29. September 2026, 8:05 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Karte, Smartphone oder Smartwatch könnten künftig überflüssig werden. Die Digitalbank Revolut testet in London derzeit eine Bezahlmethode, bei der allein das Gesicht für die Freigabe einer Zahlung ausreicht.
Die Digitalbank Revolut hat mit „Pay with Smile“ einen Pilotversuch für biometrisches Bezahlen durchgeführt. Bis zum 26. September 2026 konnten Kunden die Funktion in ausgewählten Cafés der Kette Kiss the Hippo in London nutzen. Wer teilnehmen wollte, musste die Gesichtszahlung vorher in der Revolut-App freischalten.
Die neue Bezahlfreigabe funktioniert wie folgt: An der Kasse wählen Kunden die neue Bezahlmethode auf dem Display aus. Die Kamera erfasst dann das Gesicht und gleicht es mit den Daten ab, die Revolut bereits während der Identitätsprüfung bei der Kontoeröffnung erhoben hat. Stimmt die Zuordnung, gibt das System die Zahlung frei. Klappt die Erkennung nicht, bleibt die Zahlung per Karte oder Bargeld möglich.
Das passiert mit den Gesichtsdaten
Vor jeder Zahlung prüft die Technik zunächst, ob tatsächlich ein Mensch vor der Kamera steht. Damit will Revolut verhindern, dass Betrüger Fotos oder Masken einsetzen. Anschließend wandelt das System das aufgenommene Bild nach Angaben des Unternehmens in einen verschlüsselten Code um.
Diesen Code nutzt Revolut nur für die Überprüfung und löscht ihn danach wieder. Das eigentliche Foto behält das Unternehmen jedoch auf seinen Servern. Damit will die Bank mögliche Betrugsfälle oder Streitigkeiten rund um eine Zahlung nachvollziehen können. Wie lange die Bilder gespeichert bleiben, geht aus den Datenschutzhinweisen nicht hervor. Die teilnehmenden Cafés erhalten laut Revolut keinen Zugriff auf die Gesichtsdaten ihrer Kunden.
QR-Codes bleiben die Nummer eins
Die im Pilotprojekt gesammelten Informationen werden derzeit ausgewertet. Ganz neu ist die Technik prinzipiell aber nicht. Bereits 2017 brachte Alipay Gesichtszahlungen in China in ein Restaurant. Seitdem führten weitere Geschäfte das Verfahren ein. Trotzdem spielen Gesichtsscans dort bislang nur eine Nebenrolle im Alltag.
Laut einer 2026 veröffentlichten Erhebung setzen 93,1 Prozent der befragten Nutzer mobiler Bezahldienste regelmäßig auf QR-Codes. Biometrische Verfahren wie Gesichts- oder Fingerabdruckscans verwenden hingegen nur 22,9 Prozent regelmäßig. Auch Revolut tastet sich zunächst vorsichtig an das Thema heran. Der Test läuft aktuell nur in ausgewählten Filialen in Bloomsbury, Soho und Chelsea. Noch 2026 soll die Funktion in allen zwölf Kiss-the-Hippo-Cafés verfügbar sein. Ob Revolut das Bezahlen per Gesicht später auch nach Deutschland bringt, lässt das Unternehmen bislang offen.
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