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Kaufberatung

E-Book-Reader Amazon Kindle und Tolino im Vergleich

Frau mit E-Book-Reader auf einem Sessel
Welcher E-Book-Reader eignet sich für wen? Der KaufratgeberFoto: Getty Images

E-Book-Reader sind die idealen Begleiter für alle Leseratten. Die kompakten Geräte speichern gleich eine ganze Bibliothek und stellen anders als Tablets Schrift nahezu wie gedruckt dar. Auf dem Markt dominieren vor allem zwei Marken: der Amazon Kindle und der Tolino. Doch welcher E-Book-Reader ist der richtige für welchen Zweck? TECHBOOK klärt auf.

Dicke Schmöker im Regal sehen zwar gut aus, viel praktischer ist es aber, wenn Hunderte Bücher auf ein Gerät und somit auch in jede Tasche passen. E-Book-Reader machen genau das möglich. Durch ihre eInk-Displays stellen sie Schrift blendfrei und fast wie auf echtem Papier dar, lassen sich im Sonnenlicht problemlos ablesen und verbrauchen gleichzeitig so wenig Strom, dass eine Akkuladung für mehrere Wochen ausreicht. In Deutschland gibt es zwei E-Book-Reader-Serien, zu denen Käufer besonders häufig greifen: Die Kindle-Reihe von Amazon sowie die Tolino-Reihe, die aus einer Allianz der deutschen Buchhändler Thalia, Weltbild, Hugendubel, Mayersche Buchhandlung, Osiander sowie Libri entstanden ist. Doch welchen E-Book-Reader sollte ich mir holen? TECHBOOK zeigt, welche aktuellen Modelle es gibt und welches das richtige für Sie ist.

ePub oder mobi? Eine Frage des Formats

Kindle mit Einschränkungen

Der Kindle 3 mit Tastatur war im April 2011 der erste E-Book-Reader von Amazon, den das Unternehmen auch in Deutschland verkauft hat. Im Laufe der Jahre kamen zahlreiche neue Modelle dazu, wobei sie allesamt – ähnlich wie die Fire-Tablets – eng mit dem Ökosystem des Online-Händlers verknüpft sind.

Amazon setzt bei seinen Kindle-eReadern auf das sogenannte mobi-Format, das eigentlich von vielen E-Book-Readern unterstützt wird. Doch gleichzeitig schützt der Anbieter seine digitalen Bücher mithilfe des haus­eigenen azw-Formats vor unerlaubter Vervielfältigung. Dabei werden die E-Books bei der Installation auf dem Kindle mit einer individuellen Ziffern­folge versehen, was dazu führt, dass sie nur noch auf dem jeweiligen Kindle des Käufers wiedergegeben werden können.

Neben diesen mobi/azw-Dateien lassen sich die Text-Formate PDF, HTML, TXT, und DOC auf den E-Book-Readern von Amazon speichern. Das bekannte und von den meisten Händlern genutzte ePub-Format unterstützen die Kindle allerdings nicht. Das schränkt den Kauf von digitalen Büchern sehr stark ein – Nutzer sind somit quasi auf den Store von Amazon angewiesen. Das Ausleihen von E-Books, die sogenannte Onleihe, ist mit Amazons Kindle ebenfalls nicht möglich, da die öffentlichen Bibliotheken das gängigere ePub-Format verwenden.

Freigeist Tolino

Die Tolino-Allianz geht anders vor als Amazon bei seinem Kindle. Das Projekt wurde 2013 von der Telekom (mittlerweile ausgestiegen) und einigen großen deutschen Buchhandelsketten wie Thalia und Hugendubel ins Leben gerufen. Von Beginn an setzte die Allianz auf einen offenen Betrieb, der Tolino-Besitzer beim Kauf von E-Books nicht an einen Händler bindet.

Um das zu gewährleisten unterstützen die unterschiedlichen Tolino-eReader neben TXT und PDFs allesamt das ePub-Format. Auch das Ausleihen von E-Books in öffentlichen Bibliotheken ist so möglich.

Mehr zum Formate-Wirrwarr bei E-Books lesen Sie in unserem allgemeinen Kaufratgeber zu E-Book-Readern.

