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Interoperabilität

Neues Gesetz der EU! WhatsApp-Nachrichten lassen sich bald von allen Messengern aus versenden 

Zwei Männer mit Smartphone in der Hand
Ein neues EU-Gesetz soll bald den Austausch von Nachrichten innerhalb verschiedener Messenger erlauben.Foto: Getty Images

WhatsApp ist weltweit der meistgenutzte Messenger. Wer wechseln möchte, steht häufig vor Problemen. Denn wenn alle Freunde und Bekannte bei WhatsApp sind, muss man dort auch sein, um Nachrichten verschicken zu können. Doch genau hier setzt ein neues Gesetz der EU an.

Das EU-Parlament hat in dieser Woche den sogenannten „Digital Markets Act“ beschlossen. Das ZDF nennt die neue Regelung auch „WhatsApp-Gesetz“. Aus gutem Grund, denn es zwingt den Messenger, sich anderen Programmen zu öffnen. Kurzum sollen sich künftig WhatsApp-Nachrichten auch mit anderen Messengern wie Telegram, Signal oder Facebook Messenger versenden lassen. Wer sich mit anderen WhatsApp-Nutzern austauschen möchte, muss somit nicht mehr zwingend selbst einen Account beim Dienst besitzen. Das Prinzip nennt sich „Interoperabilität“.

Was bedeutet die Öffnung von WhatsApp und anderen Messengern für die Sicherheit?

Bereits 2021 hat die Bundesnetzagentur die Messenger-Nutzung über Anbietergrenzen hinweg in Erwägung gezogen. Lange war allerdings nicht klar, wie das Ganze umgesetzt werden soll. Ein Problem ist beispielsweise die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der WhatsApp und auch andere Messenger ihre Chats absichern. Experten warnen vor Sicherheitsproblemen durch die von der EU erzwungene Interoperabilität. Manche sehen die Öffnung der Messenger bei gleichzeitig beibehaltener Verschlüsselung gar als unmöglich an. Wie genau die Umsetzung der neuen EU-Regelung also im Detail erfolgen soll, muss noch genau geklärt werden. Die EU betont allerdings, dass alle bislang geltenden Privatsphäre-Standards und-Verschlüsselungen erhalten bleiben müssen.

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Fest steht, dass eine solch große Anpassung dauern wird. WhatsApp wird sich anderen Messengern gegenüber wohl nur schrittweise öffnen können. Das Gleiche gilt natürlich auch umgekehrt. Vermutlich, so schreibt das Portal Netzpolitik, werde zunächst der Chat zwischen zwei Nutzern über die Messenger-Grenzen hinweg möglich sein. Die Umstellung für Gruppenchats oder gar Sprachnachrichten und Video-Calls werde hingegen deutlich später erfolgen. Laut ZDF gelte für WhatsApp und Facebook eine Übergangsfrist von zwei Jahren, für WhatsApp-Gruppenchats sogar vier Jahre.

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Kleine Anbieter ausgenommen

Auch wenn im Zusammenhang mit der von der EU geforderten Interoperabilität oft von WhatsApp gesprochen wird, gilt die Umstellung für alle großen Messenger. Der neue Parteivorsitzende der Linken, Martin Schirdewan, nennt die neue EU-Regelung eine Möglichkeit „das Internet aufzuräumen und digitale Monopole zu bekämpfen“. Auch der EU-Abgeordnete Patrick Breyer beschreibt das Vorhaben ähnlich. Zum ersten Mal hätten Nutzer eine echte Wahl, welchen Messenger sie nutzen möchten. Andere Messenger bekämen die Chance, mit Platzhirsch WhatsApp in den Wettbewerb zu treten.

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Doch nicht alle Messenger sind verpflichtet, sich WhatsApp oder anderen Anbietern gegenüber zu öffnen. Kleinere Dienste wie etwa das Schweizer Unternehmen Threema erklärten bereits, dass der Nachrichtenaustausch für sie „aus verschiedenen Gründen nicht interessant“ sei. Threema-Chef Martin Blatter hat vor allem die Anonymität und Sicherheit seiner Nutzer im Blick. Er wolle die Daten nicht bei der Meta-Gruppe sehen, zu der auch WhatsApp und Facebook gehören. Gleichzeitig sieht er durch die geforderte Interoperabilität das Konzept von Threema gefährdet. Der Dienst ist kostenpflichtig, sei aber in vielen sozialen Gruppen stark aufgestellt. Wenn Nutzer nun aber auch über WhatsApp in diesen Gruppen aktiv sein können, ohne für Threema zahlen zu müssen, dann „bleiben die Leute bei WhatsApp“, so Blatter gegenüber Netzpolitik.

Quellen

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