Experten verraten

Ab wann sich ein Handy zum Vertrag wirklich lohnt

Oftmals werden sie zusammen angeboten: Handy und Mobilfunkvertrag. Nicht immer lohnt sich diese Kombination.
Oftmals werden sie zusammen angeboten: Handy und Mobilfunkvertrag. Nicht immer lohnt sich diese Kombination.
Foto: Getty Images

Kunden, die bei ihrem Mobilfunkanbieter einen neuen Vertrag abschließen, bekommen häufig ein Handy dazu. Aber lohnt sich dieser Deal wirklich? Zwei Experten klären auf.

Um neue Kunden anzulocken, werben Mobilfunkanbieter oft mit tollen Vertragskonditionen. Nahezu jedes Handy können Verbraucher inzwischen gemeinsam mit einem Vertrag erhalten – und bekommen es so augenscheinlich günstiger, als wenn es einzeln gekauft wird. Bei den vielen unterschiedlichen Angeboten ist es jedoch schwer, den Überblick im Preisdschungel zu behalten: Wann ist das Handy wirklich billiger, wann zahlen Sie drauf? Wer auf ein paar Dinge achtet, kann dies jedoch leicht herausfinden.

https://www.techbook.de/mobile/warum-ich-auf-prepaid-schwoere

Teure gegen günstige Handys

Der Telekommunikations-Experte Daniel Pöhler vom Magazin Finanztip hat solche Verträge ausführlich untersucht. Seine Faustregel: „Für günstige Smartphones bis 400 Euro lohnt sich das so gut wie nie.“ Solche Geräte sollten Verbraucher daher lieber im Laden oder im Internet kaufen und zusätzlich einen Vertrag ohne Smartphone abschließen. Bei deutlich teureren Smartphones sieht es anders aus. „Hierfür kann es Verträge mit Gerät geben, die sich richtig lohnen“, sagt Pöhler gegenüber TECHBOOK. Der Telekommunikationsexperte des Vergleichsportals Verivox, Christian Schiele, bestätigt die Aussage: Zwar subventionieren die Provider die Geräte nicht mehr so stark wie früher, dennoch gibt es immer wieder gute Angebote – insbesondere bei neuen, vergleichsweise teuren Smartphones.

Das Problem: Oft können Kunden nicht genau aufdröseln, wie sich der Preis aus Tarif und Handy zusammensetzt, am Ende gibt es oft nur einen monatlichen Preis, in dem sowohl der Handy-Preis als auch die Kosten für den jeweiligen Tarif verflochten sind. Dadurch sieht der Verbraucher nicht konkret, für was er wieviel zahlt. Allerdings können Anbieter vorab Raten für das Smartphone mit dem Kunden vereinbaren, die er monatlich zusätzlich zu seinem Tarif zahlt. Hier ist es für den Kunden deutlich leichter, dass Preis-Leistung-Verhältnis zu ermitteln.

Oft werden Smartphones sogar für nur einen Euro zum Vertrag angeboten – das klingt erst einmal nach einem super Angebot. Experte Christian Schiele warnt allerdings vor solchen vermeintlichen Schnäppchen-Handys. Sogenannte „1-Euro-Handys“ gebe es de facto nämlich nicht. Zwar kostet das Gerät dann nur einen Euro einmalig, doch damit steigen die monatlichen Fixkosten. Man zahlt das Gerät über 24 Monate ab, ähnlich wie bei einem Kredit“, weiß Schiele. 

TECHBOOK macht den Praxis-Test

Wer ein Gerät beim Händler sofort bezahlen könnte, sollte ausrechnen, ob er in Kombination mit einem günstigen Tarif über 24 Monate weniger zahlen würde als mit einer Kombination aus Handy und Vertrag“, erklärt Schiele. Dies gelte umso mehr, wenn Kunden das Gerät länger als zwei Jahre nutzen würden. TECHBOOK hat einmal nachgerechnet und sich unterschiedliche Vertragsoptionen mit Smartphone ausgeschaut. Als Vergleichskriterium wählten wir einen Vertrag mit 4 Gigabyte (GB) Datenvolumen und einer All-Net-Flatrate (unbegrenzte Telefonate und SMS in alle Netze). Der Vergleich der Tarife erfolgte online, am 26. Juni 2018. Für den Vergleich entschieden wir uns für zwei hochpreisigere und etablierte Anbieter und zwei kostengünstiger Anbieter. Nicht inkludiert sind Anschlussgebühren. Wir wählten bei den unterschiedlichen Anbietern jeweils zwei Handys der teureren Kategorie: Ein iPhone X mit 64 GB sowie ein Samsung Galaxy S9 mit 64 GB. In der günstigeren Smartphone-Kategorie entschieden wir uns für die Modelle: iPhone 7 und Samsung Galaxy S7.

