24. April 2026, 18:17 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Amazon baut sein Gesundheitsgeschäft in den USA weiter aus und bietet nun ein Programm für Abnehmmedikamente an. Damit können sogenannte Schlank-Medikamente direkt über den Online-Händler bestellt werden. Der Fokus liegt auf GLP-1-Medikamenten, die aktuell stark nachgefragt sind und den Zugang vereinfachen sollen.
Der gesamte Ablauf wird über eine zentrale Plattform organisiert. Dazu gehören Arztbesuch, Rezeptausstellung und die anschließende Lieferung. Ziel des Programms ist es, den Zugang zu den Medikamenten möglichst einfach zu gestalten und mehrere Schritte in einem digitalen Prozess zu bündeln. Die Abwicklung erfolgt dabei vollständig über das System von Amazon.
Preise und verfügbare Medikamente
Im Angebot stehen Präparate der Hersteller Novo Nordisk und Eli Lilly. Diese sind sowohl als Injektion als auch in Tablettenform erhältlich. Die Kosten unterscheiden sich je nach Versicherungsschutz. Mit Krankenversicherung beginnen die Preise bei rund 25 US-Dollar (circa 21 Euro) pro Monat. Ohne Versicherung fallen deutlich höhere Beträge an. Für Tabletten werden mindestens 149 US-Dollar (circa 126 Euro) fällig, während Spritzen ab 299 US-Dollar (circa 254 Euro) kosten. Der Service ist derzeit ausschließlich in den USA verfügbar.
Für die Auslieferung nutzt Amazon sein bestehendes Logistiknetzwerk. Dadurch sollen auch kühlpflichtige Medikamente schnell beim Kunden ankommen. In vielen Fällen erfolgt die Zustellung noch am selben Tag. Bestellung und Sendungsverfolgung lassen sich über die App steuern. Auch neue Nutzer können den Service verwenden und sich die Medikamente direkt nach Hause liefern lassen.
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Kein Angebot für Deutschland
Der Service ist derzeit ausschließlich in den USA verfügbar. Ein vergleichbares Konzept dürfte in Deutschland auf absehbare Zeit kaum umsetzbar sein. Das liegt vor allem an den deutlich strengeren regulatorischen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen: Die Verschreibung von Medikamenten, insbesondere von stark nachgefragten GLP-1-Präparaten, ist hierzulande eng an persönliche ärztliche Untersuchungen und klare Indikationsstellungen gebunden.
Zudem stoßen rein digitale „One-Stop“-Plattformen, die Arztkontakt, Rezept und Vertrieb in einem kommerziellen System bündeln, hierzulande auf rechtliche Hürden, etwa beim Fernbehandlungsverbot, beim Datenschutz sowie bei der strikten Trennung von Verschreibung und Vertrieb. Hinzu kommt das solidarisch organisierte Krankenversicherungssystem mit festgelegten Erstattungsregeln, das Preismodelle wie in den USA kaum zulässt. Auch Apothekenrecht und Wettbewerbsregeln begrenzen die direkte Integration von Logistikriesen wie Amazon in die Arzneimittelversorgung – insbesondere bei verschreibungspflichtigen und kühlpflichtigen Medikamenten.
Insgesamt würde ein solches Modell daher mit mehreren zentralen Prinzipien des deutschen Gesundheitssystems kollidieren.