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„Kry“ im Test: Ersetzt die App den Arztbesuch?

Untersuchung per Smartphone

„Kry“ im Test – ersetzt die App den Arztbesuch? 

Arzt mit Smartphone
Virtuell zum Arzt – das bieten immer mehr Dienste. Einer ist die App „kry“Foto: Getty Images

Diagnose, Krankenschein und Rezept ohne aus dem Haus zu gehen. Das verspricht die App „kry“. Eine virtuelle Sprechstunde per Smartphone hat aber durchaus Nachteile, wie sich in unserem Test zeigte. So werden vor allem Medikamente schnell teuer und bei komplizierteren Beschwerden lässt sich der Gang in die Arztpraxis wohl doch nicht vermeiden.

Wer keine akuten Beschwerden hat, muss mitunter monatelang auf einen Arzttermin warten. In der Praxis angekommen, führt der direkte Weg zunächst erneut ins Wartezimmer. Das muss nicht sein, zumindest wenn man den Machern der App „kry“ glauben darf. Dabei handelt es sich um einen digitalen Arztbesuch am Smartphone, welcher zumindest bei einfachen medizinischen Fällen helfen soll. Doch wie gut funktioniert das wirklich und kann kry überhaupt eine Untersuchung ersetzen? Wir haben das Ganze auf Herz und Nieren ausprobiert und ziehen ein gemischtes Fazit.

Benutzerkonto und Registrierung

Eintritt zur „digitalen Arztpraxis“ gibt es nur per Benutzerkonto, besonders wichtig sind dabei die Krankenkassendaten. Wichtig zu wissen: kry funktioniert für Patienten, die Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse sind. Für den Arzttermin selbst ist keine Zuzahlung erforderlich. Minderjährige können das Angebot nicht selbst nutzen, die Registrierung ist erst ab 18 Jahren möglich. Darüber hinaus macht es keinen Unterschied, ob ein Patient selbst krankenversichert, in der Familienversicherung oder Mitglied der studentischen Krankenversicherung ist. In die App selbst kann man sich im Anschluss mit allen vorhandenen Sicherheitsoptionen, wie z.B. Fingerabdruck, einloggen.

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Eingeschränkte Funktionen

Die kry-App ist gegenüber dem regulären Arztbesuch mit einigen Einschränkungen verbunden. So sei aktuell laut Anbieter keine Kostenübernahme für Medikamente auf Kassenrezepten möglich, bei kry werden lediglich Privatrezepte ausgestellt. Somit müssen Patienten den vollen Preis zahlen, was bei bestimmten Medikamenten sehr teuer sein kann. Nicht möglich sind rückwirkende Krankschreibungen, weshalb auch entsprechend kein rückwirkender Bezug von Krankengeld möglich ist. Die genannten Krankschreibungen dienen nur zur Einreichung beim Arbeitgeber, nicht jedoch bei der Krankenkasse und liegen ausschließlich im PDF-Format vor. Wer die Unterlagen per Post beim Arbeitgeber einreichen möchte, muss diese somit selbst ausdrucken.

Terminvereinbarung

Nach der erfolgreichen Registrierung in der kry-App ist es sofort möglich, Termine mit Allgemeinmedizinern oder Fachärzten zu vereinbaren. Für die Videosprechstunde klickt man dazu einfach auf „Termin buchen“. Auf dem Smartphone müssen Benachrichtigungen aktiviert sein, damit die App rechtzeitig vor dem Arzttermin eine Erinnerung sendet. Vorab müssen zudem einige Fragen für den Arzt beantwortet werden. Eltern bzw. Erziehungsberechtigte können eine separate Video-Sprechstunde für Kinder buchen. Darüber hinaus werden Sprechstunden neben der deutschen Sprache auch in Englisch angeboten. Selbstverständlich gilt auch hier das Arztgeheimnis, womit der Datenschutz vollumfänglich sichergestellt ist. Das gilt ebenso für alle Patientendaten, welche in der App verarbeitet werden. Hier besteht somit kein Nachteil für den Patienten.

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Unser Test

In einem kurzen Selbstversuch haben wir ausprobiert, wie sich kry nun tatsächlich schlägt. Es ging in diesem Fall um einen Termin bei einem Facharzt für Dermatologie. Irritierend war zunächst die falsche Zeitangabe. So sollte der Termin eigentlich am folgenden Morgen stattfinden, dann kam jedoch die Bestätigung, dass kurzfristig ein Arzt zur Verfügung steht. Darauf kann man sich als Patient nur schlecht vorbereiten. Für die Untersuchung musste vorab ein Foto der betroffenen Untersuchungsstelle eingereicht werden. Dies funktionierte vergleichsweise unproblematisch. Die virtuelle Praxisvisite wirkte allerdings im Anschluss durchwachsen, so schien sich der Mediziner insgesamt nur oberflächlich mit den Problem zu beschäftigen. Im Anschluss wurde dann auch kein Medikament verschrieben, sondern ein einfaches Hausmittel empfohlen. In diesem Falle war der medizinische Rat gleichwohl ausreichend.

Nur eingeschränkt empfehlenswert

Die kry-App kann nach unserer Einschätzung keinesfalls einen regulären Arztbesuch ersetzen. Das liegt alleine schon am Umstand, dass zumindest nach Angaben des Anbieters derzeit keine Kostenübernahme für Medikamente möglich sind. Medikamente sind aber selbst bei einer einfachen Erkältung oftmals unabdingbar. Bei potenziell schwerwiegenderen Erkrankungen wäre es sogar grob fahrlässig und gefährlich, auf einen Arztbesuch vor Ort zu verzichten.  Das weiß selbstverständlich auch kry und gibt deshalb bereits in der App an, für welche Krankheiten der Dienst überhaupt nutzbar ist.

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