Der Datenkrake abschwören

So nutzen Sie Ihr Android-Smartphone ohne Google-Konto

Durchkreuztes Google-Logo auf Smartphone
Es geht auch ohne Google - wenn man will
Foto: TECHBOOK

Wer ein neues Smartphone mit Googles Betriebsystem kauft, muss einen umständlichen Einrichtungsprozess durchmachen – inklusive Anmeldung für ein Google-Konto. Doch funktioniert das Gerät eigentlich auch ohne? TECHBOOK hat den Test gemacht.

Fast jedes neue Android-Smartphone fordert Sie bei der Ersteinrichtung dazu auf, sich mit einem Google-Konto anzumelden, um das „Gerät optimal zu nutzen“. Im Klartext heißt das, dass Sie mit der Anmeldung Zugriff auf den Google Play Store, dem umfangreichsten aller App Stores, erhalten und nach Belieben Apps installieren können. Allerdings ist die Bereitstellung des Google Play Stores für die Smartphone-Hersteller an das Aufspielen der sogenannten „Google App Suite“ mit der Google-Suche und dem Chrome-Browser geknüpft. Erst vor Kurzem hat die Europäische Union diese Unternehmensmodell für illegal erklärt und Google mit der Rekordsumme von 5 Milliarden Dollar bestraft. Das Unternehmen wurde zudem dazu aufgefordert, diese Praktik innerhalb von 90 Tagen zu beenden. Wie Sie der Datenkrake schon jetzt entwischen, zeigt Ihnen TECHBOOK.

Android ohne Google – Geht das überhaupt?

Prinzipiell benötigt das Android-Betriebssystem die Apps von Google nicht, aber es ist definitiv auf die Benutzung der Dienste des Unternehmens ausgelegt.

So installieren Sie Android-Apps ohne Googles Play Store

Der Vorteil eines Smartphones ohne direkte Verbindung zu Google ist, dass die Daten nicht mehr einfach ausgespäht werden können und für Werbezwecke benutzt werden. Normalerweise erfasst der Tech-Gigant fast alle Daten, die ihm Informationen über das Nutzerverhalten liefern, wie etwa oft besuchte Orte, welche Apps genutzt werden, wann Nachrichten geschrieben und welche Nummer angerufen werden, was und wo gekauft wird, welche Seiten besucht werden oder was angeschaut und gehört wird. Je mehr Apps des Unternehmens Sie benutzen – darunter Gmail, Maps, YouTube, Chrome, Play Store, Fotos, Play Music und viele, viele andere – desto mehr Daten liefern Sie ihm.

Der Nachteil ist, dass ohne Googles Play Store Apps aus anderen Quellen bezogen werden müssen. Alternative App Stores haben zwar oft eine gute Auswahl, veröffentlichen App-Updates aber deutlich langsamer als beim Play Store. Fehlende oder späte Updates bieten viel Raum für Sicherheitslücken, die in Apps aus dem Google Play Store schnell geschlossen werden. Außerdem scannt Google mit seinem Play-Protect-Dienst alle Apps im Play Store auf Schadsoftware. Gerade bei Apps, die aus dem Internet geladen werden, fehlt jeglicher Schutz, wodurch sich der Nutzer schnell einen Virus einfangen kann. Zwar kann Play Protect auch diese Apps auf dubioses Verhalten überprüfen und wird dafür definitiv nach der Nutzererlaubnis fragen – aber damit gäbe man Google wieder mehr Informationen über das eigene Nutzungsprofil.

So benutzen Sie Android ohne Google

Schon bei der Ersteinrichtung kommt ein Anmeldefenster für das Google-Konto. Zwar wird suggeriert, dass das Smartphone ohne die Anmeldung nicht optimal funktionieren werde, jedoch können Sie getrost auf Überspringen klicken und trotzdem Ihr neues Gerät benutzen.

Wenn Google nach Ihren Daten fragt, einfach „Überspringen“ drücken
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Schließen Sie den Einrichtungsvorgang ab, erscheint die Android-Oberfläche genau so wie sonst auch. Nun geht es daran, Alternativen für die vielen Apps zu finden, die von Google bereitgestellt werden. Zuerst brauchen wir dafür einen alternativen App Store, aus dem Ersatzprogramme runtergeladen werden können. Wir haben uns für F-Droid entschieden, weil hier nur Open-Source-Apps angeboten werden, also Programme, deren Quellcode öffentlich zugänglich ist. Man kann mit F-Droid also sicher sein, dass man nicht ausspioniert wird und obendrein sind alle Apps der F-Droid-Datenbank kostenfrei. Die App kann von dieser Seite heruntergeladen werden.

