Goophone i7 im Test

Was taugt dieser dreiste iPhone-Klon für 90 Euro?

Eines dieser iPhones hat nur 80 Euro gekostet – und ist ein Fake. Können Sie erkennen welches?
Foto: Steven Ploeger

Ein verführerisches Angebot: Ein iPhone 7 mit 128 Gigabyte Speicher für lediglich 80 anstatt 739 Euro. Der Haken: Das Smartphone heißt Goophone i7 und und ist ein dreister iPhone-Klon aus China. TECHBOOK hat sich eines dieser iPhone-Replikate bestellt und ausprobiert, ob es das Goophone mit dem Original aufnehmen kann.

Sieht man den Karton des Goophone i7 so vor sich, muss man schon ganz genau hingucken, um zu erkennen, dass es sich hier nicht um ein waschechtes iPhone 7 von Apple handelt. Die Aufschriften, die Form und die stabile Konstruktion des Kartons sind von dem eines echten iPhones nicht zu unterscheiden. Lediglich der leicht unscharfe Text auf der Rückseite, der ein „iphone 7“ beschreibt, macht skeptisch.

Öffnet man die Verpackung, kommt noch mehr Misstrauen auf: Ein iPhone in billige Luftpolsterfolie eingewickelt? Da stimmt doch etwas nicht: Das Smartphone ist ein dreistes Imitat! Im Internet wird es zwar unter dem Namen Goophone i7 verkauft, aber das Handy soll eindeutig ein iPhone 7 darstellen.

Dieses „iPhone 7“ ist eine Fälschung – auch wenn das Äußere täuschend echt ist.
Foto: Thomas Porwol

i in iPhone Bedeutung

Äußerlich kaum ein Unterschied zum Original

Das Gehäuse des Goophone besteht wie beim Original aus Aluminium und fühlt sich überraschend wertig an. Wer selbst kein iPhone 7 hat, würde an dieser Stelle noch keinen Fake vermuten.

Das schwarze iPhone ist echt – hätten Sie es erkannt?

Und auch beim ersten Einschalten wundert man sich: Das sieht alles sehr nach iPhone aus. Der Sperrbildschirm, der Homescreen – das Original wurde hier eins zu eins kopiert. Das Display des Goophone löst mit 960×540 und damit etwas gröber als das iPhone 7 auf – bei Apple schafft das Panel 1334×750 Pixel. Ein merklicher, aber nicht gravierender Unterschied.

Links die Fälschung, rechts das Original – auf den ersten Blick würde wohl niemand vermuten, dass eines der beiden Smartphones ein Fake ist.
Foto: Thomas Porwol

Optisch ist die Kopie also nur im Detail zu unterscheiden – aber wie sieht es mit der Technik im Inneren aus?  Es reagiert wahnsinnig träge, nimmt Eingaben oft überhaupt nicht an und ruckelt stark.

Uralt-Android statt iOS

Was zunächst aussieht wie Apples mobiles Betriebssystem iOS entpuppt sich innerhalb kürzester Zeit als Googles Android, auf das mehr schlecht als recht ein iOS-Look drübergekleistert wurde – und dementprechend verhält sich das Handy auch. Schließt man das Goophone an einen Computer an, zeigt sich auch, welches Android da im Hintergrund werkelt: Es ist alte Android 4.4 Kitkat von 2013.

An den Computer angeschlossen, meldet sich auf einmal die Android-Oberfläche des Goophones. Oben links in der Ecke erkennt man das Logo von Android Kitkat.
Foto: Steven Ploeger

Viele Funktionen sind nichts weiter als Augenwischerei: Der Fingerabdruck-Sensor etwa scheint mit einer kleinen Vibration nur vorzutäuschen, tatsächlich zu funktionieren. Im App Store gibt es lediglich eine Reihe veralteter Android-Apps zum Download. Und die Nightshift-Funktion, die eigentlich einen Blaulichtfilter aktivieren soll, reduziert nur die Displayhelligkeit. Auch die Kamera enttäuscht – und erinnert eher an die erste iPhone-Kamera aus 2007.

Ein Vergleich der Bildqualität der Kamera der Goophones i7 mit dem original iPhone 7 fällt eindeutig aus: Links das iPhone 7, rechts das Goophone.
Foto: Thomas Porwol

Aber wirklich absurd wird es, wenn man versucht, das Goophone einfach nur als Telefon zu benutzen. Das sollte doch zumindest möglich sein, oder? Von wegen: Sobald man eine SIM-Karte in der Telefon einlegt, kann man es nicht mehr entsperren. Bei der PIN-Abfrage nimmt das Handy überhaupt keine Eingaben mehr an. Erst wenn man die SIM-Karte wieder entfernt, kann man das Goophone wieder entsperren und benutzen – auch mehrmalige Versuche, das Handy mit einer SIM zu füttern, scheiterten aus diesem Grund. Das Gerät verweigert komplett seinen Dienst.