Die aktuellen E-Book-Reader von Amazon

Amazons Kindle ist für viele schon fast zum Synonym für den E-Book-Reader geworden – und das, obwohl Amazon sein eigenes E-Book-Format verwendet. Dennoch können die eReader des Herstellers überzeugen. Amazon aktualisiert seine Kindle-Familie recht häufig und kann daher Geräte mit aktueller Technik anbieten. Vom günstigen Einsteiger-Modell, über E-Book-Reader speziell für Kinder bis hin zum Luxus-Gerät ist nahezu alles dabei.

Amazons Kindle-eReader

Für wen geeignet?

Besonders empfehlenswert ist die Kindle-Reihe für diejenigen Nutzer, die ohnehin schon im Amazon-Universum unterwegs sind – beispielsweise Kunden mit Prime-Abo oder Besitzer eines Amazon-Gerätes wie den Fire-Tablets. Denn so lassen sich Dienste, Inhalte und Geräte des Online-Händlers gut miteinander verknüpfen.

Amazon Kindle (10. Generation)

Er gilt als Einsteiger-Modell von Amazon und ist bereits für knapp 90 Euro (80 Euro mit Werbeeinblendungen) wahlweise in Schwarz oder Weiß zu haben. Für eine papiernahe und flimmerfreie Darstellung beim Lesen sorgt das 6 Zoll große eInk-Carta-Display, das sogar über eine integrierte Hintergrundbeleuchtung verfügt. So können Nutzer auch bei Dämmerlicht bequem lesen.

Zum Speichern von E-Books bringt der Kindle 4 GB Speicherplatz mit, was für Tausende digitale Bücher reicht. Gleichzeitig haben Nutzer direkt vom eReader aus Zugriff auf den E-Book-Shop von Amazon und können kostenfreie Leseproben laden. Auch Hörbücher lassen sich mit dem Kindle wiedergeben. Ebenso ist es möglich, Lesezeichen zu setzen, Begriffe im Wörterbuch nachzuschlagen sowie die Schriftart und -größe zu verändern. Bedienen lässt sich der Amazon Kindle über den Touchscreen.

Kindle Kids Edition

Im Gegensatz zu Tolino bietet Amazon mit der Kindle Kids Edition auch eine spezielle Ausführung für Kinder an. Sie ist baugleich zum Amazon Kindle, bringt aber etwas mehr Lieferumfang sowie eine angepasste Software mit. Im Preis von 109,99 Euro ist bereits eine passende Hülle enthalten, die es in vier Designs gibt. Werbeeinblendungen gibt es hier nicht. Dafür aber die Möglichkeit für Eltern, den Lesestatus ihres Kindes genau zu verfolgen. Je mehr die Kleinen lesen, desto mehr Awards erhalten sie, was sie weiter anspornt. Sie können mit dem integrierten Vokabeltrainer aber auch neue Wörter lernen oder unbekannte Begriffe im Wörterbuch nachschlagen.

Damit ihnen der Lesestoff nicht ausgeht, bringt der Kindle Kids Edition den kostenfreien Zugriff auf das Abo FreeTime Unlimited mit, das nicht nur Tausende kindgerechte E-Books umfasst, sondern auch Hörbücher sowie Serien und Filme einschließt. Nach einem Jahr endet der Gratis-Zugang allerdings und Amazon berechnet FreeTime Unlimited wieder mit 4,99 Euro im Monat (2,99 Euro für Prime-Kunden).

Lesen Sie mehr zum Amazon Kids Edition in unserem ausführlichen Testbericht.

Kindle Paperwhite

Der Kindle Paperwhite ist eine optimierte Version des normalen eReaders: Das E-Paper-Display misst nach wie vor 6 Zoll, hat aber eine höhere Auflösung. Schrift stellt der Paperwhite somit noch klarer und kontrastreicher dar. Die Bedienung erfolgt auch hier über den Touchscreen, haptische Tasten hat das Gerät nicht. Auch eine Hintergrundbeleuchtung sowie die Möglichkeit Hörbücher abzuspielen bringt der Kindle Paperwhite mit.

