15. März 2026, 8:44 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten
Nutzer sollen illegale Inhalte im Netz laut EU-Regeln einfach melden können. Eine neue Untersuchung zeigt jedoch: Viele Plattformen machen dies unnötig schwer. Nutzer müssen sich oft durch umständliche Menüs und lange Klickpfade arbeiten, was den Prozess komplizierter macht, als es sein sollte.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat zehn große Plattformen unter die Lupe genommen. Dazu zählen die Online-Marktplätze AliExpress, Amazon, Shein, Temu und Zalando sowie Social-Media-Dienste wie Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube. Die Prüfung fand zwischen dem 9. Oktober 2025 und dem 26. Januar 2026 statt. Ziel war es, die Nutzerfreundlichkeit der Melde- und Beschwerdeverfahren zu bewerten.
Hürden im Meldeprozess
Die Untersuchung deckte mehrere Probleme auf. Häufig müssen Nutzer mehrfach dieselben Angaben machen oder lange Formulare ausfüllen. Eingangsbestätigungen für Meldungen fehlen teilweise ganz, sodass unklar bleibt, ob die Beschwerde überhaupt registriert wurde. In manchen Fällen dauern Entscheidungen über gemeldete Inhalte zudem sehr lange oder bleiben ganz aus.
Besonders kritisch sehen die Prüfer technische Hürden. Auch die verpflichtende Angabe persönlicher Daten kann abschreckend wirken. Laut den Regeln des Digital Services Acts (DSA) sollen Meldungen grundsätzlich auch ohne Benutzerkonto möglich sein. In der Praxis ist das jedoch nicht überall der Fall. Amazon lässt Meldungen ohne Konto gar nicht zu, andere Plattformen nur eingeschränkt.
Zudem müssen Social-Media-Dienste laut DSA spezielle Meldewege für Kinder und Jugendliche anbieten. Diese sollen besonders leicht zu bedienen sein, damit junge Nutzer schnell Hilfe finden. Die Untersuchung des vzbv zeigt jedoch, dass es in der Praxis keine Unterschiede zwischen den Verfahren für Erwachsene und Minderjährige gibt.
Auch interessant: Neue Regeln, Kosten, Pflichten! Die Neuerungen für Verbraucher ab März
EU-Regeln bleiben oft Theorie
Der DSA verlangt grundsätzlich einfache und zugängliche Meldewege für illegale Inhalte. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass die Umsetzung oft hinter den Erwartungen zurückbleibt. Zwar gibt es Meldefunktionen, diese sind aber häufig schwer zu finden oder kompliziert gestaltet. Nutzer stoßen so auf unnötige Hindernisse, wenn sie Online-Verstöße melden wollen.