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Das eigentliche „Highlight“: Das Bluetooth-Headset

Aber es ist nicht alles schlecht am Goophone i7: Die eigentliche Überraschung ist das mitgelieferte Bluetooth-Headset. Anstatt der Ohrhörer mit Lightning-Anschluss, wie man sie beim iPhone 7 findet, liegt hier ein einzelner, kabelloser Ohrhörer dabei. Den kann man mit dem Handy koppeln und über einen Knopf Anrufe entgegen nehmen. Auch Musikhören geht mit dem kleinen Headset, die schlechte Tonqualität verdirbt aber schnell den Spaß daran. Für ein Telefonat reicht es aber vollkommen aus. Im Test entpuppte sich nur das Mikrofon als etwas zu leise, man konnte aber dennoch verstanden werden.

Das Bluetooth-Headset des Goophone i7 ist das Highlight eines ansonsten sehr enttäuschenden Smartphones.
Foto: Thomas Porwol

Das Headset scheint auf Apples seperat erhältliche AirPods anzuspielen, die ebenfalls vollkommen kabellos daherkommen. Während das Design überhaupt nicht an die AirPods erinnert, ist die Funktionalität tatsächlich ähnlich – das Headset ist wohl der beste Teil dieses iPhone-Replikats, rechtfertigt aber keinen Kauf.

Darf man diese Replikas überhaupt kaufen?

Nun handelt es sich beim Goophone i7 eindeutig um eine Fälschung des iPhone 7 von Apple und dürfte damit gar nicht nach Deutschland eingeführt werden. „Nachgeahmte oder gefälschte Waren dürfen im Postverkehr nicht eingeführt werden, wenn der Verkäufer beziehungsweise der Absender mit dem Verkauf unternehmerische Ziele verfolgt,“ erklärte ein Sprecher der Generalzolldirektion in Bonn auf Nachfrage von TECHBOOK. 

versteckte-funktionen

Wird das Goophone bei der Einfuhr durch den Zoll entdeckt, wird es sofort beschlagnahmt und der Rechteinhaber, in diesem Fall Apple, darüber informiert: „Es drohen Schadensersatzforderungen des Originalherstellers. Hier können unter anderem zu zahlende Vernichtungskosten eingefordert werden. Auch das Einleiten eines Strafverfahrens ist möglich.“

Hat man versehentlich eine Fälschung bestellt und merkt dies erst beim Öffnen des Pakets, muss man sich übrigens keine Sorgen machen: Sobald es ein Paket am Zoll vorbei geschafft hat, gehört es zur sogenannten Gemeinschaftsware und muss auch nachträglich nicht dem Zoll gemeldet werden. Ob man in diesem Fall aber das Geld zurück bekommt, ist eine andere Frage: Hat man das Gefühl, Opfer von Betrug geworden zu sein, sollte man sich an die Polizei wenden. Ansonsten kann man nur versuchen, beim Online-Shop direkt das Geld zurück zu fordern.

Lohnt sich das Risiko für das Goophone i7?

Nein. In der Redaktion kursierte für kurze Zeit die Idee, jemand könnte das Goophone i7 für eine komplette Woche als Smartphone benutzen und so auf Herz und Nieren testen, ob sich ein Replikat im Alltag gegen ein richtiges iPhone beweisen kann. Mit dem ersten Einschalten und Ausprobieren des Gerätes starb die Idee aber bereits: Das Goophone i7 grenzt an Betrug und enttäuscht selbst bei grundlegendsten Funktionen wie dem Telefonieren. Es ist unzuverlässig und voller Bugs. Der Preis von 80 Euro scheint vollständig in das Gehäuse des Smartphones geflossen zu sein, damit es zumindest auf den ersten Blick wie ein iPhone wirkt.


Foto: Thomas Porwol

Man geht also nicht nur das Risiko ein, dass es das Paket nicht einmal durch den Zoll schafft und Kosten für die Vernichtung und eine eventuelle Strafanzeige auf einen zu kommen, sondern holt sich auch ein mangelhaftes Gerät inklusive eines nicht unerheblichen Sicherheitsrisikos ins Haus: Denn das Goophone besitzt keine CE-Kennzeichnung, wurde also nicht auf die Einhaltung von EU-Verordnungen überprüft – bei einem Gerät, dass an den Strom angeschlossen wird und einen Akku enthält, nicht trivial.

Wer nach einem günstigen Smartphone sucht, sollte also einen großen Bogen um iPhone-Replikate machen. In diesem Fall sollte man lieber Ausschau nach günstigen Android-Telefonen halten wie dem Motorola Moto G. Welche Smartphones unter 150 Euro sich sonst noch lohnen, lesen Sie hier.