Im Vergleich zum normalen Kindle bietet Amazon den Paperwhite mit deutlich mehr Speicher an: 8 GB oder 32 GB stehen zur Wahl. Das Mehr an Speicher dürfte vor allem Nutzer sehr großer digitaler Bibliotheken, Comic-Leser oder Fans von Hörbüchern zu Gute kommen. Ebenso gibt es eine Version mit kostenlosem UMTS, über das Nutzer auch unterwegs auf den E-Book-Shop von Amazon zugreifen können. Eine weitere Besonderheit ist das wasserfeste Gehäuse. Der Kindle Paperwhite ist nach IPX8 vor Wasser geschützt und kann so auch am Strand oder in der Badewanne verwendet werden, ohne gleich kaputt zu gehen.

Derzeit kostet die kleinste Speicher-Variante des Kindle Paperwhite ohne 4G 140 Euro (120 mit Werbeeinblendungen) und die größte Speicher-Variante mit 4G 230 Euro ohne Werbung. Erhältlich ist der E-Book-Reader in Dunkelblau, Grün, Lila oder Schwarz.

Amazon Oasis

Das Luxus-Modell unter Amazons E-Book-Readern! Der Kindle Oasis hat ein größeres Display (7 Zoll), kommt mit der gleichen hohen Auflösung wie der Paperwhite und bringt eine intelligente, helligkeitsgesteuerte Beleuchtung mit 25 statt nur 5 LEDs mit. Außerdem ist er nach IPX8 wassergeschützt und in den gleichen Speichergrößen erhältlich wie der Paperwhite. Auch eine 4G-Version bietet Amazon an. Die Preise für den Kindle Oasis sind mit 230 für die günstigste und immerhin 320 Euro für die teuerste Version (4G, 32 GB Speicher) aber nicht zu verachten.

Was der eReader anders macht als Amazons übrige Kindle? Nun ja, er hat ein modernes, sehr leichtes und flaches Gehäuse aus Metall, ein vollkommen ebenes Display und eine Displaybeleuchtung, die sich in der Farbtemperatur von Weiß bis Bernstein anpassen lässt. Amazon verwendet im Oasis E-Paper der neuesten Generation und hat die Leistung so verbessert, dass das Umblättern per Touchscreen oder Blättertasten noch schneller vonstatten geht.

Mehr zum Amazon Oasis lesen Sie in unserem ausführlichen Test:

Die aktuellen E-Book-Reader von Tolino

Anders als die Kindle-Modelle von Amazon bietet die Tolino-Allianz die gleichnamigen E-Book-Reader nur in WLAN-Versionen an. Da früher die Telekom am Projekt beteiligt war, lassen sich unterwegs aber die Hotspots des Mobilfunkproviders in Deutschland kostenfrei nutzen. Alle Tolinos verfügen zudem über die gängigen Funktionen wie eine verstellbare Schriftart und -größe, erlauben das Setzen von Lesezeichen und Markierungen und bringen ein integriertes Wörterbuch mit. Wie bei Amazon pflegt Tolino seine Geräte mit immer neuen Generationen, die über die neuesten Features verfügen.

Tolino-eReader

Für wen geeignet?

Da die Tolinos das ePub-Format unterstützen, sind Nutzer unabhängig bei der Wahl eines E-Book-Shops. Ein großer Vorteil und Kaufanreiz ist zudem die Möglichkeit, E-Books in der Bibliothek auszuleihen (Onleihe). Wer sich also nicht auf Amazon festlegen mag, hat fast keine andere Wahl als zu einem der Tolino-Modelle zu greifen.

Page 2

Der Tolino Page ist das Gegenstück zum Kindle von Amazon und gilt als Einsteiger-Modell in der Tolino-Familie. Er kommt ebenfalls mit 6 Zoll großem E-Ink-Carta-Display, bringt aber 8 GB Speicher mit, wovon ca. 6 GB für E-Books zur Verfügung stehen – hier ist er dem Amazon Kindle somit etwas voraus. Zusätzlich spendiert die Tolino-Allianz bei jedem Kauf noch weitere 25 GB Cloud-Speicher – allerdings nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ursprünglich kostete der Tolino Page 2 89 Euro, mittlerweile ist der eReader aber schon für rund 69 Euro zu haben.

