Nach BGH-Urteil

Wie Sie aus Ihrem Smartphone eine Dashcam bauen

Smartphone als Dashcam nutzen
Mit der richtigen Halterung kann auch das Smartphone zur Dashcam werden. Nur die übliche Kamera-App sollte man zum Datenschutz nicht verwenden.
Foto: Getty Images

Dashcams – kleine Kameras an der Windschutzscheibe – sollen helfen, im Streitfall Unfälle im Straßenverkehr aufzuklären. Wer keine hat, kann mit Halterungen und Apps auch einfach sein Smartphone umfunktionieren. Wie das geht, erklärt TECHBOOK.

Lange gab es große Diskussionen um die Dashcam: Ist ihr Einsatz in Deutschland legal oder nicht? In einigen Unfall-Prozessen urteilten die Richter, das permanente Aufnehmen der anderen Verkehrsteilnehmer durch die Windschutzscheibe verstoße gegen den Datenschutz – die Aufnahmen durften nicht als Beweismittel herangezogen werden. Andere Prozesse berücksichtigten wiederum die Aufnahmen. Die Dashcam wurde so zur rechtlichen Grauzone. Nun entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe (VI ZR 233/17): Die Aufnahmen können bei Unfällen als Beweismittel eingesetzt werden.

Wer nun mit einer Dashcam liebäugelt, muss gar nicht viel Geld ausgeben: Man kann auch einfach ein Handy mit einer halbwegs brauchbaren Kamera umfunktionieren. TECHBOOK erklärt, wie es geht.

So wird Ihr Smartphone zur Dashcam

(siehe Absatz unten).

Zahlreiche Dashcam-Apps tummeln sich sowohl in Apples App Store als auch im Googles Play Store für Android. TECHBOOK empfiehlt für Android-Nutzer die kostenlose App „AutoGuard Dash Cam“. Sie ist besonders übersichtlich und nicht mit unnötigen Funktionen überladen. iPhone-Nutzer können die App „AI Dashcam“ verwenden, die es ebenfalls für lau gibt.

Die Oberfläche von „AutoGuard“. Links startet man die Aufnahme. Mit einem Tipp auf das Ausrufezeichen wird die Aufnahme gesichert. Foto: TECHBOOK

Beide Apps zeichnen auf, sobald Sie auf „Aufnahme“ tippen. Wichtige Ereignisse können Sie speichern, in dem Sie auf das Ausrufezeichen tippen. Dann werden die vergangenen fünf Minuten gesichert – andernfalls überschreibt sich der Speicher ständig von selbst und die Daten gehen verloren. Als praktische Ergänzung integriert AutoGuard einen Kompass und eine Geschwindigkeitsanzeige. Diese Daten werden jedoch nicht in der Aufnahme hinterlegt.

Die iOS-App AI Dashcam nutzt hingegen einen bestimmten Speicheranteil auf dem Smartphone und überschreibt diesen, sobald er voll ist. Je nach Aufnahmequalität unterscheidet sich dann die Länge der Aufnahme. Sollten Sie an einem Unfall beteiligt sein, tippen Sie in der App einfach auf den „Aufnahme stoppen“-Button und das Video wird automatisch in der Galerie abgelegt.

„AI Dashcam“ für iOS zeichnet mit mindestens 1 Gigabyte Cache auf, ehe die alte Aufzeichnung überschrieben wird. Foto: TECHBOOK

Wichtig: Danach müssen Sie das Video in der Galerie auf Ihren Handyspeicher exportieren. Sonst wird es bei der nächsten Aufnahme wieder überschrieben. Auf Wunsch können Sie ebenfalls Ton aufzeichnen. Die App misst zusätzlich die Geschwindigkeit des Fahrzeugs per GPS, gibt diese Daten aber nicht in die Aufnahme weiter.

Anzeige: Die besten Smartphones mit passendem Vertrag ab 1 Euro im Telekom Shop

Fazit: Beide Apps sind einfach bedienbar und beherrschen die grundlegenden Funktionen einer Dashcam. Bei der Android-App AutoGuard wünschen wir uns noch mehr Einstellungsmöglichkeiten, etwa was die Qualität der Aufnahmen angeht. Außerdem laufen beide Testkandidaten nicht im Hintergrund und beenden die Aufnahme automatisch, sobald man eine andere App öffnet. Schade!

Wichtig: Damit die Aufnahmen mit dem Smartphone gelingen, sollten Sie das Gerät stabil befestigen. Denn gerade im Auto kommt es oft zu Erschütterungen. Eine Saugnapf-Halterung in der Windschutzscheibe eignet sich am besten. Diese gibt es im Einzelhandel bereits ab 15 Euro. Achten Sie bei der Positionierung der Halterung darauf, dass die Sicht auf die Straße nicht eingeschränkt wird.

Das bedeutet HDR bei Smartphone-Fotos

Dauerhafte Speicherung und Aufnahme bleibt illegal

Auch wenn der BGH die Regelungen für Dashcams gelockert hat – Einschränkungen gibt es nach wie vor. Die Kameras dürfen nicht „anlasslos“ filmen, die durchgehende Aufzeichnung und Speicherung von Videos bleibt unzulässig. Warum? Das verstößt nach wie vor gegen den Datenschutz, da die Aufnahmen Personen oder Autokennzeichen enthalten. Daher ist es wichtig, eine echte Dashcam oder eine Dashcam-App zu benutzen: Diese filmen zwar dauerhaft, überschreiben das Material aber auch immer wieder. Am Ende bleibt ein Clip von wenigen Minuten übrig, der nur eine bestimmte Situation festhält. Nicht erlaubt wäre es, das Smartphone ohne App oder etwa eine Action-Cam den Straßenverkehr dauerhaft filmen zu lassen.

Aber auch bei den kurzen Clips wird weiterhin wohl im Einzelfall vor Gericht entschieden werden, ob eine Aufnahme gegen den Datenschutz verstößt und ob das Material als Beweismittel zulässig ist.

Wichtig: Wenn Dashcam-Aufnahmen ohne Genehmigung bei dritten Personen oder im Netz landen, droht ein Bußgeld, da die Persönlichkeitsrechte der Gefilmten verletzt wurden. Geschädigte können Schadensersatz verlangen, Gerichts- und Anwaltskosten kommen hinzu.

Gute Dashcams kosten unter 150 Euro

Wer nicht dauerhaft das Smartphone in eine Halterung spannen möchte, bekommt für relativ wenig Geld auch eine echte Dashcam. Das beliebteste Modell der Marke „Apeman“ beim Online-Händler Amazon kostet rund 60 Euro. Diese Kamera filmt in scharfer Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) und hat einen Erschütterungssensor integriert. Leider ist eine passende Speicherkarte nicht im Lieferumfang enthalten. COMPUTER BILD hat verschiedene Dashcams getestet und das Modell „TrueCam A7s“ (kostet etwa 150 Euro) zum Testsieger gekürt.