13. April 2026, 16:32 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Vielerorts schreitet der Ausbau von Glasfaser stetig voran. Mit der neuen Entwicklung soll besonders schnelles und stabiles Internet gewährleistet werden, um die ständig wachsenden Anforderungen zu erfüllen. Doch während sich dadurch für Verbraucher einiges verbessern soll, schlagen Sicherheitsexperten Alarm. Denn Glasfaserkabel könnten auch zur Spionage missbraucht werden.
Glasfaserkabel empfindlich für Schallwellen
Wie „Cyber Security News“ schreibt, haben Forscher beim diesjährigen „Network and Distributed System Security“-Symposium (NDSS) im US-kalifornischen San Diego den entsprechenden Fund vorgestellt. Im Fokus ihrer Arbeit steht die Tatsache, dass Glasfaser sehr empfindlich auf akustische Vibrationen reagiert. Eine Eigenschaft, die bislang bei der ansonsten als sicher geltenden Kommunikation mit Glasfaser unterschätzt wurde.
Aufgrund dessen könnten gewiefte Angreifer Glasfaserkabel zur Spionage verwenden, indem sie sie zu Mikrofonen umfunktionieren. Denn wenn Schallwellen auf die Faser treffen, verursachen sie mikroskopisch kleine strukturelle Verformungen im Kabel. Das führt wiederum zu nachweisbaren Veränderungen im Lichtsignal, das durch das Kabel wandert.
Indem ein Angreifer ein kommerziell erhältliches DAS (Distributed Acoustic Sensing) zur Lokalisierung und Analyse von Geräuschquellen verwendet und mit nur einem Ende des Kabels verbindet, kann er die ursprüngliche Schallwelle vom anderen Ende auf mehr als 50 Meter Entfernung rekonstruieren.
Glasfaser-„Mikrofone“ gut zu verstecken
Das bildet jedoch nur die Grundlage. Um wirklich via Glasfaserkabel spionieren zu können, haben die Sicherheitsforscher zusätzlich einen speziellen „sensorischen Rezeptor“ gebastelt. Hierbei handelt es sich um einen hohlen Plastikzylinder mit einem Durchmesser von 65 Millimetern, um den 15 Meter an Glasfaser eng gewickelt wurden.
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Der Zylinder fungiert hierbei als eine Art Verstärker für akustische Druckveränderungen. Das verstärkt die Möglichkeit zur Tonaufzeichnung erheblich. Zudem, so der Bericht, könne der Zylinder als Anschlussbox getarnt installiert werden. Das würde zwar Zugang zu Häusern und Wohnungen voraussetzen – aber den erhalten Techniker und Dienstleister oft ganz einfach.
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Nicht nur Theorie
Um reine Theorie handelt es sich bei den Ausführungen nicht. Tatsächlich haben die Experten ihre Methode bereits praktisch getestet – mit aufsehenerregenden Resultaten. Bei weniger als zwei Metern Entfernung konnten sie gesprochene Sprache mit 80-prozentiger Genauigkeit transkribieren. Dabei behilflich waren KI-Programme zur Spracherkennung wie OpenAI Whisper oder NVIDIA Parakeet.
Der Wert stieg in einem „echten Büroszenario“ mit zwei Räumen und 50 Metern Glasfaserkabel zwischen ihnen sogar auf 91 Prozent, wenn die Box direkt unter einem Tisch angebracht war. Zudem konnten die Experten sogar den Standort eines Sprechers im Raum im Durchschnitt auf 77 Zentimeter genau bestimmen. Auch andere Geräusche wie Tippen, Husten oder Alarmsignale wurden mit einer Genauigkeit von 83 Prozent erkannt.
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Das könnte man dagegen tun
Auch heikel: Glasfasersensoren arbeiten ohne Strom und geben auch keine Funkstrahlung ab. Damit sind sie für übliche Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen unsichtbar. Auch ein Ultraschallstörer, der sonst gegen Wanzen effektiv ist, zeigte keine wirksame Verschlechterung der Spracherkennung – auch dann nicht, wenn der Störer nur zehn Zentimeter entfernt war.
Noch ist kein Fall bekannt, bei dem jemand Glasfaserkabel zur Spionage zweckentfremdet hat. Trotzdem stellt dies jetzt eine reale Gefahr dar, besonders für Unternehmen oder Regierungsgebäude. Zum Schutz sollte man deshalb optische Isolatoren installieren sowie auf eine optimale Verlegung der Kabel innerhalb von Räumen achten. Diese sollten resonante Flächen wie Wände oder Tische möglichst nicht berühren. Dort, wo die Kabel verlaufen, sind schalldämmende Materialien zu empfehlen. Ferner sind polierte Fasersteckverbinder von Vorteil. Diese können sogenannte Fresnel-Reflexionen erzeugen, die wiederum für Ausfälle in der DAS-Nutzung sorgen.