23. Juli 2025, 13:15 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Microsoft hat einen Vertrag mit US-Entsorgungsunternehmen Vaulted Deep unterzeichnet, um seinen CO2-Ausstoß auszugleichen. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren sollen so 4,9 Millionen Tonnen Mist, geklärtes Abwasser, Papierschlamm und landwirtschaftliche Nebenprodukte unter der Erde verschwinden. Dafür bezahlt Microsoft eine stolze Summe.
Microsoft gibt Milliarden für Abfallentsorgung aus
Wie Vaulted Deep in einer Pressemitteilung bekanntgibt, läuft der neue Vertrag bis 2038. Das Unternehmen entfernt Kohlenstoff, indem es nicht toxische organische Abfälle „ultratief“ unter der Erde lagert. Dazu gehören etwa Klärschlamm, Gülle, Papierschlamm sowie Lebensmittel- und Agrarrückstände, die nicht wiederverwendet oder sicher auf Feldern ausgebracht werden können.
Vaulted Deep sammelt die Abfälle von Gemeinden, Industriebetrieben und landwirtschaftlichen Erzeugern. Es nutzt einen aus der Öl-Industrie bekannten Injektionsprozess, um die Abfälle in Form von Schlamm Tausende Meter tief in stabile geologische Formationen zu pumpen. Diese sollen durch undurchlässige Gesteinsschichten versiegelt sein, sodass der Kohlenstoff nicht entweichen kann. Das verhindert, dass die Materialien auf Deponien landen und dort klimaschädliches CO2 und Methan freisetzen.
Derzeit kostet die Entsorgung einer Tonne Abfall bei Vaulted Deep zwischen 400 und 444 US-Dollar. Hochgerechnet auf 4,9 Millionen Tonnen ergibt das eine Summe von bis zu 2,18 Milliarden US-Dollar. Weder Vaulted Deep noch Microsoft haben die tatsächliche vertraglich vereinbarte Summe jedoch offengelegt. Gegenüber dem Fachmagazin „Inc.“ soll Vaulted-Deep-CEO Julia Reichelstein jedoch gesagt haben, dass der aktuelle Preis nicht dem entspreche, was Microsoft gezahlt hat. Zudem sei zu erwarten, dass die Kosten mit der Zeit sinken werden. Doch selbst wenn Microsoft nur die Hälfte des aktuellen Tonnenpreises zahlt, handelt es sich immer noch um eine Milliarden-Summe.
Klimastrategie für energieintensive Rechenzentren
Erst im April hatte Microsoft den bislang größten Vertrag zur Bindung von 6,75 Millionen Tonnen CO2 mit AtmosClear unterzeichnet. Der aktuelle Deal mit Vaulted Deep reiht sich somit in eine wachsende Liste von Partnerschaften ein, die helfen sollen, die gewaltigen Emissionen der zunehmend energiehungrigen Rechenzentren auszugleichen.
Microsofts Server-Farmen verbrauchen enorme Mengen Strom, oft noch aus fossilen Quellen. Zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes investieren Microsoft, Google, Amazon, Oracle und andere zunehmend in die Forschung zu modularen Kernreaktoren (Small Modular Reactors).
Erst Ende 2024 hatte der US-Energieversorger Constellation Energy bekannt gegeben, dass es in Partnerschaft mit Microsoft Reaktorblock 1 des Three-Mile-Island-Kraftwerks in Pennsylvania wieder in Betrieb nehme. Microsoft benötigt die Energie für seine Datenzentren, die durch zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz immer mehr Strom verbrauchen.
In dem Kraftwerk fand 1979 die größte Nuklearkatastrophe der US-Geschichte statt, als es im Reaktorblock 2 zu einer partiellen Kernschmelze kam. Constellation hatte den davon unberührten Reaktorblock 1 2019 aus wirtschaftlichen Gründen vom Netz genommen.