14. September 2025, 8:28 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten
Betrüger drohen oft mit einer Kontosperrung, um Druck aufzubauen. Doch abseits dieser Maschen kann es tatsächlich vorkommen, dass Anbieter den Zugang zu Accounts wie beispielsweise Streaming-Plattformen, E-Mail-Diensten oder sogar Bankkonten verweigern. Ein solches Vorgehen kann für Betroffene oft weitreichende Folgen haben.
Allerdings ist eine solche Kontosperrung nicht immer rechtmäßig. Laut Markus Hagge, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen, dürfen Anbieter nur unter bestimmten Bedingungen den Zugang verweigern – und müssen dies auch begründen.
Klar definierte Gründe müssen in den AGB stehen
Eine Kontosperrung darf demnach nur erfolgen, wenn dies in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eindeutig geregelt ist. Erlaubt seien Sperren etwa bei Zahlungsverzug, Sicherheitsrisiken, Vertragsverstößen oder missbräuchlicher Nutzung. Solche Klauseln müssen für Verbraucher klar verständlich formuliert sein.
Kommt es zu einer Sperre, müssen Betroffene grundsätzlich informiert und zur Stellungnahme aufgefordert werden. Der Anbieter darf nicht ohne Vorwarnung handeln.
Lesen Sie auch: Mit diesen WhatsApp-Nachrichten macht man sich strafbar!
Kosten für neue SIM-Karte sind nicht in jedem Fall erlaubt
Klauseln zur Preiserhöhung bei Netflix und Spotify sind unwirksam
Unzulässige Sperren und unverhältnismäßige Maßnahmen
Unbegründete Sperrungen – etwa ohne konkreten Anlass oder allein auf Basis weit gefasster AGB-Klauseln – sind nach Einschätzung der Verbraucherzentrale unzulässig. „In jedem Fall gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“, betont Hagge. Statt einer Komplettsperre könne oft auch eine Verwarnung oder eine Teil-Sperre ausreichen.
Nur wenn eine akute Gefahr vorliegt, zum Beispiel bei Betrugsverdacht, sei eine vollständige Kontosperrung gerechtfertigt.
Was Betroffene tun können
Wer eine Sperrung für ungerechtfertigt hält, sollte zunächst Widerspruch einlegen. Dabei rät Hagge, dem Anbieter eine konkrete Frist zur Entsperrung zu setzen. Ein Mustertext für ein solches Schreiben steht auf der Website der Verbraucherzentrale Niedersachsen zur Verfügung.
Wichtig sei es zudem, alle relevanten Nachweise wie E-Mails, Screenshots oder Chatverläufe zu sichern, um im Streitfall den eigenen Standpunkt belegen zu können. Bleibt der Anbieter untätig, können Verbraucher sich an Schlichtungsstellen wie die Bundesnetzagentur oder die Finanzaufsicht BaFin wenden.
Mit Material von dpa