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Warnung!

Unbekannte Nummer niemals einfach zurückrufen

Unbekannte Nummer zurückrufen? Auf gar keinen Fall!
Anrufer unbekannt? Dann sollten Sie die Nummer nicht einfach zurückrufen. Foto: Getty Images
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Madlen Schäfer

14. Januar 2026, 10:11 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Erscheint eine unbekannte Nummer auf dem Display, denken viele Menschen: einfach zurückrufen. Doch dieser Anruf kann unter Umständen teuer werden. TECHBOOK erklärt, worauf man achten sollte und wie man mit entsprechenden Betrugsfallen umgeht.

Eine unbekannte Nummer erscheint auf dem Handy und man möchte wissen, wer das ist. Viele rufen dann einfach zurück. Genau das sollte man jedoch nicht tun! Stattdessen sollte man einen genauen Blick auf die Nummer und vor allem deren Vorwahl werfen. Denn diese verrät, von wo aus der Anrufer die eigene Telefonnummer gewählt hat – und gibt Indiz auf einen eventuellen Betrugsversuch.

So reagiert man am besten bei unbekannter Nummer

Wer ist der unbekannte Anrufer und warum sollte man zurückrufen? Das sind die Fragen, die sich wohl jeder bei einem unidentifizierten Anruf stellt. Doch bevor man rangeht oder zurückruft, um das herauszufinden, sollte man sich die unbekannte Nummer einmal genau ansehen. Hat die Telefonnummer vielleicht eine ausländische Vorwahl, doch man hat weder Verwandte noch Freunde im Ausland?

Betrüger kommen häufig nicht aus dem Land, in dem sie die Betrugsmasche durchführen. Auch ein Standort in Europa ist unwahrscheinlich, da die Strafverfolgung von Betrügern außerhalb der EU schwieriger ist. Erhält man also einen Anruf von einer unbekannten Nummer, sollte man immer erst einmal vorsichtig sein. Lasse es gegebenenfalls klingeln und suche die angezeigte Nummer über das Internet. Häufig finden sich bei entsprechenden Betrugsmaschen bereits Einträge in passenden Foren.

Passend dazu: So findet man den Besitzer einer Handynummer heraus

Vorsicht vor Ping-Anrufen!

Die Bundesnetzagentur erhält regelmäßig Beschwerden, bei denen Menschen von unbekannten Nummern aus dem Ausland oder von Rufnummern für globale mobile Satellitensysteme wie etwa „0088“  oder „+88“ angerufen worden sind. Dies erfuhr TECHBOOK auf Nachfrage. Es handele sich dabei häufig um sogenannte Ping-Anrufe. „Durch entsprechende Anrufe soll ein kostenpflichtiger Rückruf provoziert werden. Ein Rückruf dieser Nummern ist aber oft mit sehr hohen Kosten verbunden, teilweise in Höhe von mehreren Euro pro Minute“, erklärt Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur TECHBOOK. Den Betroffenen wird deshalb empfohlen, die unbekannte Nummer nicht einfach zurückzurufen.

So funktioniert der Lock-Anruf: Betrüger lassen es für einen kurzen Bruchteil klingeln und beenden den Anruf sofort wieder. Der Verbraucher verpasst den Anruf, sieht eine unbekannte Nummer auf dem Telefon und möchte zurückrufen. Das ist aber keine gute Idee. Genau darauf hoffen die Betrüger und lassen sich Ihren Anruf kräftig bezahlen, denn der Rückruf kostet meist mehrere Euro pro Minute. Deshalb sollte man auf keinen Fall solche Lock-Nummern zurückrufen!

Nutzer sollen lange am Hörer bleiben

Wer die unbekannte Nummer dennoch zurückruft, hört am anderen Ende der Leitung manchmal nichts, legt auf und denkt sich nichts weiter dabei. In anderen Fällen gibt es Bandansagen, etwa zu angeblichen Paketlieferungen. Das Ziel: Den Nutzer möglichst lange in der Leitung halten. Das böse Erwachen folgt bei Vertragskunden dann auf der Telefonrechnung. Prepaid-Nutzer bemerken die Abzocke unter Umständen gar nicht.

