5. Mai 2026, 8:05 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ohne den C64 hätten sich Computer vermutlich nie so schnell in der Welt verbreitet. Bis Anfang der 1980er-Jahre galten Computer als komplizierte Maschinen, mit denen sich nur Technik-Freaks beschäftigten. Die Entwicklungen im Westen Deutschlands verfolgten auch ranghohe Politiker im Ostteil. Warum der KC 85 zwar eine Art Heimcomputer war, von dem allerdings der Rest der Welt kaum Notiz nahm, berichtet TECHBOOK in diesem Artikel.
Die Geschichte der Computer in der DDR wurde geprägt vom Volkseigenen Betrieb (VEB) Robotron in Dresden. Hier arbeiteten Ingenieure unter anderem an der Entwicklung eigener Computer. Durch die rasante Entwicklung, die durch den C64 weltweit in Gang gesetzt worden war, intensivierte auch der VEB Robotron in den frühen 1980er-Jahren seine Bemühungen, einen eigenen Heimcomputer zu entwickeln. Wie das Pendant im Westen sollte auch der DDR-Heimcomputer ursprünglich für Computerspiele geeignet sein und zu Lehrzwecken in Schulen oder an Universitäten eingesetzt werden.
Aus Z 9001 wird der KC 85
Auf der Frühjahrsmesse im Jahr 1984 in Leipzig präsentierte Robotron den Z 9001, wie der DDR-Heimcomputer zunächst offiziell hieß. Doch ein knappes Jahr später erfolgte die Umbenennung auf KC 85. KC steht für Kleincomputer und 85 für das Jahr, also 1985.
„Der DDR-Führung war bewusst, ein Heimcomputer wäre ein Rechner, den die Leute dann wirklich zu Hause verwenden könnten. Doch daran war produktionstechnisch und finanziell gar nicht zu denken“, weiß Michael Mikolajczak, Kurator beim Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) in Paderborn.
Genauso war es nämlich. Von der ersten Serie kamen gerade einmal 50 Rechner in den freien Handel. Der Ladenpreis betrug etwa 4600 Ostmark. Als Vergleich: Ein Trabant, das DDR-eigene Fahrzeugmodell, kostete in der Grundausstattung lange Zeit im Schnitt knapp 8000 Ostmark. Für die meisten Menschen in der DDR war beides unerschwinglich. Und selbst wenn sich jemand etwas Geld zusammengespart hatte, waren in der DDR weder Autos noch Computer in ausreichender Menge verfügbar, da die Produktion wegen fehlender Teile oft stillstand.
Deswegen also die Umbenennung in Kleincomputer, um von der geringen Verbreitung in der Bevölkerung abzulenken. Ein technischer Vergleich mit im Westen üblichen Computermodellen fällt schwer, weil sich nach dem unmittelbaren Ende der DDR zunächst niemand mehr für die Robotron-Rechner interessierte.
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Vergleiche mit westlichen Rechnern hinken
„In einigen Artikeln finden sich Hinweise, wonach der KC-Compact, das letzte in der DDR produzierte Modell aus dem Oktober 1989, mit dem Schneider CPC vergleichbar gewesen sein soll“, erläutert Michael Mikolajczak vom HNF in Paderborn. „Über einige DDR-Bürocomputer hieß es, sie könnten mit IBM‑PCs im Westen mithalten“, ergänzt der Computerexperte, hält allerdings nicht viel von solchen Vergleichsspielchen in der Rückschau.
Auch für den KC 85 fand die DDR-Führung eine neue, abgespeckte Bestimmung. Das Modell sollte nur noch zum Lernen in Schulen zum Einsatz kommen, also nichts mit Zocken in der heimischen Stube, stattdessen Pauken in der Penne.
Für Michael Mikolajczak hinkt der Vergleich mit dem C64 ohnehin gewaltig. „Beide Rechner wurden in den 1980er-Jahren entwickelt sowie auf den Markt gebracht, und beide waren 8-Bit-Rechner. Das sind die einzigen Gemeinsamkeiten. Technisch reichten die KC-85-Modelle nicht an den C64 heran.“
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KC-Reihe erfolgreichste Computerserie der DDR
Dennoch gehört die gesamte KC-Reihe von Robotron zur erfolgreichsten Computerserie der DDR und hat allein deswegen einen berechtigten Stellenwert in der Computer-Historie. „Für die Staatsführung der DDR war wichtig, aufzuzeigen: Wir können mit der technischen Entwicklung im Rest der Welt mithalten“, betont Mikolajczak.
Als Massenprodukt ist der Rechner niemals konzipiert gewesen. Exakte Zahlen existieren nicht mehr. Einige Quellen berichten von insgesamt etwa 100.000 Rechnern, die man im Rahmen der KC-Serie im Zeitraum 1985 bis zur Wiedervereinigung in der DDR produziert hat.
Nach der Wiedervereinigung beginnt der rasche Niedergang der DDR-Computerindustrie. Der letzte Kleincomputer, das erwähnte Compact-Modell, tauchte in den frühen 1990er-Jahren zu Ramschpreisen auf Trödelmärkten auf, berichtet Michael Mikolajczak vom HNF im Gespräch mit TECHBOOK.
Ende der DDR bedeutet Aus für Robotron
Eigentlich schade und unwürdig. Schließlich hat man diese Computer unter erschwerten Bedingungen produziert und sie verdienten von daher mehr Wertschätzung. Zumindest in Sammlerkreisen gehören noch verfügbare Rechner der KC-Serie zu einem begehrten Objekt.
Die DDR-Computerschmiede VEB Robotron ist nach der Wiedervereinigung rasch abgewickelt worden. So steht es später in vielen historischen Berichten über diese Zeit. Eine beschönigende Beschreibung, denn knapp 10.000 Menschen waren auf einen Schlag „abgewickelt“, also arbeitslos. Viele fanden später glücklicherweise eine neue Heimat in der IT-Branche der Bundesrepublik oder in anderen Ländern. Allerdings nicht alle.