2. April 2026, 17:11 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Ein mysteriöser Kurzwellensender sendet seit Ende Februar regelmäßig Zahlenreihen auf Persisch. Funkamateure wurden kurz nach Beginn des Irankriegs auf die Signale aufmerksam. Die strukturierten Botschaften erinnern an frühere Geheimkommunikation und führen zu einem möglichen Standort im Süden Deutschlands. Doch wer hinter den Übertragungen steckt und welchem Zweck sie dienen, ist bislang ungeklärt.
Am 28. Februar, wenige Stunden nach Beginn des Irankriegs, entdeckten Funkamateure erstmals ungewöhnliche Funksprüche auf der Frequenz 7.910 kHz. Wie der „Spiegel“ berichtet, wurden die Signale in den folgenden Tagen und Wochen zweimal täglich ausgestrahlt. Die Botschaften sind auf Persisch verfasst und beginnen stets mit einem Hinweiswort, das sich mit „Achtung“ übersetzen lässt. Anschließend folgen Zahlenfolgen in klar strukturierten Blöcken, die sich teilweise über mehr als zwei Stunden erstrecken.
Die Art der Übertragung wirkt systematisch und lässt auf eine gezielte Kommunikation schließen. Die Inhalte selbst bleiben jedoch ohne passenden Schlüssel unverständlich.
Spur führt in den Raum Stuttgart
Die Eigenschaften der Kurzwelle halfen dabei, den Ursprung der Signale einzugrenzen. Kurzwellen werden an höheren Atmosphärenschichten reflektiert und können dadurch große Entfernungen überbrücken. In der Nähe des Senders ist das Signal jedoch besonders stark empfangbar. Diese Eigenschaft nutzten Funkamateure des internationalen Projekts Priyom zur Ortung.
Die Auswertung deutet darauf hin, dass der Sender aus Deutschland stammt, genauer aus einem Gebiet zwischen der Panzerkaserne Böblingen und den Patch Barracks der US-Armee in Stuttgart-Vaihingen. Messungen verweisen auf ein nahegelegenes Waldgebiet, in dem das Signal besonders klar und stark empfangen wurde.
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Erinnerung an Zahlensender des Kalten Kriegs
Die beobachteten Übertragungen erinnern an sogenannte Zahlensender, wie sie insbesondere im Kalten Krieg verbreitet waren. Dabei senden meist staatliche Stellen oder Geheimdienste codierte Zahlenreihen, die sich nur mit einem passenden Schlüssel auslesen lassen. Diese Methode galt lange als Relikt vergangener Zeiten, scheint jedoch weiterhin genutzt zu werden.
Wer konkret hinter dem aktuellen Sender steckt, bleibt offen. Weder die beteiligten Funkamateure noch die berichtenden Stellen konnten Verantwortliche identifizieren. Auch offizielle Institutionen wie das US-Militär, die Bundesnetzagentur oder das Verteidigungsministerium äußerten sich nicht zu den Vorgängen.
Seit dem 25. März 2026 wird das Signal weiterhin ausgestrahlt, jedoch mit deutlich reduzierter Leistung. Ob die Übertragungen noch eine operative Funktion erfüllen oder Teil eines größeren sicherheitspolitischen Zusammenhangs sind, bleibt unklar.