10. April 2026, 8:49 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Berlin plant, dass Kunden künftig in allen Geschäften mindestens ein digitales Zahlungsmittel nutzen können – vom Döner-Imbiss über den Barber-Shop bis zum Späti. Barzahlung allein soll nicht mehr genügen. Ziel der Initiative ist nicht nur ein verbesserter Service für Verbraucher und fairerer Wettbewerb, sondern vor allem die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit.
Berlins CDU-Fraktionschef Dirk Stettner (56) begründet den Vorstoß: „Mir fällt kein sonstiger Grund ein, warum jemand auf Cash-Zahlung besteht, als an der Steuer vorbei arbeiten zu wollen.“ Berlin bereitet dafür eine Bundesratsinitiative vor. Mit einer Mehrheit der Länder soll die Bundesregierung das Bürgerliche Gesetzbuch oder die Gewerbeordnung ergänzen.
Keine Zusatzkosten für Kunden
Schon heute ist gesetzlich geregelt, dass Händler bei Kartenzahlung oder Zahlung per Smartphone keine Extra-Gebühren verlangen dürfen. Eine Pflicht zur Annahme digitaler Zahlungsmittel gibt es jedoch noch nicht. Berlin schlägt vor, dass Ausnahmen nur in wenigen Fällen erlaubt sein sollen: wenn die Technik dauerhaft fehlt, Verkaufsstellen unbemannt sind oder Kleinstunternehmen Härtefälle anmelden. Digitale Zahlungen sollen kein Vorwand sein, Bargeld abzuschaffen oder einzuschränken, betont Stettner.
Große Neuerung bei Lidl an der Kasse
Wie viel kostet Bargeld?
Hoher Steuerschaden durch Bargeld
In Branchen mit viel Bargeld, etwa Gastronomie, Spätis oder Bäckereien, entgehen dem Staat durch Steuertricks jährlich zehn bis 15 Milliarden Euro an Umsatz- und Gewinnsteuern. Hinzu kommen Lohnsteuern und Sozialabgaben, wenn Mitarbeiter schwarz bezahlt werden. Laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ liegt der Gesamtschaden bei rund 70 Milliarden Euro pro Jahr.
Trotzdem akzeptieren laut einer Mastercard-Studie schon vor fünf Jahren 90 Prozent der Gastronomiebetriebe Kartenzahlung. Der Gastroverband Dehoga warnt in einem Statement bei der „BILD“ (gehört wie TECHBOOK zu Axel Springer) jedoch vor laufenden Kosten für digitale Systeme und Problemen in ländlichen Regionen mit schlechter digitaler Infrastruktur. Für kleinere und mittlere Betriebe soll daher eine schrittweise Übergangsregelung gelten.
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Digitaler Euro als Zukunft
Das Bundesfinanzministerium arbeitet ebenfalls an einer Umsetzung der digitalen Zahlpflicht, wie sie im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD vorgesehen ist. Ziel ist eine bürokratiearme Umsetzung, die gleichzeitig den Schutz des Bargeldes und die Einführung des digitalen Euros berücksichtigt.
Der digitale Euro soll 2029 eingeführt werden. Nutzer tauschen Geld von ihrem Konto in digitale Euro und speichern es in einer digitalen Wallet. Bezahlen wird dann ähnlich anonym wie mit Bargeld, gleichzeitig unabhängig von US-Zahlungsanbietern wie Paypal, Mastercard oder Visa.