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Klares Fazit

Revolut im Test – wie schlägt sich die Banking-App?

Revolut Smartphone-Bank
Revolut wird als App komplett über das Smartphone bedient Foto: Getty Images

Eine Finanz-App namens Revolut will Filialbanken ersetzen und Währungshandel vereinfachen. TECHBOOK hat sie ausprobiert.

Der Schrecken der Bankwelt ist so groß wie ein Fingernagel und passt auf jedes iPhone oder Android-Smartphone. Revolut, eine Geld-App zum Bezahlen, Sparen und vielem mehr. Das dahinter stehende britische Fintech-Unternehmen erreichte bei der letzten Finanzierungsrunde einen Marktwert von 33 Milliarden Dollar. Es ist damit höher bewertet als Deutsche Bank und Commerzbank zusammen. Das erst 2015 gegründete Startup scheint sich also zu so etwas wie dem Tesla der Finanzbranche zu entwickeln, selbst die gehypte Neobank N26 kann da nicht mehr mithalten. Wobei Revolut bislang tatsächlich eher eine Geld-Verwaltungs-App als eine echte Bank ist. Eine europäische Banklizenz aus Litauen erlaubt ihr zwar die Vergabe von Krediten, nicht aber den Wertpapierhandel.

Einfache Anmeldung bei Revolut

Dem User kann‘s egal sein, er bekommt zuerst mal völlig problemlos ein neues Konto. Anmelden, per Selfie und Scan des Personalausweises identifizieren, fertig. Eine nervige Schufa-Anfrage entfällt, dafür hätte Revolut aber gerne die Steuer-ID. Fällt die in die falschen Hände, kann damit viel Missbrauch betrieben werden. Wir verweigern sie, und bekommen trotzdem den vollen Leistungsumfang. Dazu gehören eine vollwertige IBAN aus Litauen, was aber kein Problem sein sollte, und die Möglichkeit, zum günstigen Interbankenkurs Geld jeder beliebigen Währung anlegen zu können. Inklusive Bitcoin, Ether und Co – für eine faire Gebühr von 1,5 Prozent. Wer mit Blockchain-Währungen dealt, spart sich also eine separate Krypto-Wallet.

Kreditkarten-Flut und gute Nutzer-Erfahrung

Auch eine Mastercard zum kontaktlosen Bezahlen in mittlerweile fast allen Geschäften flattert sofort auf Smartphone und Watch. Bei Bedarf, etwa für das Cash-Abheben an Geld-Automaten, liegt ein paar Tage später auch eine physische Mastercard oder Maestro-Karte („EC-Karte“) im Briefkasten. Beide sind Debit-Karten ohne Kreditrahmen, so wie es auch keinen Dispo gibt. Jeder Cent, den man per Revolut ausgibt, muss also vorher eingezahlt worden sein.

Das funktioniert in Sekundenschnelle von einem anderen Girokonto aus, und man kann selbstverständlich Revolut auch ganz klassisch für den Empfang von Zahlungen angeben – etwa als Gehaltskonto. Die User-Erfahrung mit der App ist sehr gut. Egal ob kontaktloses Zahlen, Überweisen, Währungstausch oder Kosten-Aufteilung, etwa für einen gemeinsamen Urlaub. Das flutscht und klappt und ist auch noch schön anzusehen.

Die App ist übersichtlich, einfach und informativ

Jeder Zahlvorgang wird sofort auf der Watch angezeigt und im Smartphone ausführlich aufbereitet. Der Empfänger, etwa ein Supermarkt, präzise und mit Firmen-Logo identifiziert – bis hin zur Lage-Anzeige per Maps. Man kann ein Monatslimit eingeben und das Dahinschmelzen seiner Geldreserven anhand appetitlich aufbereiteter Statistiken nachvollziehen. Ausgaben, auch von verknüpften Konten anderer Banken, kann man nach Arten einteilen und wird gewarnt, wenn das Geld knapp wird. Ob einem das dann irgendwie weiterhilft, sei dahingestellt. Wer aber einmal daran verzweifelt ist, wie eine klassische Bank versucht, ihren Service aus der Filiale auf das Smartphone zu bringen, bekommt bei Revolut das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

Bei Bargeld wird die App ein teures Vergnügen

Die Kehrseite: Die App ist konsequent auf das kontaktlose Zahlen und den Geld-Transfer over the Air ausgelegt. Bargeld-Handling ist eher eine störende Ausnahme. Nur 200 Euro monatlicher Cash-Bezug aus Automaten sind bei kostenloser App-Nutzung und der ersten Bezahl-Stufe „Plus“ für 2,99 Euro im Monat inklusive. Darüber hinaus werden zwei Prozent Gebühr fällig. Die teureren Abos bieten auch höhere Limits, neben weiteren Vorteilen wie schnellerem Support. „Premium“ für 7,99 Euro monatlich 400 Euro und „Metal“ für immerhin 13,99 Euro dann 800 Euro. Dass es bei einer so hohen Kontoführungsgebühr überhaupt noch ein Limit gibt, zeigt die Bargeld-Aversion von Revolut.

Reisen ohne Geld-Gebühren

Praktisch ist die Möglichkeit, an nahezu jedem Bankomaten weltweit Bares ziehen zu können. Das kostet seitens Revolut nämlich keine Auslands-Gebühren. Auch beim Einsatz der Mastercard außerhalb des Euro-Raums entfallen die mittlerweile leider üblichen 1,5 bis 2 Prozent für Zahlungen: Vielreisende werden wohl als Erste zu den überzeugten Usern von Revolut gehören.

Ganz pfiffig klingt eigentlich auch die Idee der Junior-App, die mit Abo eines Elternteils verknüpft wird – in dessen kostenloser Basisversion allerdings nur für ein Kind. Darauf kann dann beispielsweise das Taschengeld verschoben werden, und die Kids können damit (im Rahmen ihrer Geschäftsfähigkeit) kontaktlos oder im Netz zahlen. Im Alltag scheitert der Ansatz aber schlicht daran, dass Kinder oft mit erstaunlichen Summen von Bargeld hantieren, das ihnen Tante oder Opa zustecken, oder das sie in der Nachbarschaft mit Service-Diensten wie dem Hunde-Gassigang verdienen. Das Geld müssten die Eltern dann erst in der Filiale ihrer klassischen Hausbank einzahlen und von dort weiter auf die Junior-App überweisen.

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Fazit: Perfekt für Nomaden der digitalen Welt

Im Grunde ist damit auch der Nutzen für Erwachsene beschrieben. Wer sich im Supermarkt schon bei der Kassiererin entschuldigt, wenn er eine Packung Kaugummi aus Kleingeld-Mangel mit Karte zahlen „muss“, sucht was anderes. Und auch wer gerne den persönliche Ansprechpartner seiner Bank in Anspruch nimmt, dem bringt Revolut nicht viel. Das andere Extrem ist der digitale Nomade, oft und auch international unterwegs. Das Portemonnaie hat er schon längst durch die Apple Watch ersetzt. Solche Leute können ihr Old-School-Girokonto im Grunde komplett durch Revolut ersetzen. Alle Nutzer dazwischen machen mit der kostenlosen Basisversion, als Backup zum Hauptkonto, nicht viel falsch.

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