100, 200 oder 400 Hertz?

Wie wichtig ist eine hohe Hertz-Anzahl beim Fernseher wirklich?

Fernseher im Geschäft
Welche Hertz-Zahl braucht mein Fernseher? Die Antwort ist simpler als man zunächst erwartet, denn die Auswahl ist bei weitem nicht so groß, wie die Hersteller einem weismachen wollen.
Foto: Getty Images

Wichtig beim Kauf eines Fernsehers ist neben Größe und Ausstattung die Bildwiederholungsrate in Hertz. Doch was bedeutet die eigentlich – und wie viel Hertz sollte mein Fernseher haben? TECHBOOK erklärt das Hertz-Wirrwarr.

100 Hertz, 400 Hertz oder sogar 800 Hertz? Wer einen neuen Fernseher kauft, sieht sich neben Kennziffern wie der Größe in Zoll oder der Leuchtdichte in Nits auch mit der Bildwiederholfrequenz konfrontiert. Doch ist mein Fernseher wirklich besser, wenn er mehr Hertz hat? TECHBOOK klärt den Mythos auf.

Was bedeutet eigentlich „Hertz“?

Die Einheit Hertz bezeichnet die Frequenz, im Falle von Fernsehern die Bildfrequenz. Ein TV mit 50 Hertz kann also 50 Bilder pro Sekunde übertragen. Zur Verdeutlichung: Ein Fernsehbild besteht wie ein Daumenkino aus vielen verschiedenen Einzelbildern, die schnell aneinandergereiht werden. Für den Zuschauer entsteht so eine flüssige Bewegung.

Dafür reichen dem menschlichen Auge allerdings 24 Bilder pro Sekunde aus – warum gibt es dann aber Fernseher mit angeblich 400 Hertz und mehr?

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Was bringt eine hohe Hertzanzahl?

Zunächst einmal: Die Signalübertragung vom Fernsehprogramm, von der PlayStation oder auch vom Blu-ray-Player ist derzeit immer nur 50 bzw. 60 Hertz. Zwar werden in Zukunft auch Inhalte mit 100- bzw. 120-Hertz-Signalen übertragen werden, aber dafür bräuchten die TV-Geräte den neuen HDMI-Standard 2.1, der wohl erst im nächsten Jahr nach und nach in neue Fernseher verbaut wird.

Was passiert nun in Fernsehern, die eine höhere Frequenz angeben? Die Prozessoren im TV-Gerät berechnen einfach noch ein paar Zwischenbilder dazu und treiben die Hertzzahl so künstlich nach oben. Warum? Christian Trozinski, Chefredakteur des Fachmagazins „HDTV Magazin“, erklärt im Gespräch mit TECHBOOK: „Selbst ein 24-Hertz-Signal könnte man sehr scharf ohne Zwischenbildberechnung darstellen, aber dann könnte das Bild sehr stark flimmern und es würde nicht komplett ruckelfrei ablaufen. Eine hohe Hertzzahl bedeutet im Moment: Dank der Zwischenbildberechnung werden Bewegtbildszenen scharf, ruckelfrei und zugleich flimmerfrei dargestellt.“

Allerdings gibt es auch einen Nachteil, den sogenannten „Seifenoper-Effekt“: Werden die Zwischenbilder nur detailarm und mit reinem Fokus auf die Bewegung berechnet, können die Hintergründe in Filmen und Serien manchmal etwas statisch wirken – ähnlich wie bei billig produzierten Seifenopern.

Welche Hertzzahl braucht mein Fernseher?

„Kein 4K-Fernseher schafft nativ mehr als 120 Hertz. Bei Full-HD-Panels geht die Fahnenstange bis 200 Hertz“, so Trozinski. Diese waren vor allem bei 3D-Fernseher wichtig, die Bilder für das linke und das rechte Auge abwechselnd angezeigt haben. So halbiert sich die Frequenz auf 100 Hertz für jedes Auge – bei weniger würde das Bild nicht mehr flüssig und gut aussehen. Seitdem die 3D-Technik für Fernseher nahezu ausgestorben ist, gibt es auch kaum noch Fernseher mit nativ 200 Hertz.

Mittlerweile setzen die TV-Hersteller allerdings auf Multiplikatoren bei den Angaben, die überhaupt nichts mehr mit der Bewegtbildschärfe zu tun hätten. Hier ist beim Kauf Vorsicht geboten.

Ein Beispiel: Hersteller Sony versieht ein natives 50-Hertz-Display etwa mit der Funktion Motionflow 400 Hertz. Wie kommt die Zahl 400 zustande? Im Detail erklärt Sony das nicht, aber sie ist das Ergebnis von zusätzlich berechneten Bildern, die zwischen zwei Einzelbildern hinzugefügt werden. Ähnlich sieht es auch bei den anderen Herstellern aus: Samsung hat seit 2015 seinen sogenannten Picture Quality Index (PQI), der zwischen 100 und 2700 liegt, bei LG heißt der Wert Picture Mastering Index (PMI). Die Zahlen setzen sich zusammen aus verschiedenen Faktoren wie der Auflösung oder der Frequenz. Vergleichbar sind sie allerdings herstellerübergreifend nicht und leider ist oft auch nicht ganz klar, wie sie im Detail zusammengesetzt werden.

Ganz schön kompliziert, was?

Als einfache Faustregel gilt zusammenfassend also: Egal, wie viel Hertz oder andere Bild-Indizes die Hersteller auf die Verpackung schreiben, bei einem 4K-Fernseher bekommen Sie maximal 120 „echte“ Bilder pro Sekunde, bei einem Full-HD-Fernseher maximal 200.

Doch für welchen Zweck brauche ich welche Bildfrequenz? „Für schnelle Sport- und Videospielaufnahmen sind 100 bzw. 120 Hertz eigentlich ein Muss, die Unschärfe wäre sonst bei Bewegungen zu groß.“, so Trozinski. Ab 200 Hertz komme der Mensch allerdings an die Grenzen der Wahrnehmung. Diese Frequenzen braucht man eigentlich nur bei 3D-Fernsehern.

Wer nur gelegentlich seine Lieblingsserie am Abend schaut und keinen Wert auf Videospiele oder 3D-Funktionen legt, kann aber auch guten Gewissens einen 50/60-Hertz-Fernseher nehmen.