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Ist das Google Pixel 6 der iPhone-Killer?

Google stellt Pixel 6 und Pixel 6 Pro vor
Google entwickelt nicht nur Android, sondern stellt auch eigene Smartphones unter dem Namen „Pixel“ herFoto: Getty Images

Nach einem Jahr Pause traut sich Google wieder in den High-End-Smartphone-Markt zurück. Pixel 6 und Pixel 6 Pro sollen mit exklusiven Funktionen und aggressiven Preisen die Konkurrenz ausstechen.

Wie für Google-Smartphones mittlerweile üblich, war bereits im Vorfeld alles über das neue Pixel 6 und das Pixel 6 Pro bekannt. Dennoch hatte das Unternehmen auf der Vorstellung der neuen Geräte am Dienstag Gelegenheit, ein paar Details genauer zu zeigen – und die Käufer davon zu überzeugen, warum sie ein Pixel-Gerät kaufen sollen.

Erstes Pixel-Smartphone mit Google-Chip

Für Pixel 6 und Pixel 6 Pro setzt Google erstmals auf einen selbst entworfenen Chip namens Tensor, der den eigenen Anforderungen angepasst sein soll. Bislang hat das Unternehmen auf Chips der US-Herstellers Qualcomm gesetzt.

Zwar soll Tensor ähnliche Leistung wie andere Flaggschiff-Smartphones bieten, der Fokus liegt aber explizit auf Künstlicher Intelligenz. Bestätigte Ergebnisse auf der Benchmark-Seite „Geekbench“ scheinen das zu bestätigen. Hier erreicht der Tensor-Chip in den neuen Google-Smartphone etwa 1000 Punkte in der Single-Core-Leistung und 2800 Punkte im Multi-Core-Test.

Damit ist das Pixel 6/6 Pro erstaunlich nah an Geräten wie dem OnePlus 9 Pro (1100 SC, 3200 MC), die als Spitzenreiter unter Android-Smartphones gelten. Allerdings ist es damit auch weit entfernt von selbst dem ein Jahr alten iPhone 12 Pro Max, das 1600 Punkte in Single-Core und 4100 in Multi-Core erreicht.

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Pixel 6 und Pixel 6 Pro sollen durch exklusive Funktionen überzeugen

Auf dem Vorstellungsevent am Dienstag hat Google eine ganze Reihe von neuen Funktionen demonstriert, die exklusiv für Pixel 6 und Pixel 6 Pro verfügbar sind

Magic Eraser

Der „magische Radierer“ ist eine Funktion, die wir schon aus Photoshop in Form von „Content Aware“ kenne. Das Feature ist direkt in die Kamera-App integriert. Es kann automatisch Objekte im Bild erkennen und entfernen. Wenn man ein bestimmtes Objekt, etwa ein Auto oder eine andere Person, nicht im Bild haben möchte, kann man dieses einkreisen und es verschwindet.

Mit dem Magic Eraser lassen sich ungewünschte Personen und Objekte einfach aus dem Bild entfernen
Mit dem Magic Eraser lassen sich ungewünschte Personen und Objekte einfach aus dem Bild entfernenFoto: Google

Verbesserter Potrait-Modus

Google geht auch endlich ein Problem an, das Menschen mit dunkler Hautfarbe seit Jahren mit Kameras haben. Da die Kameraeinstellungen oft nur mit hellen Hauttönen getestet sind, erscheinen dunkle Hauttöne meist inakkurat. Das Problem ist seit lager Zeit bekannt, doch Google ist der erste Hersteller, der an einer Lösung arbeitet. Das Unternehmen hat dazu mit schwarzen Fotografie- und Video-Experten zusammengearbeitet, um seinen Datensatz zu erweitern. Damit erkennt die Kamera Gesichter besser und stellt den Weißabgleich feiner ein. Außerdem reagiert die Belichtung so, dass dunkle Hauttöne nicht dunkler dargestellt werden, als sie sind.

Face Unblur

Face Unblur soll Schluss mit verschwommenen Fotos machen, die etwa durch Bewegung entstehen. Aufnahmen von der Haupt- und der Ultraweitkamera werden kombiniert, um ein scharfes Bild zu erzeugen.

Motion Mode

Motion Mode ist das genaue Gegenteil davon. Mit dieser Funktion kann man bestimmte Objekte im Bild mit Bewegungsunschärfe versehen. Der Effekt soll eine lange Belichtungszeiten imitieren – ist aber auf jeden schnellen Schnappschuss anwendbar. Die Funktion erinnert an Live-Fotos auf Apples iPhones. Auch hier lässt sich in Bildern eine simulierte lange Belichtungszeit als Option wählen, die eine ähnliches Bewegungsunschärfe erzeugt.

