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Online und Offline

Was genau sind eigentlich Algorithmen?

Algorithmen im Internet
Internet-Nutzer kommen ständig mit ihnen in Kontakt: Algorithmen.Foto: Getty Images

Algorithmen begegnen uns so gut wie überall im Internet, etwa beim Online-Shopping oder Nutzen von Suchmaschinen, selbst beim Posten in den sozialen Medien. Aber: auch offline. TECHBOOK erklärt, wo Algorithmen herkommen, welche Rolle sie für unser täglich Leben spielen – und warum das Ganze auch ein wenig unheimlich ist…

Sie haben im Netz nach einem E-Bike gesucht – und auf einmal wimmelt es auf zahlreichen Websites, die Sie besuchen, von entsprechender Werbung? Dann hat wohl ein Verkaufsalgorithmus zugeschlagen. Algorithmen können aber noch viel mehr, als unser Kaufverhalten zu ermitteln.

Was sind eigentlich Algorithmen?

Per Definition sind Algorithmen eine Reihe von Schritt für Schritt durchgefühten Vorgängen, die das Ziel haben, eine Aufgabe oder ein Problem zu lösen. In unserem Alltag begegnen sie uns überall – auch offline. So ist beispielsweise beim Backen der Algorithmus ein Backrezept. Wir wollen hier aber vor allem die technische Seite erklären.

In der Informatik stellen Algorithmen die Grundlage des Programmierens dar. Sie automatisieren Vorgänge. Vereinfacht gesagt wird, als Folge auf eine bestimmte Eingabe, eine konkrete Antwort ausgegeben.

Folgende Eigenschaften treffen auf Algorithmen zu:

  • Sie sind determiniert (= festgelegt). Das bedeutet, dass die immer gleiche Ausgabe auf eine Eingabe erfolgen muss.
  • Algorithmen sind deterministisch, unterliegen also Eingrenzungen. Heißt: Der konsequente Rechenschritt ist stets vorherbestimmt.
  • Weiterhin sind Algorithmen endlich. Diese „dynamische Finitheit“ verhindert, dass ihre Ausführung unbegrenzt viel Speicherplatz einnimmt.
  • Algorithmen sind terminiert. Das bedeutet, dass das erzielte Ergebnis nach einer vorbestimmten Anzahl an Eingaben/Schritten erreicht wird.
  • Zuletzt sind Algorithmen effektiv. Heißt: Die Wirkung ihrer Anweisung ist festgelegt.

Algorithmen beim Online-Shopping

Es ist mithilfe von Algorithmen unter anderem möglich, Werbung konkret auf Internet-Nutzer zuzuschneiden. Mithilfe von Cookies und auf Basis unseres Klickverhaltens sowie gesuchter Begriffe erstellen Algorithmen eine Art digitales Personenprofil. Basierend darauf können Inhalte und Kaufangebote zielgerichtet platziert werden.

Auch interessant: Das ändert sich beim Online-Shopping

Algorithmen treffen auch in zahlreichen weiteren Bereichen Entscheidungen, die uns konkret betreffen. Dieser Gedanke schmeckt vielleicht nicht jedem. Weitere Beispiele, bei denen technische Algorithmen zum Einsatz kommen, sind etwa die Filmvorschläge bei Netflix, Partnervorschläge beim Online-Dating oder auch Rechtschreibprogramme. Auch interessant: Wie in einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung herauskam, sehen Menschen mit höherem Bildungsabschluss tendenziell mehr Vorteile in einer automatisierten Entscheidungsfindung.

Personaler, Navis, Aufzüge …

Während die Beispiele eben vielen wahrscheinlich nicht neu sind, so dürften doch mancher Einsatz von Algorithmen doch noch überraschend sein. So nutzen immer mehr Unternehmen Algorithmen etwa auch im Bereich Personalmanagement. Hier scannen sie unter anderem Lebensläufe und Bewerbungsanschreiben nach bestimmten Kriterien.

Ebenso Navigationssysteme: Diese entscheiden quasi über unseren Kopf hinweg – mithilfe von Algorithmen, die blitzschnell die kürzeste Route errechnen.

Wichtig ist diese Art künstlicher Intelligenz (KI) auch beispielsweise für Aufzüge. Sie signalisieren ihm, nach welchem System die Aufzugrufe abgearbeitet werden sollen. Oder anders gesagt: Ohne Algorithmen „wüsste“ der Aufzug nicht, ob er zuerst einen Fahrgast aus dem Erdgeschoss ohne Zwischenstopps in die 12. Etage befördern oder zwischendurch andere Fahrgäste zu- beziehungsweise aussteigen lassen soll. Algorithmen können auch registrieren, welches Rufsignal schon am längsten zurückliegt, sprich welche Etage zuerst angesteuert werden muss.

Umstrittenes Thema: Predictive Policing

Auch die Polizei nutzt Algorithmen als Ergänzung ihrer Praxis. Das Ziel: Kriminellen „einen Schritt voraus“ sein. So sind Softwares wie z. B. Precobs dafür entwickelt, Orte zu erkennen, an denen sich bald eine Straftat ereignen könnte, bzw. um potenzielle Straftäter zu identifizieren. Durch diese Methode der Kriminalitätsprognose wollen die Beamten es schaffen, rechtswidrige Handlungen im Vorfeld zu vereiteln.

Diese Nutzung von KI ist allerdings umstritten. Unter anderem fürchten Kritiker, dass a) Personen zu unrecht ins Visier geraten, wenn sie aufgrund einer etwaigen kriminellen Vorgeschichte ins Verdachtsmuster passen. Und b) droht dies auch „normalen“, unschuldigen Bürgen, die im Zuge zufälliger Verhaltensweisen in das vorprogrammierte Schema gerutscht sind.

Quellen

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