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Macht Schnellladen den Akku kaputt?

Macht Schnellladen wirklich den Akku kaputt?
Schnellladen, Ausschalten oder nicht voll laden? – Akku Mythen im Check Foto: Getty Images
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Nele Wegner
Werkstudentin

25. November 2025, 8:29 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Schnellladen schadet dem Akku und wer sein Smartphone schonen will, sollte es nie auf 100 Prozent laden. Doch stimmen diese Tipps wirklich? Zwei Technik-YouTube-Kanäle haben getestet und jetzt ein Video veröffentlicht. Das Ergebnis überrascht: Viele der gängigen Akku-Mythen sind inzwischen überholt.

Die YouTube-Kanäle „HTX Studio“ und „Geekerwan“ haben über Monate mehrere Lade-Experimente mit iPhones und Android-Geräten durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, wie sich unterschiedliche Ladegewohnheiten langfristig auf die Akku-Kapazität auswirken und wann der Austausch eines Akkus wirklich sinnvoll ist. Dabei wurden alle Smartphones individuell gekauft, um Manipulationen durch Hersteller auszuschließen.

Schnellladen im Langzeittest

Im ersten Experiment wurden neun iPhones in drei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe wurde mit einem herkömmlichen Ladegerät immer wieder von fünf auf 100 Prozent geladen, die zweite mit einem Schnellladegerät unter denselben Bedingungen. Die dritte Gruppe nutzte ebenfalls ein Schnellladegerät, allerdings wurde diese nur zwischen 30 und 80 Prozent geladen. Der Ladevorgang lief automatisiert ab, und die Smartphones durchliefen insgesamt 500 vollständige Ladezyklen – das entspricht etwa zwei Jahren normaler Nutzung. Dasselbe Experiment wurde gleichzeitig mit Android-Geräten durchgeführt, die entweder mit 18 Watt (normales Laden) oder 120 Watt (Schnellladen) betrieben wurden.

Nach dem Test zeigten sich überschaubare Unterschiede: Bei den iPhones verlor die langsam geladene Gruppe 11,8 Prozent Kapazität, die Schnelllade-Gruppe 12,3 Prozent und die 30–80-Prozent-Gruppe 8,3 Prozent. Bei den Android-Geräten lag der Kapazitätsverlust bei 8,8 Prozent (langsam), 8,5 Prozent (schnell) und 6 Prozent (30–80 Prozent).

Das Ergebnis: Schnellladen schadet modernen Akkus kaum mehr als normales Laden. Ein kleiner Vorteil lässt sich erkennen, wenn man den Akku im mittleren Bereich hält – der Unterschied ist aber gering.

Lagerung und Ladezustand

Ein zweites Experiment nahm sich die offizielle Empfehlung von Apple vor: Wer ein iPhone längere Zeit nicht nutzt, sollte es bei etwa 50 Prozent Akkustand lagern. Sechs iPhone-12-Modelle wurden auf ein, 50 und 100 Prozent geladen und für eine Woche ausgeschaltet gelassen. Das Ergebnis: Keine der Gruppen zeigte messbare Veränderungen der Kapazität. Kurzfristig spielt es also keine Rolle, ob das Smartphone mit leerem oder vollem Akku ausgeschaltet wird. Ob bei sehr langer Lagerung ein dauerhaft leerer oder voller Akku Schaden nehmen kann, bleibt jedoch offen.

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Wann der Akku wirklich gewechselt werden sollte

Apple ermöglicht, die sogenannte Batterielaufzeit als Prozentwert anzuzeigen. Diese Zahl beschreibt, wie lange das Gerät im Verhältnis zur ursprünglichen Kapazität eines neuen Akkus noch durchhält. Ein iPhone mit einer Batterielaufzeit von 90 Prozent kann also nur noch 90 Prozent der Energie speichern, die es im Neuzustand konnte – entsprechend verkürzt sich die Nutzungsdauer, bevor das Gerät wieder aufgeladen werden muss. Bei Android-Smartphones gibt es derzeit keine vergleichbare, direkt im System integrierte Anzeige, weshalb ein direkter Test nur mit iPhones möglich war.

Im dritten Experiment wollten die YouTuber herausfinden, ab welchem Punkt der Akkuverschleiß die Leistung eines iPhones tatsächlich beeinträchtigt. Dafür nutzten sie vier iPhone-12-Modelle mit Batterielaufzeiten von 94, 89, 85 und 81 Prozent sowie ein iPhone X mit 77 Prozent. Alle Geräte wurden vier Stunden lang unter Dauerbelastung getestet. Die iPhones mit stärker abgenutzten Akkus hielten dabei kürzer durch – das iPhone X schaltete sogar nach 3 Stunden und 52 Minuten ab. Nach dem Austausch der Akkus änderte sich das Bild: Alle Modelle hielten länger durch.

Die Analyse zeigte außerdem: Schon bei einem Akkuzustand von etwa 85 Prozent beginnt das Gerät langsamer zu werden, sobald die Restladung unter 10 Prozent fällt. Spätestens bei 80 Prozent empfiehlt sich laut Test ein Austausch, da Leistung und Laufzeit dann merklich nachlassen.

Viele Akku-Mythen stimmen nicht mehr

Die Tests zeigen deutlich, dass Schnellladen modernen Smartphones kaum schadet. Auch der oft empfohlene 30–80-Prozent-Bereich bringt nur einen kleinen Vorteil, ist aber kein Muss. Ein Akkutausch lohnt sich in der Regel, sobald die Kapazität unter 80 Prozent sinkt – dann macht sich der Verschleiß auch in der Leistung bemerkbar. Nutzer können also ihre Smartphones laden, wie sie wollen – ohne schlechtes Gewissen gegenüber dem Akku.

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