26. Oktober 2025, 9:38 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Fußballfans kennen dieses Gefühl, wenn der eigene geliebte Verein wieder einmal stümperhaft die Punkte dem Gegner überlassen hat. Wäre es nicht prima, könnten die eigenen Spieler maschinengleich immer ihre beste Leistung abrufen? Alles noch Zukunftsmusik. Immerhin gibt es bereits seit vielen Jahren Weltmeisterschaften für Roboter im Fußball. Doch wie weit sind solche Maschinen davon entfernt, ein Spiel gegen ein menschliches Team zu gewinnen? TECHBOOK hat sich für diesen Artikel bei Teams in Bonn, Bremen und Leipzig umgeschaut.
Zunächst einmal ist die WM-Bilanz der drei deutschen Teams beim RoboCup 2025 im Juli beeindruckend. Bei der offiziellen Roboter-Weltmeisterschaft im brasilianischen Salvador haben alle drei den WM-Titel in ihrer Leistungsklasse gewonnen.
B-Human aus Bremen mit bester Software
Der RoboCup wird seit dem Jahr 1997 jährlich in einem anderen Land ausgespielt. Das Ligensystem im Roboter-Fußball ist erklärungsbedürftig. In jeder Leistungsklasse gelten bestimmte Kriterien oder werden spezielle Schwerpunkte gesetzt. Das Bremer Team B-Human ist in der Klasse „Standard Platform League“ angetreten. Hier nutzen alle Teilnehmer dasselbe Roboter-Modell, in diesem Falle einen NAO-Roboter des französischen Entwicklers Aldebaran.
Die Standard Platform League ist somit vergleichbar mit der Formel 1 beim Autorennen. Die Hardware ist für alle Teilnehmer gleich. Daher gewinnt am Ende das Team mit der besten Software. Da hatte das B-Human-Team von der Universität Bremen am Ende das beste Setting. Die kickenden Roboter besiegten im Finale RoboEireann aus Irland mit 3:0.
Für das Team um die wissenschaftlichen Betreuer Thomas Röfer und Tim Laue von der Universität Bremen ist es bei der 16. Teilnahme bereits der zwölfte WM-Titel. Die Bremer sind damit so eine Art Brasilien im Roboter-Fußball. Allerdings gab es doch eine Premiere, denn der Sieg in Brasilien bedeutete den ersten Titel auf dem amerikanischen Kontinent.
Den Titel verteidigen, können die Bremer nicht, weil es die Klasse „Standard Platform League“ im kommenden Jahr beim RoboCup nicht mehr geben wird. Der Trend geht auch im Roboter-Fußball in Richtung humanoide Maschine, also mehr menschenähnlich.
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Leipziger Roboter am menschenähnlichsten
In dieser Kategorie, genauer in der Klasse „Humanoid League – Kid Size“ hat das Team Boosted HTWK Robots von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig den WM-Titel nach Deutschland holen können. Die Leipziger Roboter besiegten im Finale das Team TH-MOS aus China deutlich mit 11:0. In der humanoiden Leistungsklasse ist der Anspruch der teilnehmenden Teams am größten, eine Roboter-Mannschaft aufzubauen, die im Jahr 2050 in der Lage ist, eine offizielle menschliche Fußball-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Wer sich das Final-Video angeschaut hat, wird feststellen, bis dahin liegt vor den Maschinen noch ein steiniger Weg.
Dennoch beherrschen die humanoiden Roboter inzwischen enorme Fähigkeiten, beispielsweise dynamisches Gehen, Laufen und Treten des Balls unter Beibehaltung des Gleichgewichts, Erkennen des Balls, anderer Spieler und des Spielfelds, die Bestimmung der eigenen Spielposition auf dem Feld und das Zusammenspiel mit den Team-Mitgliedern. Diese Leistung verdankt das Leipziger-Roboter-Team einem wissenschaftlichen Betreuerstab, der inzwischen 20 Mitglieder umfasst.
Deutsche Arbeitsroboter ganz vorne
In einer ganz anderen Liga agiert hingegen das Team b-it-bots von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin. Dieses deutsche Roboter-Team holte sich den WM-Titel in der Liga der Arbeitsroboter. Vergleichen lässt sich dieser Wettbewerb am besten mit dem Zehnkampf in der Leichtathletik.
Für den Sieg müssen die Roboter verschiedene Aufgaben erfüllen. Dazu gehört das möglichst schnelle Abfahren eines vorgegebenen Parcours. Dabei gilt es verschiedene Objekte zu erkennen, zu greifen und zu transportieren. Das erledigte der Bonner Roboter am besten.
Am Ende kam es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zweier deutscher Maschinen. Vor der abschließenden Etappe lag das Team SWOT von der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt noch knapp vor dem Bonner Team b-it-bots. Doch auf der letzten Durchfahrt legte der Roboter aus Bonn eine nahezu fehlerfreie Arbeit hin. Am Ende siegte b-it-bots mit 9.551 Punkten, ein Rekordwert, denn noch nie erreichte ein Arbeitsroboter beim RoboCup eine so hohe Punktzahl.
Übrigens: Die Plätze 2 und 3 sicherten sich ebenfalls deutsche Roboter, Vize-Weltmeister ist das bereits erwähnte SWOT-Team aus Schweinfurt geworden. Bronze gewinnt das Team autonOhm von der Technischen Hochschule Nürnberg.
Zumindest bei den Robotern glänzen deutsche Teams bei Weltmeisterschaften seit vielen Jahren. Ob es dann letztlich im Jahr 2050 zu einem Duell Mensch gegen Maschine bei einer Fußball-Weltmeisterschaft kommt, bleibt dennoch erstmal abzuwarten.