Wir multiplizierten die monatliche Gebühr für den Anbieter und das Handy mit der Vertragsdauer, die in unseren Beispielen immer 24 Monate betrug:

Monatlicher Tarif-Preis x 24 + Handy-Preis = Preis für Smartphone und Vertrag für zwei Jahre

Das Samsung Galaxy S9 wird auf der Internetseite von Samsung für 849 Euro angeboten, das Samsung Galaxy S7 kostet 399 Euro. Das iPhone X kostet bei Apple mit 1149 Euro, das iPhone 7 629 Euro.

Telekom

Bei der Telekom wählten wir den Tarif MagentaMobil M mit 4 GB Datenvolumen in Kombination mit dem jeweiligen Smartphone.

Das iPhone X kostet im Vertrag auf zwei Jahre gerechnet 2088,75 Euro, das Samsung Galaxy kostet 1439,80 Euro.

Foto: TECHBOOK

Das iPhone X kostet im Vertrag auf zwei Jahre gerechnet 2088,75 Euro, das Samsung Galaxy kostet 1439,80 Euro.

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Vodafone

Bei Vodafone bekommen Kunden im Tarif Red S eine All-Net-Flatrate mit 4 GB Datenvolumen.

Das iPhone kostet im Tarif Red S bei Vodafone innerhalb der zwei Jahre 1847,66 Euro, das Samsung Galaxy S7 1297,66 Euro.

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Das iPhone 7 gibt es im Tarif Red S für insgesamt 1397,64 Euro, das Samsung Galaxy S7 1051,66 Euro.

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Klarmobil

Bei Klarmobil haben wir uns für einen Tarif im Vodafone-Netz entschieden (Klarmobil gibt es auch im Telekom-Netz), den wir besonders günstig in diesem Fall bei dem Vergleichsportal Check24 gefunden haben.

Bei Klarmobil gibt es das iPhone X für 1306,35 Euro für 24 Monate, für das Samsung Galaxy S9 kostet der Zwei-Jahres-Vertrag 886,35 Euro.

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Klarmobil

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Smartmobil

Bei Smartmobil haben wir einen Tarif im O2-Netz gefunden:

Smartmobil

Bei Smartmobil gibt es das iPhone 7 mit Vertrag bereits für 840,76 Euro, das Samsung Galaxy S7 für 648,76 Euro.

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Das Test-Ergebnis: Die großen Anbieter hatten in unserem Vertrag mit Handy“-Test auch die größeren Preise, die kleinen Anbieter bieten Kunden die kleineren Preise an. 

In einem Fall ist der Zwei-Jahres-Tarif inklusive Smartphone sogar günstiger als das Handy allein im Verkauf: Im Tarif bei Smartmobil kostet der Vertrag samt Samsung Galaxy S9 auf zwei Jahre hochgerechnet 768,76 Euro, ist damit sogar 80,24 Euro günstiger als das Handy im Samsung-Shop. Auch im Fall von Klarmobil ist der Tarif samt Samsung Galaxy S9 zu empfehlen. Der Vertrag kostet in der gesamten Laufzeit mit Handy 886,35 Euro, damit nur 37,35 Euro teurer als das Gerät allein kosten würde. Der Kunde zahlt demnach für die zweijährige All-Net-Flat und die monatlichen 4 GB Datenvolumen lediglich 37,35 Euro. Generell lohnen sich die Verträge mit Handy vor allem bei den teureren Geräten.

