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Gegründet 1909

Postbank – die Geschichte der ersten Direktbank Deutschlands

TECHBOOK erzählt die Geschichte der Postbank
Heute ist die Postbank eine digitale Marke der Deutschen Bank. TECHBOOK erzählt ihre ganze Geschichte. Foto: picture alliance / imageBROKER | Torsten Krüger
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Laura Pomer
Freie Redakteurin

31. August 2025, 9:27 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Geschichte der Postbank reicht bis ins Kaiserreich zurück. Seit mehr als 100 Jahren prägt sie den bargeldlosen Zahlungsverkehr und gilt heute als Deutschlands älteste Direktbank. TECHBOOK geht näher auf die verschiedenen Meilensteine und die Bedeutung der Postbank im Laufe der Zeit ein.

Bestimmt haben Sie schon vom Postscheckdienst gehört. Der Dienst der Deutschen Reichspost wurde 1909 eingeführt und ermöglichte es Bürgern erstmals, Zahlungen ohne Bargeld abzuwickeln. Es war sozusagen ein Vorläufer des modernen Bankkontos. 1939 folgte das Postsparbuch, ebenfalls ein Produkt der Reichspost, das Menschen half, Geld sicher anzulegen. Für viele war es der erste richtige Kontakt mit Bankdienstleistungen. Beide Entwicklungen gelten als wichtige Meilensteine im Zahlungsverkehr und bilden die Grundlage für die spätere Postbank.

Von der staatlichen Einrichtung zur eigenständigen Bank

Einen entscheidenden Wendepunkt stellte die Postreform 1989 dar. Näheres dazu findet sich auf der Website der Bundesanstalt für Post und Telekommunikationa (BAnst). Die Reform schuf die organisatorische und rechtliche Grundlage, damit die Postbank aus dem staatlichen Postscheckdienst hervorgehen konnte. Aus einer Abteilung der Deutschen Bundespost wurde ein eigenständiges Kreditinstitut, das erstmals auch klassische Bankprodukte wie Girokonten, Kredite und Sparanlagen anbieten durfte.

Der nächste wichtige Schritt war 1995 die Vollbanklizenz, erteilt durch das damals zuständige Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred; heute in der BaFin aufgegangen). Damit durfte die Postbank sämtliche Bankgeschäfte anbieten – von der Wertpapierverwaltung bis zum Kreditgeschäft – und zog rechtlich mit anderen Banken gleich.

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Die Geschichte der Postbank prägten digitale Innovationen

Noch lange vor Erhalt der Vollbanklizenz war die Postbank im Rahmen ihrer Möglichkeiten digital innovativ. Seit 1983 experimentierte sie mit dem damals hochmodernen Bildschirmtext-System (BTX). Damit konnten Kunden erstmals Bankgeschäfte elektronisch von zu Hause aus erledigen – eine frühe Variante dessen, was wir heute als Online-Banking kennen.

Im Jahr 2000 startete die Postbank mit einem eigenen Online Brokerage und ermöglichte es Anlegern damit vergleichsweise früh, Wertpapiere direkt im Internet zu handeln. 2003 folgte ein technologischer Meilenstein, der im Geschäftsbericht des betreffenden Jahres als „Quantensprung für die Zukunftsfähigkeit“ bezeichnet wird: Gemeinsam mit SAP entwickelte die Bank eine IT‑Plattform für das Transaction Banking. Damit konnte sie nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Zahlungsabwicklungen anderer Banken – etwa der Deutschen Bank und Dresdner Bank – effizient steuern. Es handelte sich um ein Beispiel für moderne Payment‑Lösungen, das Prozesse standardisierte und automatisierte.

Als erste große deutsche Bank führte die Postbank 2004 Mobile Banking ein. Was wir heute mit Selbstverständlichkeit tun – Überweisungen per Handy tätigen, den Kontostand unterwegs abrufen etc. –, war damals eine echte Revolution, zumal das Smartphone noch nicht jedermanns ständiger Begleiter war. Nur ein Jahr später war die Postbank an der Gründung von Giropay beteiligt, einem der ersten speziell für den Online‑Handel entwickelten Bezahlverfahren in Deutschland.

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Übernahme durch die Deutsche Bank

2008 stieg die Deutsche Bank mit einer Minderheitsbeteiligung bei der Postbank ein, bevor sie zwei Jahre später die Mehrheit übernahm. 2018 vollzog sie die vollständige Integration. Seither ist die Postbank „eine Niederlassung der Deutschen Bank AG“, wie es in ihrem Firmenprofil heißt, und fungiert dort als digitale Marke im Privatkundengeschäft.

Dabei verlief das Transformationsprojekt „Unity“, das die IT‑Plattformen der beiden nun zusammengehörenden Banken zusammenführen sollte, nicht reibungslos. Es kam wiederholt zu Störungen und entsprechenden Kundenbeschwerden, über die u. a. die „FAZ“ berichtete. Rund 13 Jahre lang musste die Deutsche Bank daher zwei IT‑Plattformen für Privatkunden parallel betreiben. Erst 2023 war die Vereinigung endgültig abgeschlossen. Ab 2026 rechnet die Deutsche Bank mit weiteren Einsparungen durch einheitliche Systeme.

Im Februar 2025 startete die Postbank ihr neues Girokonto „Giro pur“. Es ist ab einem Geldeingang von 900 Euro kostenlos und vereint traditionelle mit digitalen Bank‑Services. Dazu zählen Features wie die „Pockets“: digitale Unterkonten mit eigener IBAN.

Postbank setzt zunehmend auf Digitalisierung

Ein übergreifender Trend im Bankwesen ist die massenhafte Schließung von Filialen. Die Anzahl der Bankfilialen und Geldautomaten in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren drastisch reduziert. Auch die Postbank verabschiedet sich zunehmend vom klassischen Filialmodell: Bis Mitte 2026 sollen zahlreiche weitere Filialen geschlossen und durch moderne Beratungszentren mit Video‑ und Telefonservice ersetzt werden. Um ihren Kunden den Zugang zu Bargeld zu erleichtern, hat die Postbank mit dem „Bargeld Code“ eine digitale Alternative zum Geldautomaten eingeführt. Per App lässt sich in Supermärkten Geld abheben oder einzahlen.

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Die Geschichte der Postbank veranschaulicht, wie sich der Zahlungsverkehr in Deutschland im Laufe eines Jahrhunderts verändert hat. Dieser rückt immer näher an den Alltag und immer stärker in die digitale Welt. Ob der radikale Fokus auf Beratung und App den Filialabbau für Kunden aufwiegt, wird sich noch zeigen.

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