F-Droid muss erst runtergeladen und installiert werden
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Zwar hat F-Droid bei weitem nicht so viele Apps wie der Play Store oder andere Alternativen wie der Amazon Store, jedoch braucht man sich keine Gedanken um die Weitergabe von Nutzerdaten zu machen. Nach der Installation von F-Droid kann es richtig losgehen. Wir müssen jetzt Ersatz-Apps für die ganzen Google-Dienste wie Maps, Chrome und YouTube finden. Zum Glück wird man in den meisten Fällen fündig. Einschränkungen gibt es jedoch vor allem bei Apps von Drittanbietern wie WhatsApp und Facebook. Deren Apps sind nur bei Google Play verfügbar, können aber zur Not auch direkt aus dem Internet geladen werden. Eine relativ sichere Seite dafür ist APKMirror, wo praktisch jede App, die auch im Play Store ist, gefunden werden kann.

Ersatz für Google Apps

Google Maps → OsmAnd+

OsmAnd+ ist eine hervorragende Alternative für Google Maps, die über Standardfunktionen wie Navigation hinaus mit eingebautem Reiseführer mit Informationen von Wikivoyage und Erweiterungen wie einer Seekarte und Höhenlinien kommt.


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Google Chrome → Duckduckgo Browser

Der Enten-Browser sollte eigentlich immer die erste Wahl für das Surfen im Internet sein. Anstelle der Google-Suche benutzt der Browser die eigene Duckduckgo-Suche, bei der die Anonymität des Nutzers an erster Stelle steht.


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Google Gmail → K-9 Mail

K-9 Mail wirkt durch die altbackene Nutzeroberfläche zwar älter, als es ist, man sollte sich davon jedoch nicht täuschen lassen. Die Anmeldung mit der eigenen Mail-Adresse, sei es Outlook, GMX o.Ä., klappt einwandfrei. Auch der Funktionsumfang stimmt, wenn man sich erstmal an die App gewöhnt hat.


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YouTube → NewPipe

Mit NewPipe erhält man Zugriff auf das Videoportal YouTube, ohne dass man Gefahr läuft, dass alles, was man sich dort anschaut, bei Google zu einem Verhaltensprofil zusammengefügt wird. Uns hat die Oberfläche der App fast besser als die von YouTube selbst gefallen und selbst Funktionen wie der Download von Videos ist möglich.


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Unser Fazit

Die Benutzung eines Android-Smartphones ohne ein Google-Konto ist prinzipiell möglich, aber wahrscheinlich nur für eine sehr kleine Zielgruppe wirklich interessant. Durch den Verzicht auf Vorzüge wie stets aktuelle und geschützte Apps aus dem Play Store erlangt der Nutzer erheblich mehr Kontrolle über seine eigenen Daten. Aber eine Reduzierung der Informationen, die an Google geschickt werden, bedeutet nicht, dass man auf einmal völlig anonym unterwegs ist.

Allein die Tatsache, dass Mobiltelefone mit Funkmasten in Verbindung treten, macht den Nutzer jederzeit verfolgbar. Außerdem hat Google durch Hintergrundprogramme wie die Google Play Dienste, die nicht abgeschaltet werden können, immer noch eine kleine Hintertür auf jedem Android-Smartphone. Einziger Ausweg ist die Installation eines sogenannten CustomROM, mit dem das vorinstallierte Betriebssystem ersetzt wird. Dadurch geht jedoch die Garantie verloren und ein Fehler bei der Installation kann das Gerät „bricken“ – also buchstäblich in einen nutzlosen Stein verwandeln.

Sich nicht mit einem Google-Konto anzumelden und die Apps des Unternehmens so weit wie möglich zu meiden, ist also die beste Methode für Menschen, die Ihre persönlichen Informationen wieder in die eigene Hand nehmen und trotzdem nicht auf die Vorzüge eines Smartphones verzichten wollen.

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