Experte erklärt

Große Abzocke? Warum Druckerpatronen so viel kosten

Manchmal sind Druckerpatronen teurer als das eigentliche Gerät
Foto: Getty Images

In der Herstellung kostet die Tinte für den Drucker nur wenige Cents, im Verkauf ist der Preis deutlich höher. Wir Kunden das Geld aus der Tasche gezogen? Ein Experte klärt bei TECHBOOK auf.

Wer die Patrone seines Druckers ersetzen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Dabei ist der Herstellungspreis sehr niedrig – die Hersteller verdienen also viel am Verkaufspreis.

Das hat Austin McConnell nicht losgelassen: In einem YouTube-Video erklärt er, dass er früher im technischen Support einer Computerfirma gearbeitet und Kundenfragen am Telefon beantwortet hat. Dabei hatte er Einblick in die Preisgestaltung des Unternehmens und konnte sowohl den Verkaufs- als auch den Herstellungspreis sehen.

Verkaufspreis versus Herstellungspreis

Als er einer Kundin eine Druckerpatrone verkaufen wollte und dabei den Herstellungspreis sah, war er geschockt: Die Schwarz- sowie Farbpatrone wurde für 59,95 US-Dollar verkauft, der Herstellungspreis betrug gerade einmal 23 Cent.

Das Video hat sich in den letzten Monaten zum Hit auf YouTube entwickelt. Hier können Sie das Video „Tintenpatronen sind Betrug“ vollständig sehen: 

Ist der hohe Gewinn der Tinte-Hersteller gerechtfertigt? Es gibt sehr komplexe und große Druckerpatronen, die viele Komponenten wie Bildtrommel oder Resttonerbehälter enthalten und es gibt ganz einfache kleine Plastiktanks, die nur Tinte enthalten“, erklärt Florian Rigotti, Chefredakteur vom Test-Portal Druckerchannel.de, gegenüber TECHBOOK. In den meisten Fällen ist die Patrone tatsächlich nur ein mit Tinte gefüllter Plastiktank, der in der Herstellung sehr günstig ist. Die Hersteller schlagen hier also ordentlich drauf!

Drucker günstig, Tinte teuer

Die Druckertinte kostet manchmal sogar fast so viel wie ein nagelneuer Drucker. Es gilt das Prinzip verschenke die Lampe, verkaufe das Öl“, sagt Drucker-Experte Rigotti. Besser bekannt ist das Konzept auch als „Razor & Blades“-Modell. Es besagt, dass ein Produkt zum niedrigen, und das benötigte Zubehör dann zum hohen Preis verkauft wird. Ähnlich wie bei Rasierern: Das Gerät selbst ist günstig, die Klingen allerdings sehr teuer.

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Das Prinzip scheint für die Hersteller aufzugehen, andere Verkaufsstrategien scheiterten bisher am Kunden. Es gab bereits Versuche, den Drucker entsprechend teuer zu verkaufen und die Verbrauchsmaterialien entsprechend günstig anzubieten, etwa von Kodak. Das hat aber nicht funktioniert – die Drucker lagen in den Regalen wie sauer Bier“, sagt Florian Rigotti. 

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Was muss ich beim Drucker-Kauf beachten?

Menschen, die sich einen Drucker kaufen möchten, sollten daher unbedingt auch auf den Preis der entsprechenden Tinte achten. Wichtig ist, dass man nicht die Kosten für eine Patrone betrachtet, sondern die Kosten, die pro gedruckter Seite anfallen. Eine Tankfüllung beim Auto kann ja auch 120 Euro kosten. Wichtig ist hierbei aber die Reichweite, die man damit fahren kann – also der Verbrauch pro Kilometer“, sagt Rigotti.

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„Wer sich vor dem Kauf informiert, findet Drucker, die im Einkauf etwas teurer sind, dafür günstige Unterhaltungskosten haben“, sagt der Drucker-Experte. Über Druckerkosten können Sie sich zum Beispiel auf der Seite druckerkosten.de informieren.

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Drucker ohne Nachkauf-Druck

Inzwischen gibt es auch Drucker im Handel, die kaum noch Unterhaltungskosten verursachen, etwa Epsons Ecotank-Modelle oder die G-Modelle von Canon. „Die Tinte lässt sich mit Flaschen erneut befüllen. Dafür kosten die Drucker aber auch deutlich mehr“, sagt Rigotti. 

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Es gibt auch nachhaltige Lösungen

Der Druckerpatronen-Wahnsinn ist nur aus finanziellen Gründen nervig, sondern auch nicht gerade umweltschonend. Zum einen wird für die Produktion der Plastikkartuschen Erdöl benötigt und zum anderen gelten weggeworfene Patronen als Sondermüll. Falls Sie keine nachfüllbaren Druckerpatronen verwenden, können Sie zumindest recycelte Tintenbehälter kaufen.