Unsere Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen der Experten, die vor allem gute Preise für Smartphones mit Verträgen für Geräte im preisintensiveren Segment sehen. „Solche lohnenswerte Handyverträge gibt es eher bei kleineren Händlern, zum Beispiel Sparhandy oder Logitel“, sagt Daniel Pöhler. Auch Christian Schiele weiß, dass gerade kleinere Marken in Bezug Preis-Leistungs-Verhältnis bei Kunden punkten können. „Doch auch hier zählt der persönliche Bedarf, und dabei kommt es auch auf die Geschwindigkeit an. Wer zum Beispiel Inhalte in HD streamen möchte, braucht mehr Speed und ein stabiles Netz. Manchen Kunden ist auch der persönliche Kontakt in einem Shop wichtig: Hier sind die großen Provider oft besser aufgestellt“, erklärt Schiele. Besonders, wenn etwa das Handy kaputt geht, kann es hier schnelleren Service geben. Auch das schnelle LTE-Netz ist in vielen günstigen Discount-Tarifen nicht immer verfügbar.

Außerdem haben größere Anbieter noch andere Vorteile abseits des Preises. Neben der höheren Geschwindigkeit bieten sie oft spezielle Streaming-Angebote wie etwa „Stream on Music“ bei der Telekom oder Pässe für Social Media oder Musik bei Vodafone, bei der bei bestimmten Diensten kein Datenvolumen angerechnet wird.

Bei der Recherche fiel uns auf: Kunden finden online meist kostengünstigere Verträge, da Anbieter im Netz Online-Rabatte anbieten. Außerdem erhöhen vor allem die größeren Anbieter ihre Vertragspreise häufig ab dem 13. Monat der Vertragslaufzeit.

Worauf Sie beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages achten sollten

Verbraucher sollten sich zuerst genau überlegen, welche Bedürfnisse sie mit dem Mobilfunkvertrag stillen wollen. Bereits die Netzwahl sei entscheidend dafür, wie viel der Handytarif kostet, weiß der Experte. „In größeren Städten reicht oft das O2-Netz, auf dem Land sollte es schon Vodafone oder Telekom sein“, rät Daniel Pöhler. Kunden sollten darauf achten, dass der jeweilige Vertrag zum eigenen Nutzungsverhalten passe. „Viele haben überdimensionale Verträge. Wer nur ab und zu telefoniert, braucht keine Flatrate in alle Netze. Wer wenig surft, keine 4 GB Datenvolumen“, sagt Pöhler zu TECHBOOK. 

„Für Wenig-Nutzer eignen sich kleine Pakettarife, etwa mit 500 Megabyte, 100 Minuten und 100 SMS, die es bereits für fünf bis sechs Euro im Monat gibt“, sagt Christian Schiele. Durchschnittsnutzer, die öfter mobil ins Internet gehen würden, bekommen 1 bis 2 GB Datenvolumen bereits mit günstigen Tarifen unter 10 Euro im Monat. Durchschnittlich nutzen Deutsche monatlich rund 900 MB Datenvolumen. Tarife mit unbegrenztem Datenvolumen würden derzeit rund 80 Euro pro Monat kosten.

Verbraucher, die sich unsicher sind, welcher Tarif für sie infrage kommt, können durch Apps oder Schätzungen analysieren, was sie brauchen. „Diese Angaben gibt man am besten in mehrere Vergleichsrechner ein und schaut sich die Tarife, die die Rechner ausspucken, genauer an“, so Daniel Pöhler. Sollte eine Schätzung unmöglich erscheinen, sollten Kunden zunächst einen Tarif mit weniger Datenvolumen wählen. Stellt sich anschließend heraus, dass der Bedarf deutlich höher liegt, würden Anbieter dem Kunden in einem solchen Fall unkompliziert einen Tarif mit mehr Datenvolumen zur Verfügung stellen. Andersherum sei dies schwieriger. In eine kleinere Tarifvariante zu wechseln, ist hingegen nur selten möglich“, sagt Pöhler. 

Ganz wichtig sei es für Kunden, die einen Mischvertrag aus Tarif und Gerät gewählt haben, rechtzeitig innerhalb der geregelten Frist – meist von zwei Jahren Vertragslaufzeit – zu kündigen. „Denn sonst ist das Smartphone schon abbezahlt und der Kunde zahlt weiterhin die höhere Grundgebühr“, sagt Finanzkenner Daniel Pöhler. Kündigen Sie solche Verträge also immer rechtzeitig, um nicht unnötig draufzuzahlen.