Shine 3

Die dritte Generation des Tolino Shine ist dem Page 2 in einigen Punkten überlegen. Er verfügt über eine SmartLight-Hintergrundbeleuchtung, die sich entsprechend der Tageszeit von kaltweißem Licht am Morgen zu warmweißem Licht am Abend anpasst. Das 6 Zoll großes Carta-Display löst zudem in HD und somit höher auf als das des Einsteiger-Modells. Auch der Akku des Shine 3 bietet 50 Prozent mehr Kapazität (insg. 1500 mAh) als der des Page 2. Gesteuert werden beide allerdings über den Touchscreen. 8 GB interner Speicher stehen für E-Books bereit.

Der Tolino Shine 3 kostet rund 90 Euro und ist unter anderem in den großen Buchhandelsketten verfügbar.

Vision 5

Der Tolino Vision 5 unterscheidet sich schon optisch von den beiden vorherigen Geräten und ähnelt vielmehr Kindle Oasis von Amazon. Der eReader erlaubt ebenfalls die Steuerung per Touchscreen oder Blättertasten und auch das 7-Zoll-HD-Display hat er mit dem Oasis gemeinsam. Allerdings besteht das Gehäuse des Tolino Vision 5 aus Kunststoff und nicht aus Aluminium. Lesen lässt sich mit ihm sowohl im Hoch- als auch im Querformat.

Der Tolino Vision 5 ist vor Spritzwasser geschützt und erlaubt das Eintauchen bis zu 60 Minuten in bis zu zwei Meter tiefem Süßwasser. Die SmartLight-Beleuchtung findet sich auch bei diesem Modell, ebenso wie der 8-GB-Speicher. Die Akku-Kapazität ist nicht so stark wie die des Tolino Shine 3, aber besser als die des Page 2. Knapp 140 Euro kostet der Tolino Vision 5.

Epos 2

Der Epos ist das Topmodell von Tolino. Er hat das mit 8 Zoll größte Display aller hier gezeigten Modelle und verfügt zudem über die höchste Auflösung – nämlich Full-HD. Das Display ist vollkommen plan und verzichtet auf die leicht gehobenen Ränder, die es noch beim Vision 5 gibt. Das schafft Tolino durch den Verzicht einer Glasschicht auf dem Screen. Der Epos 2 wird dadurch nicht nur leichter, das Display ist auch flexibler und weniger anfällig.

Ansonsten ist der Epos 2 dem Vision 5 in vielen Dingen ähnlich: Beide haben die gleiche Speicher- und Akku-Kapazität (1200 mAh), sind nach IPX8 vor Wasser geschützt und erlauben die Anzeige im Hoch- und Querformat. Sogar den kapazitiven Double-Layer-Touchscreen, der für noch schnelleres Umblättern sorgt, bringen beide Tolinos mit. Das gleiche gilt für die zusätzlichen Tasten zum Blättern. Am Ende liegt der größte Unterschied daher in der Displaygröße und -verarbeitung sowie im Preis. Denn mit etwa 255 Euro ist der Tolino Epos 2 gut 100 Euro teurer als der Vision 5.

Fazit

Die Kindle von Amazon und die Modelle der Tolino-Allianz liefern sich in vielen Punkten ein Kopf-an-Kopf-Duell. Welches Gerät sollte man also kaufen? Wer ohnehin im Amazon-Universum unterwegs ist oder gar die E-Book-Flatrate Kindle Unlimited hat, kommt um ein Amazon-Gerät nicht herum. Wer mehr Freiheit braucht und seine E-Books auch woanders kaufen möchte, bekommt mit den Tolinos eine gute Alternative mit oft besserer Akkulaufzeit und etwas günstigeren Preisen.

Da sich in Deutschland Amazon und die Tolino-Allianz den Markt der E-Book-Reader nahezu vollständig alleine aufteilen, verzichten wir bei dem Vergleich auf weitere Geräte von Kobo (die inzwischen zur Tolino-Allianz gehören), Pocketbook oder Bookeen.

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