Doch Verbraucher können vorbeugen – vor allem, indem sie sich die unbekannte Nummer des Anrufers genau ansehen, bevor sie zurückrufen. Ping-Anrufe haben fast immer eine Vorwahl aus dem Ausland, erkennbar an einem „+“ oder den Ziffern „00“ zu Beginn der (Festnetz-)Nummer.

Viele Beschwerden gab es auch über unbekannte Nummern aus Burundi und Tunesien. Die Tücke: Die Vorwahlen der Länder – 00257 und 00216 – ähneln denen von Emsdetten (02572) und Mönchengladbach (02161), sodass die Betroffenen nichts ahnend einfach zurückrufen. So ist es auch bei vielen anderen Vorwahlen von meist eher exotischen Ländern: Sie lassen sich leicht mit Städte-Vorwahlen verwechseln.

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Muss man die Rechnung bezahlen?

Aufgrund dieser Masche hat die Bundesnetzagentur Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbote gegenüber unbekannten Nummern aus dem Ausland sowie Anrufen vom globalen mobilen Satellitentelefon erlassen. Eine gute Nachricht für alle, denn das Verbot bedeutet, dass die Kosten, die Betroffenen solcher Anrufe für die Verbindung mit dem Zurückrufen entstanden sind, künftig nicht länger in Rechnung gestellt werden dürfen. Haben Betroffene bereits eine Rechnung erhalten, gilt in diesem Fall das Inkassierungsverbot. Demnach dürfen die noch offenen finanziellen Forderungen nicht weiter verlangt werden.

Man hat bereits bezahlt?

Bei unbekannten Nummern ist das Zurückrufen aber nicht der einzige Haken: Haben betroffene Verbraucher die Kosten der dubiosen Rechnung bereits gezahlt, hilft das Verbot der Bundesnetzagentur vermutlich nur noch bedingt. Aber auch dann sollten Betroffene versuchen, ihr Geld zurückzuholen. Die Bundesnetzagentur kann in diesen Fällen den Verbrauchern bei der Durchsetzung ihrer zivilrechtlichen Ansprüche nicht helfen. Aber gemeinsam mit der Verbraucherzentrale haben Bürger die Möglichkeit, das gezahlte Geld zurückzufordern.

„Vor diesem Hintergrund rät die Bundesnetzagentur generell zur Vorsicht bei Anrufen, wenn diese Anrufe nicht erwartet werden. Verbraucher sollten zudem äußerst sensibel mit ihren persönlichen Daten (Telefonnummern und sonstigen Kontaktdaten, aber insbesondere auch Kontoverbindungsdaten) umgehen“, sagt Reifenberg.

Anbieter um Kulanz bitten

Steht die unbekannte Nummer noch nicht auf der Liste der Bundesnetzagentur und wurde zurückgerufen, gibt es keinen rechtlichen Anspruch. Trotzdem empfiehlt Rechtsanwalt Solmecke, um eine Kürzung des Betrages zu bitten. Häufig seien die Anbieter kulant.

Ein weiterer Schutz: Für 56 Länder gibt es inzwischen verpflichtende Preisansagen zu Beginn des Gesprächs. Wer die unbekannte Nummer zurückruft, wird dann sofort über die anfallenden Kosten informiert.

Wie kommen Betrüger an meine Nummer?

In einigen Fällen sind die Nummern computergeneriert, dann ist es tatsächlich Zufall, erklärt Kathrin Körber, Juristin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Doch immer wieder kommt es auch vor, dass etwa bei Datenlecks abgeschöpfte Daten in die Hände von Betrügern gelangen. Dagegen hilft vor allem, persönliche Daten wie die Telefonnummer oder die Adresse generell nur sparsam preiszugeben.

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