Apps können endlich direkt auf Kamera zugreifen

Entwickler können die Funktionen der Kamera-App in ihre eigenen Apps integrieren. Der Umweg über die Kamera fällt damit weg. Bislang haben Android-Apps mit Kamerafunktion oft deutlich schlechtere Bildqualität und weniger Funktionen als die entsprechenden iOS-Äquivalente. Denn unter Android können die Apps nicht auf die Kamera selbst, sondern nur eine Bildschirmaufnahme davon zugreifen. Mit direktem Zugriff auf die Kamera-App könnte das Pixel 6 dieses Problem lösen.

Live-Übersetzung

Sprach-Diktieren funktioniert in Echtzeit und mit kontextbasierten Eingabebefehlen. Spricht man etwa einen Satz ein und sagt direkt danach „löschen“, erkennt das Pixel 6, dass man nicht das Wort schreiben wollte, sondern löscht den Satz wieder. Auf ähnliche Weise kann man beim Diktieren Emojis einfügen, etwa durch „Emoji Insel“, um das Bild in einen Satz zu integrieren. Außerdem erkennt Google Tensor automatisch den Tonfall und kann so Sätze eigenständig mit einem Punkt und sogar Fragezeichen beenden.

Die Live-Caption-Funktionen kennen wir bereits. Damit kann Android alles Gesprochene, etwa aus Videos oder Audio, in Echtzeit in Text umwandeln und als Untertitel anzeigen. Die Funktion bekommt nun eine Erweiterung in Form von „Live Translate“, die diesen Text in mehrere Sprachen übersetzen kann – ebenfalls in Echtzeit.

Google Duplex bekommt neue Fähigkeiten

Ebenfalls ausgebaut wurde die Anruffunktion des Google Assistant, auch als „Duplex“ bekannt. Nicht nur können Nutzer direkt beim Anrufen sehen, wie ausgelastet das angerufene Unternehmen ist. Der Assistant kann die Anrufe komplett autonom durchführen.

Der Google Assistant auf dem Pixel 6 tätigt Anrufe
Der Google Assistant auf dem Pixel 6 tätigt Anrufe für den NutzerFoto: Google

Er stellt die Anrufinhalte in Chat-Form dar und kann sogar erkennen, wenn eine automatisierte Bandansage Optionen zur Auswahl stellt. Diese Optionen erscheinen dann als Schaltflächen, die man auswählen kann. Müssen Sie in der Warteschleife bleiben, kann das der Assistant für Sie übernehmen und Sie benachrichtigen, wenn es weitergeht.

Komplett neue Kameras

Während die bisherigen Pixel-Smartphones praktisch alle mit einem 12,2-Megapixel-Sensor ausgestattet waren, fährt Google nun schweres Geschütz auf. Pixel 6 und Pixel 6 Pro kommen beide mit einem 50-Megapixel-Sensor, der Bilder in 12,5-Megapixel-Auflösung zusammenfasst (ein Prozess, der als „Binning“ bekannt ist). Der neue 1/1,31 Zoll große Sensor mit f/1.85 Blende kann außerdem mehr Licht einfangen. Beide Smartphones haben darüber hinaus einen 12-Megapixel-Ultraweit-Sensor. Nur das Pixel 6 Pro kommt jedoch mit einer 48-Megapixel-Telefotokamera mit vierfacher Vergrößerung. Auf der Vorderseite hat das Pro einen 11,1-Megapixel-Sensor mit 94-Grad-Sichtfeld, während im normalen Pixel 6 ein Sensor mit 8 Megapixel und 84-Grad-Sichtfeld verbaut ist.

Auf der Vorstellung von Pixel 6 und Pixel 6 Pro betont Google immer wieder, dass der neue Tensor-Chip gezielt für die Unternehmensvision entwickelt wurde, den Nutzern das Leben zu vereinfachen. Die neuen Foto- und Google-Assistant-Funktionen machen Gebrauch von den Machine-Learning-Fähigkeiten von Tensor.

Überraschend günstige Einstiegspreise

Mittlerweile sind wir es gewohnt, Flaggschiff-Smartphones für 1000 Euro und mehr zu sehen. Google geht einen anderen Weg und positioniert Pixel 6 und Pixel 6 Pro an deutlich günstigeren Preispunkten. Das Pixel 6 startet mit 128 GB internem Speicher bei 649 Euro – 150 Euro günstiger als das iPhone 13 mini und 250 Euro günstiger als das iPhone 13. Das Pixel 6 Pro mit 128 GB Speicher ist ab 899 Euro zu haben. Es kostet damit ganze 250 Euro weniger als das iPhone 13 Pro.

Pixel 6 und Pixel 6 Pro sind jetzt vorbestellbar und sollen ab 28. Oktober ausgeliefert werden. Die Geräte starten direkt mit Android 12.

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