euro.

Komplette Ausstattung: der Dual DT 500 USB hat nicht nur einen integrierten Phono-Vorverstärker, sondern auch einen USB-Ausgang, um seine Schallplattensammlung zu digitalisieren
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Die Schallplatte ist ein Erlebnis – ein Stück Musik in den Händen

Doch viel mehr als der Klang ist bei Vinyl das gesamte Drumherum ein Erlebnis. Schon das Kaufen der Platte im Laden ist eine Zeitreise in eine längst vergangene Zeit. Die Platte ist groß und umständlich, aber auch ein Sammlerstück.

Zu Zause hört man sich ein Vinyl-Album meist von vorne bis hinten durch – was heutzutage immer seltener wird bei all den unzähligen Playlisten der Streaming-Dienste und natürlich derer, die man selbst erstellt. Das Wenden der Platte nach 20 Minuten nicht zu vergessen. Klar, das klingt alles altmodisch, aber genau nach diesem physischen Erlebnis sehnen sich viele in einer Musikwelt, die immer flüchtiger und beliebiger wird.

Doch das Beste ist, man muss sich nicht zwischen analog und digital entscheiden, sondern zweigleisig fahren. Unterwegs und zum bequemen Musikkonsumieren ist Streaming auf dem Smartphone unschlagbar. Vor allem, wer die neuesten Hits genießen möchte, wird hier schnell bedient. Gleichzeitig kann man aber auch seine Lieblingsmusik zelebrieren, indem man sie als Schallplatte auflegt und dabei zumindest für einen Moment sein Leben entschleunigt.

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