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Ende einer Ära? Sennheiser erneut vor großem Umbruch

Die Consumer-Sparte der Sennheiser-Kopfhörer steht schon wieder vor dem Verkauf
Die Consumer-Sparte der Sennheiser-Kopfhörer steht schon wieder vor dem Verkauf Foto: Getty Images
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9. Juli 2026, 13:45 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Wer Sennheiser hört, denkt vermutlich zuerst an hochwertige Kopfhörer. Das Geschäft mit Kopfhörern, In-Ear-Kopfhörern und Soundbars gehört seit 2022 nicht mehr zum Familienunternehmen.

Die Consumer-Sparte wurde 2022 an den Schweizer Hörgerätehersteller Sonova verkauft. Nun hat ausgerechnet Sonova angekündigt, sich ebenfalls wieder von dem Geschäft trennen zu wollen. Die Geschichte der Marke Sennheiser ist damit noch längst nicht abgeschlossen.

Die Anfänge in Wennebostel

Die Geschichte von Sennheiser beginnt kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Elektroingenieur Fritz Sennheiser arbeitete am Institut für Hochfrequenztechnik und Elektroakustik der Technischen Hochschule Hannover. Weil der Lehrbetrieb infolge der Kriegsschäden nicht mehr möglich war, wurde das Institut vorübergehend nach Wennebostel bei Hannover verlegt. Während viele Mitarbeiter später nach Hannover zurückkehrten, blieb Sennheiser dort.

Im Juni 1945 gründete er das Unternehmen Labor W – das „W“ stand für Wennebostel. Zunächst produzierte die Firma Messgeräte für Siemens. Bereits 1946 folgte mit dem Mikrofon MD 1 das erste eigene Produkt, ein Jahr später kam das MD 2 hinzu.

In den folgenden Jahren entwickelte das Unternehmen zahlreiche Lösungen für den professionellen Audiobereich. 1956 stellte Labor W sein erstes Richtrohrmikrofon vor, das bis heute vor allem bei Film- und Fernsehproduktionen eingesetzt wird. Gemeinsam mit dem Norddeutschen Rundfunk entwickelte Sennheiser außerdem eines der ersten drahtlosen Mikrofonsysteme für professionelle Fernsehübertragungen. 1958 wurde das Unternehmen in Sennheiser Electronic umbenannt.

Erfolg im Profi- und Privatmarkt

Mit seinen Mikrofonen und drahtlosen Übertragungssystemen etablierte sich Sennheiser im professionellen Audiobereich. Rundfunkanstalten, Fernsehsender, Theater und Veranstaltungsunternehmen setzen bis heute auf Technik des Unternehmens.

Mit dem HiFi-Boom der 1960er- und 1970er-Jahre entwickelten sich die Kopfhörer des Herstellers zu einer der bekanntesten Audiomarken für Endverbraucher. Einen wichtigen Anteil daran hatte der 1968 vorgestellte HD 414, der nach Unternehmensangaben als weltweit erster offener Kopfhörer gilt. Das Modell verkaufte sich millionenfach und machte die Marke auch international bekannt. Für viele Verbraucher wurde Sennheiser dadurch vor allem mit hochwertigen Kopfhörern verbunden – obwohl das Unternehmen sein Geschäft mit professioneller Audiotechnik kontinuierlich ausbaute.

1982 übernahm Jörg Sennheiser, der Sohn des Firmengründers, die Geschäftsführung. Seit 2013 führen Daniel und Andreas Sennheiser das Familienunternehmen in dritter Generation.

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Warum Sennheiser das Kopfhörergeschäft verkaufte

2022 verkaufte Sennheiser seine Consumer-Electronics-Sparte an den Schweizer Hörgerätehersteller Sonova. Zum Geschäft gehörten Kopfhörer, In-Ear-Kopfhörer und Soundbars.

Dass das Unternehmen ausgerechnet seine bekannteste Produktsparte abgab, überraschte viele Branchenbeobachter. Für zahlreiche Verbraucher war Sennheiser vor allem als Kopfhörerhersteller bekannt. Tatsächlich spielte das Geschäft mit professioneller Audiotechnik für das Familienunternehmen jedoch schon seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle.

Nach Angaben von Sennheiser sollte der Verkauf finanzielle und personelle Ressourcen für Investitionen in das Professional-Geschäft freisetzen und den Fokus auf professionelle Audiolösungen stärken. Gleichzeitig hatte sich der Wettbewerb im Markt für Unterhaltungselektronik in den vergangenen Jahren deutlich verschärft.

Am Unternehmen selbst änderte sich durch den Verkauf nichts: Sennheiser blieb vollständig im Besitz der Gründerfamilie. Veräußert wurde ausschließlich das Consumer-Geschäft. Heute entwickelt das Unternehmen unter anderem Mikrofone, drahtlose Übertragungssysteme, Studiotechnik sowie Konferenz- und Kommunikationslösungen für Unternehmen.

Auch Käufer von Sennheiser-Kopfhörern merkten wenig vom Verkauf. Sonova übernahm das Consumer-Geschäft und erhielt das Recht, die Marke Sennheiser für diese Produkte weiter zu nutzen. Seitdem liegen Entwicklung, Vertrieb und Vermarktung der Consumer-Produkte bei Sonova, während sich Sennheiser ausschließlich auf professionelle Audiotechnik konzentriert.

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Weshalb die Consumer-Sparte erneut zum Verkauf steht

2026, nur wenige Jahre nach der Übernahme der Sparte, kündigte Sonova jedoch an, einen Verkaufsprozess für das Consumer-Geschäft einzuleiten. Der Konzern begründete dies mit einer strategischen Neuausrichtung. Künftig wolle man sich vollständig auf Hörgeräte und Cochlea-Implantate konzentrieren. Das Geschäft mit Consumer-Kopfhörern unterscheide sich hinsichtlich Entwicklung, Vertrieb und Marktanforderungen deutlich vom Kerngeschäft.

Wer die Consumer-Sparte übernehmen wird, ist derzeit noch offen. Für Käufer von Sennheiser-Produkten hat die Ankündigung zunächst keine unmittelbaren Folgen. An der Aufgabenteilung zwischen beiden Unternehmen ändert der angekündigte Verkaufsprozess zunächst nichts: Sennheiser konzentriert sich weiterhin auf professionelle Audiotechnik, während die Consumer-Sparte bis auf Weiteres von Sonova geführt wird.

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