4. September 2025, 18:02 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Die Berlusconi-Familie kauft mehrheitlich ProSiebenSat.1. Die italienische Mediengruppe Media for Europe (MFE) hat die Kontrolle über den deutschen TV-Konzern übernommen. Der Schritt markiert das Ende eines langen Übernahmeprozesses, der in Deutschland mit Skepsis verfolgt wurde.
MFE gab bekannt, die 75-Prozent-Schwelle an der ProSiebenSat.1 Media SE überschritten zu haben. Damit ist die Übernahme offiziell abgeschlossen – die Berlusconi-Familie kauft damit ProSieben. Der Konzern mit rund 7000 Mitarbeitern zählt zu den größten TV-Gruppen Deutschlands. Der Einstieg der Italiener war mit monatelangen Verhandlungen verbunden, bei denen auch die Politik eine wichtige Rolle spielte. Medienstaatsminister Wolfram Weimer pochte vor allem auf die Sicherung des Standorts München und auf journalistische Unabhängigkeit.
Berlusconi-Familie kauft ProSieben – die Details der Übernahme
Der Einstieg von MFE begann mit einem groß angelegten Aktienankauf. Nun hält der italienische Medienriese die Mehrheit an ProSiebenSat.1. Die Übernahme war in Deutschland mit Argwohn begleitet, da der Senderverbund eine zentrale Stellung in der Fernsehlandschaft hat. Um Bedenken auszuräumen, wurde Pier Silvio Berlusconi ins Kanzleramt eingeladen. Dort sprach er mit Medienstaatsminister Weimer über die künftige Ausrichtung des Konzerns, wie etwa „Bild.de“ berichtet (gehört wie TECHBOOK zu Axel Springer).
Ein zentraler Punkt der Gespräche: Die Berlusconi-Familie kauft zwar ProSiebenSat.1, doch der Stammsitz der Mediengruppe soll in München bleiben. Weimer erklärte nach dem Treffen, es sei entscheidend, dass die Übernahme positive Effekte für Deutschland habe. Berlusconi habe zugesagt, kräftig in München zu investieren und den Standort zu stärken. Damit will man Arbeitsplätze und Strukturen langfristig sichern.
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Lokale Inhalte als Erfolgsrezept
Im Gespräch zog Berlusconi einen bildhaften Vergleich. Fernsehsendungen seien wie gutes Essen – am besten schmecke es, wenn man es lokal „koche“. Damit verdeutlichte er, dass deutsche Inhalte auch künftig in Deutschland produziert werden sollen. Für den hiesigen Markt bedeute das: Berlusconi kauft ProSieben, doch die inhaltliche Nähe zum Publikum soll gewahrt bleiben.
Klare Distanz zu Putin
Auf die Frage nach möglichen Verbindungen zu Russland reagierte Berlusconi entschieden. „Wir haben keine, gar keine Beziehungen zu Putin“, betonte er. Die politischen und geschäftlichen Aktivitäten seines Vaters beträfen ihn nicht. Damit unterstrich er die Unabhängigkeit der neuen Führung – ein wichtiges Signal im Zusammenhang mit der Übernahme.
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Nach intensiven Verhandlungen äußerte sich Weimer zufrieden, wie er der „Bild“ mitteilte. Berlusconi kauft ProSieben, doch Deutschland konnte seine Interessen wahren. Die zugesicherten Investitionen und der gesicherte Standort München seien ein gutes Zeichen für die Medienbranche.