Fragwürdige Tracker-Apps

WhatsApp-Skandal! So leicht können andere Sie ausspionieren

Mehr als 42 Milliarden Nachrichten pro Tag über Whatsapp verschickt.
Mehr als 70 Milliarden Nachrichten werden pro Tag über WhatsApp verschickt. Problem: Tracking-Apps können bestimmte Informationen abrufen – ohne Einwilligung des WhatsApp-Nutzers.
Foto: DPA/Picture Alliance

Es ist ein Datenschutz-Fiasko! Mit Apps wie „Dasta“, die es offiziell in den App Stores von iOS und Android gibt, lassen sich die WhatsApp-Aktivitäten von Kollegen, Freunden und sogar Fremden bis ins Detail ausspionieren und aufzeichnen. Die App ist mittlerweile überaus beliebt. TECHBOOK hat Experten gefragt, wie sich WhatsApp-Nutzer schützen können.

Tracking-Apps zeichnen „Online“-Status auf

In Tracking-Apps wie „Dasta“ können beliebige Handynummern eingegeben werden, die mit WhatsApp verbunden sind. Die Tracking-App zeichnet dann auf, wann der Besitzer der Nummer WhatsApp öffnet. Am Ende des Tages kann dann zum Beispiel ein Bericht erstellt werden, aus dem hervorgeht, zu welcher Zeit und wie lange die betreffende Nummer in WhatsApp online war – ein mehr als zweifelhaftes Tool, das für Stalking und andere Spitzeleien missbraucht werden kann. „Dasta“ treibt das ganze noch auf die Spitze und schickt auf Wunsch sogar Push-Nachrichten heraus, sobald die ausspionierte Person in WhatsApp online geht.

Offiziell soll man mit „Dasta“ übrigens seine eigene Online-Aktivität in Netzwerken wie WhatsApp und dem russischen sozialen Netzwerk VK-Kontakte überwachen können. Die Push-Nachrichten-Funktion würde beim Eigenmonitoring aber überhaupt keinen Sinn machen – klingt also nach einem Vorwand. Wer die App nach einer kurzen Testphase übrigens weiter nutzen möchte, muss ein Abo abschließen, das sich automatisch verlängert.

„Dasta“ & Co. nutzen Schwachstelle von WhatsApp aus

Doch wie greifen „Dasta“ und andere Tracking-Apps diese Daten eigentlich ab? Ganz einfach: WhatsApp stellt die Daten indirekt zur Verfügung, indem der Messenger es nicht möglich macht, den „Online“-Status zu deaktivieren. Die App macht also wahrscheinlich nichts anderes, als anzuspringen, sobald das Wort „Online“ bei dem betreffenden Kontakt aufploppt. Das machen die Tracker rund um die Uhr im Hintergrund. WhatsApp könnte den Apps höchstwahrscheinlich diese Information verwehren, indem es Nutzern erlauben würde, den eigenen Online-Status zu verbergen. Das funktioniert derzeit aber nur bei „zuletzt online“.

App könnte aus Russland stammen

Wo die App genau herstammt, kann nicht sicher gesagt werden. Einige Indizien führen aber nach Russland. Zunächst einmal der Verweis auf VK-Kontakte in der App-Beschreibung. Das soziale Netzwerk VK funktioniert ähnlich wie Facebook und ist vor allem im russischen Raum überaus beliebt. Da VK seine Nutzer bei rassistischen, beleidigenden oder ähnlichen Aussagen nicht sperrt, wurde es hierzulande zum Sammelbecken für extremistische Gruppen, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und mehr. Ein weiterer Hinweis, der auf Russland hindeutet, sind die angebotenen Sprachen (Englisch, Französisch und Russisch).

Hinter der App steckt ein Entwickler namens Andrei Frolov. Letzteren ausfindig zu machen, ist allerdings nicht ohne Weiteres möglich, da keine Kontaktdaten in den App Stores hinterlegt sind und sich im Internet viele Personen mit diesem Namen finden, vorwiegend aus Russland.

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Sind solche Tracking-Apps illegal?

TECHBOOK hat sowohl bei Philipp Stroh von den Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit, als auch beim renommierten Rechtsanwalt Christian Solmecke angefragt, ob Apps wie „Dasta“ überhaupt legal sind. Die beiden Fachleute für Rechtsfragen in der Medienwelt kommen nach jeweils kurzer Recherche zu ähnlichen Einschätzungen. So sieht Datenschützer Stroh „eine Verantwortlichkeit des Anbieters für diese unzulässige Verarbeitung personenbezogener Daten“. Die Aussage beruht auf der Annahme, dass nicht die App, sondern der Anbieter im Hintergrund die Datenabfragen macht und den Usern präsentiert.

Rechtsanwalt Solmecke sieht unabhängig von Stroh ebenfalls eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Laut dem Fachmann für Fragen rund um das Internet und die IT-Branche ist das Tracking „nur mit Einwilligung des jeweiligen Nutzers zulässig“. Da die App bei den ausspionierten Personen aber natürlich nicht nachfragt, liegt laut Solmeckes Auffassung „ein rechtswidriger Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung vor, weshalb die App nicht DSGVO-Konform einsetzbar und damit in ihrer jetzigen Form rechtswidrig ist“.

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Wie können sich WhatsApp-Nutzer gegen „Dasta“ schützen?

Technisch gibt es aktuell leider keine Möglichkeit, sich vor Apps wie Dasta zu schützen. Wie erwähnt, müsste WhatsApp hier tätig werden und die Möglichkeit einräumen, die Online-Aktivität zu verbergen. Auch die App Stores von Google und Apple wären eigentlicher in der Pflicht, die womöglich rechtswidrigen Apps einfach zu löschen. Weder WhatsApp noch die App Stores reagierten bisher auf Anfragen von TECHBOOK.

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Rechtlich gesehen haben Opfer das Recht auf Herausgabe der eigenen Daten und, falls die App rechtswidrig ist, auf vollständige Löschung aller Daten, klärt Rechtsanwalt Solmecke auf. An den oder die Betreiber ist aber wohl schwer heranzukommen ist, da diese höchstwahrscheinlich im Ausland sitzen.

Denn diese Nutzer verwenden ihre Daten dann ohne Einwilligung und verletzen somit ihr Persönlichkeitsrecht. Neben einer Aufforderung zur Unterlassung sollten Betroffene dann auch versuchen, Schadensersatz zu fordern.

TECHBOOK meint

„Die Existenz solcher Tracking-Apps zeigt sehr gut, wie wenig Rücksicht die großen Tech-Unternehmen aus den USA auf den Datenschutz der Nutzer in Europa nehmen. Es ist eine Sache, wenn ein Entwickler so eine App zur Verfügung stellt, um mit der Neugier von Menschen verbotenerweise Geld zu machen. Eine andere Sache ist es, wenn weder WhatsApp selbst noch Apple und Google gegen solche Apps vorgehen. “ – Andreas Filbig, Redaktionsleiter

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