20. Mai 2026, 19:29 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Es dürfte nicht viele Serien geben, die über Jahrzehnte hinweg nicht nur mit ihren neuen Folgen per se begeistert, sondern auch mit ihrem Vorspann. Doch schon früh haben die Macher von „Die Simpsons“ den sogenannten Couch-Gag etabliert. Doch nun ist endgültig Schluss mit der witzigen Tradition.
„Die Simpsons“-Couch-Gag auch wegen Geld eingestampft
Es ging nicht nur um die Geschichten, wenn eine neue Episode erschien. Seit jeher fieberten Fans von „Die Simpsons“ auch immer dem neuen Couch-Gag entgegen. In den kurzen Einspielern, wenn die titelgebende gelbe Familie auf dem Möbelstück Platz nimmt (oder es zumindest versucht), durften sich die eigenen Macher als auch Gastkünstler mit immer neuen Ideen kreativ austoben. Im Laufe der Zeit avancierte der Moment quasi zum Kult im Kult.
Doch mit Beginn der 37. Staffel Ende 2025 fiel Anhängern auf, dass „Die Simpsons“ plötzlich ohne Couch-Gag daherkommen. Dafür gibt es jetzt auch eine offizielle Erklärung. Im Interview mit Four Finger Discount verriet Showrunner Matt Selman, dass unter anderem ökonomische Zwänge zu dieser Entscheidung führten. Das vorhandene Budget soll in erster Linie in die bestmögliche Geschichte fließen, für die man genau 20 Minuten und 40 Sekunden Zeit habe. Der Couch-Gag würde aber zeitliche und finanzielle Ressourcen fressen.
Wenn „unendlich viel Geld“ zur Verfügung stünde, wäre selbstverständlich in jeder Episode von „Die Simpsons“ auch weiterhin ein Couch-Gag zu sehen. Dem ist aber nicht so und Priorität hat weiterhin die Folge an sich.
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Streaming macht Couch-Gag obsolet
Ein weiterer Faktor ergibt sich durch die veränderten Sehgewohnheiten beim Streaming. Denn heutzutage ist es üblich, dass Dienste die Möglichkeit anbieten, den Vorspann einfach zu überspringen – und davon machen viele auch Gebrauch, um Zeit zu sparen. Das heißt, seit einiger Zeit werden die traditionellen Couch-Gags ohnehin nicht mehr so häufig angeschaut. Diese Veränderung betrifft aber nicht nur diesen, sondern auch die immer anderen Sprüche, die Bart am Anfang an die Schultafel kritzelt.
Immerhin nehmen es die „Simpsons“-Macher mit einem Augenzwinkern. In der kommenden Doppelfolge „Extreme Makeover: Homer Edition“ greift man das Phänomen der übersprungenen Serien-Intros für einen Witz auf.
RIP Couch-Gag
„Wie viele andere bin auch ich mit den ‚Simpsons‘ aufgewachsen. Kaum eine TV-Serie hat mich länger und stärker geprägt als die teils emotionalen, aber immer auch irrwitzigen Geschichten um Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie. Noch heute zitieren mein bester Freund Nick und ich regelmäßig Sprüche aus der Serie oder erinnern uns an besondere Momente.
Dazu gehören auch die Couch-Gags. Wann immer eine neue Folge erschien, war es gleich das erste Highlight. Der Einfallsreichtum kannte scheinbar keine Grenzen, inhaltlich ging der Moment innerhalb des Intros auch bald über einen reinen Witz hinaus. Wiederholt griffen die Macher für den Couch-Gag aktuelle gesellschaftliche, (pop-)kulturelle oder politische Themen humoristisch auf. Beizeiten schauten auch Gastkünstler vorbei: Der berühmte Filmemacher und Animationsspezialist Bill Plympton designte etwa einige abstrakte Couch-Gags.
Unvergessen bleibt auch der Beitrag vom gefeierten Regisseur und späteren Oscargewinner Guillermo del Toro zu einem Horrorspezial. In seinen besten Momenten konnte der Couch-Gag zum popkulturellen Ereignis werden, über das gesprochen und sogar geschrieben wurde, und der die anhaltende Relevanz der ‚Simpsons‘ weiter zementierte.
Mit dem Wegfall des Couch-Gags verliert die Serie deshalb einen nicht unerheblichen Teil seiner Identität. Die Gründe dafür sind natürlich nicht wegzudiskutieren und legitim. Schade ist es trotzdem. Nicht nur geht damit ein Stück „Simpsons“, sondern auch ein kleiner Teil US-amerikanischer TV-Geschichte.“