23. Februar 2026, 17:31 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Bei der diesjährigen Berlinale 2026 haben es wie in den vergangenen Jahren nicht nur Filme ins Programm geschafft. Auch in einige ausgewählte neue Serien können Interessierte hineinschnuppern und sich so einen ersten – hoffentlich bleibenden – Eindruck sogar auf der Kinoleinwand verschaffen. TECHBOOK ist dabei und hat sich vorab die erste Hälfte der Sky-Serie „Lord of the Flies“ angeschaut.
Darum geht es in „Lord of the Flies“
Bei „Lord of the Flies“ handelt es sich um eine neue Adaption des berühmten Romanklassikers „Herr der Fliegen“ von William Golding. Der Stoff ist allseits bekannt: Ein Flugzeug mit einer Gruppe Jungen, allesamt zwischen fünf und zwölf Jahre alt, stürzt 1954 auf einer einsamen Insel ab. Während die wenigen Erwachsenen das Unglück nicht überleben, schaffen es zumindest alle Kinder. Doch wie sollen sie überleben?
Schnell bilden sich zwei Lager: Ralph (Winston Sawyers) und Piggy (David McKenna) versuchen, Ordnung und ein Gefühl der Zivilisiertheit aufrechtzuerhalten. Der impulsive Jack (Lox Pratt) hingegen möchte lieber jagen oder ist nur auf Spiel und Spaß aus. Während sie ums Überleben kämpfen, kommt es unweigerlich zum Streit. Jack möchte sein eigenes Camp gründen und spaltet sich mit anderen ab. Immer mehr folgen ihm und zusammen geben sie sich immer stärker einem primitiven und gewaltbereiten Verhalten hin …
„Adolescence“-Macher steckt hinter „Lord of the Flies“
Jungen am Limit, damit kennt sich Serienschöpfer Jack Thorne offenbar gut aus. Schließlich hatte er mit dem preisgekrönten „Adolescence“ zusammen mit Stephen Graham die vielleicht größte Serien-Sensation 2025 herausgebracht. Darin geht es um einen 13-Jährigen unter Mordverdacht. Für „Lord of the Flies“ war er wieder als Schöpfer und Drehbuchautor tätig.
Auch in der neuen Literaturverfilmung stehen Jungen und ihre Gewaltbereitschaft im Mittelpunkt. Die Regie aller vier Episoden übernahm der Veteran Marc Munden („Electric Dreams“, „The Sympathizer“), der auch bei der Vorführung bei der Berlinale 2026 zugegen war. Darin erklärte er, dass in jeder Folge ein anderer Junge im Fokus steht. Daraus ergibt sich folgende Episodenliste:
- Folge 1 – Piggy
- Folge 2 – Jack
- Folge 3 – Simon
- Folge 4 – Ralph
Bemerkenswert: Mundens Aussagen nach hatte keiner der Kinderdarsteller vorherige Erfahrung als Schauspieler gehabt. Die einzigen wenigen Ausnahmen haben in „Lord of the Flies“ noch nicht einmal Sprechrollen. Das Team habe zwischen sechs und neun Monate lang in ganz Großbritannien nach der passenden Besetzung gesucht.
Natürliches Chaos vor der Kamera
Weil es sich um Kinder handelt, die allesamt bislang keine Profis waren, soll man in der Serie auch das „natürliche Chaos“ zu sehen bekommen, das typisch für kleine Rabauken ist. In der Tat, wann immer in den ersten zwei Folgen mehrere Kinder in einer Szene zusammenkommen, wirkt das bunte Treiben sehr authentisch – vermutlich, weil es das auch tatsächlich war.
Die Dreharbeiten fanden auf einer Insel statt, und damit habe man es sich selbst „so schwer gemacht, wie es nur ging“, denn es gab noch nicht mal normale Toiletten. Und die lokale Flora und Fauna haben es dem Team zusätzlich schwer gemacht.
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„Lord of the Flies“ ist wirklich sehenswert
Ob sich die Strapazen gelohnt haben? Nach der Sichtung der ersten Hälfte kann man diese Frage ohne Weiteres mit „Ja“ beantworten. Die zeitlose Geschichte ist in polarisierten Zeiten so aktuell und brisant wie noch nie und wird getragen von Jungdarstellern, die nicht weniger als Naturtalente sind.
Die Inszenierung trägt dazu bei, die Geschichte und Themen nicht einfach nur darzustellen, sondern zusätzlich zu akzentuieren. Mehrmals verweilt die Kamera etwa in einer Großaufnahme des Gesichtes, als ob sie tief in die Seele des jeweiligen Jungen schauen möchte, um zu fragen: Was geht in dir nur vor? Warum machst du das? Begleitet werden solche Momente von einem düster-atmosphärischen Klang- und Musikteppich, der nicht einfach das Geschehen untermalt, sondern die psychologische Ebene betont.
Kritiker sind überzeugt
Erste internationale Kritiken zeigen sich ebenfalls wohlwollend. Beim britischen „Guardian“ spricht man von „surrealem Horror“, bei dem man sich permanent nur „übel“ fühlen wird, so sehr soll das Gezeigte an die Nieren gehen. Auch bei „Rotten Tomatoes“ zeichnet sich ein sehr positives Bild ab: So sind von allen bislang eingegangenen Rezensionen 83 Prozent positiv – ein sehr gutes Resultat (Stand: 16. Februar 2026).
„Lord of the Flies“ erscheint in Deutschland am 24. Februar exklusiv bei Sky.